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«Kleine Verwahrung» für Sextäter gefordert

Der Mann, der in Dietikon eine 80-jährige Rentnerin brutal misshandelte und quälte, hat für seine Taten keine Erklärung.

Das Bezirksgericht Dietikon fällte im Fall des Sexualstraftäters noch kein Urteil. Dies wird am 24. Juni eröffnet.
Das Bezirksgericht Dietikon fällte im Fall des Sexualstraftäters noch kein Urteil. Dies wird am 24. Juni eröffnet.
Keystone

Schwerfällig, einsilbig und mit gesenktem Kopf stand der 56-jährige Schweizer vor dem Bezirksgericht Dietikon. «Es tut mir leid, es ist ein Wahnsinn, was ich gemacht habe», murmelte er. Der geständige Mann hatte im April 2017 in Dietikon eine 80-jährige Rentnerin in ihrer Wohnung sexuell brutal misshandelt und sie anschliessend gefesselt in der Wohnung ihrem Schicksal überlassen.

Sein Anwalt versuchte eine Erklärung zu geben, warum sein Mandant nach über zwanzig Jahren deliktfreien Lebens ab 2013 in eine Abwärtsspirale geriet, die mit dem Sexualdelikt einen Tiefpunkt erreichte. So wurde dem Zügelmann vom Arbeitgeber gekündigt, nachdem er im Zorn einem Mitarbeiter eine Ohrfeige gegeben hatte. Dem Jobverlust folgten Depressionen und suizidale Gedanken – Vater, Mutter und eine Schwester hatten schon Suizid begangen – sowie Wohnungsverlust und die Beziehung mit der Freundin ging in die Brüche.

Nach zwanzig Jahren gekündigt

Wäre dem Mann nach zwanzig Jahren Arbeit nicht fristlos gekündigt worden, so der Anwalt, wäre sein Mandant nicht wieder straffällig geworden, wie er es als junger Mann in den achtziger Jahren bereits gewesen war. Davon zeugen die Urteile wegen Sexual- und Vermögensdelikte, für die er bis 1991 in der Strafanstalt Thorberg BE einsass.

Der Beschuldigte leidet an einer Schizophrenie, die Psychiaterin bescheinigt ihm eine leicht bis mittelgradig verminderte Schuldfähigkeit und empfiehlt eine stationäre Massnahme. Er ist in der psychiatrischen Klinik Rheinau untergebracht. Seit er dort Medikamente nimmt, geht es ihm deutlich besser.

«Opfer litt Todesangst»

Der Staatsanwalt verlangte für den 56-Jährigen wegen Raubs, sexueller Nötigung und Freiheitsberaubung eine Strafe von 14 Jahren, die zugunsten einer stationären Massnahme (so genannte «kleine Verwahrung») aufgeschoben werden soll. Der Raub habe nicht im Vordergrund gestanden, sondern das Sexualdelikt. «Der Beschuldigte wollte seine Macht ausspielen und das Opfer erniedrigen und quälen». Der Mann habe kurz zuvor eine andere Rentnerin sexuell belästigt.

Die Fesselung der Frau sei besonders brutal und lebensgefährlich gewesen. Das Opfer habe Glück gehabt, dass der Ehemann zwei Stunden später nach Hause kam. Die Anwältin des Opfers sagte, dass ihre Mandantin Todesangst ausgestanden habe und forderte eine Genugtuung von mindestens 25'000 Franken.

Stationäre Massnahmen in der Regel fünf Jahre

Der Verteidiger verlangte eine Strafe von vier Jahren, die ebenfalls zugunsten einer stationären Massnahme aufgehoben werden soll. Der Raub sei im Vordergrund gestanden, nicht der Sex. Sein Mandant habe selber gesagt, dass ihn plötzlich der Teufel geritten habe.

Bei einer stationäre Massnahme wird ein Beschuldigter in einem Gefängnis oder in einer geschlossenen Klinik therapeutisch und wenn nötig medikamentös behandelt. Die Aufenthaltsdauer hängt vom Therapieerfolg ab; einstweilen in der Regel fünf Jahre.

Das Urteil wird am 24. Juni gefällt.

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