Messerstich ins Herz wegen Videospielen

Weil der Freund immer mit der Playstation spielt, versteckt seine Freundin das Gerät. Es kommt zum Streit, und die junge Frau sticht zu. Er überlebt mit Glück – sie kommt vor Gericht.

Eine Playstation stand im Zentrum des Konflikts, der tödlich hätte enden können.

Eine Playstation stand im Zentrum des Konflikts, der tödlich hätte enden können. Bild: Keystone

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Die Beziehungstragödie ereignete sich an einem Sonntagnachmittag im November 2017 in einer Wohnung in Zürich-Affoltern. Die damals 23-jährige Restaurationsfachfrau war mit ihrem vier Jahre älteren Freund im Schlafzimmer, als es zwischen dem Paar zu wiederholten verbalen und teils handgreiflichen Auseinandersetzungen kam.

Der Grund: Der Freund spielt ein Videospiel auf der Playstation, die Frau ärgert sich darüber. Sie unterbricht mehrmals die Stromverbindung, versteckt das Gerät und droht, es mit Wasser zu übergiessen. Als der Mann seine Freundin auffordert, das Haus zu verlassen, packt die Frau ihn am Hals, reisst an seinen Haaren und kratzt ihn.

Der Mann wehrt sich, packt sie am Hals und drückt sie an die Wand und aufs Bett. Dabei würgt er sie. Eine unmittelbare Lebensgefahr habe dabei aber nicht bestanden, heisst es in der Anklageschrift zum Gerichtsprozess vom kommenden Freitag.

Pizzamesser als Waffe

Nach diesem ersten Vorfall scheint es, als würden sich die beiden wieder vertragen. Sie liegen zusammen auf dem Bett. Aber dann entflammt der Streit von neuem. Der Mann greift sich das Handy der Frau und durchsucht es im Badezimmer. Als er wieder ins Schlafzimmer zurückkommt, merkt er, dass die Frau in der Zwischenzeit die Playstation versteckt hat. «So, jetzt isch fertig, ich gib dir en Magebox», sagt der 27-Jährige zu ihr. Doch bevor er zuschlagen kann, sticht ihm die Frau mit einem Pizzamesser kräftig in den Oberkörper.

Die elf Zentimeter lange Klinge verletzt den Herzmuskel, im Herzbeutel kommt es zu einer grossen Blutansammlung. Nur dank einer notfallmässig durchgeführten Operation im Spital überlebt der Mann die Attacke. Seine Freundin sticht sich eine Minute später mit dem Messer je einmal in Oberarm und Brust – in suizidaler Absicht, so die Anklageschrift. Sie erleidet jedoch nur zwei kleinere Verletzungen.

Frau ist seitdem im Gefängnis

Die Schweizerin wird verhaftet und befindet sich jetzt im vorzeitigen Strafvollzug. Staatsanwalt Adrian Kaegi klagt die Frau wegen versuchter vorsätzlicher Tötung an. Er verlangt eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren sowie eine ambulante Therapie während des Strafvollzugs. Es sei nur dem Zufall zu verdanken, dass das Opfer nicht gestorben sei. Die Beschuldigte habe mit dem Messerstich in den Brustkorb eine Todesfolge gewollt oder zumindest in Kauf genommen, schreibt er in der Anklageschrift. Der Ex-Freund, auch er Schweizer, wird am Prozess vor dem Bezirksgericht Zürich am Freitag anwesend sein.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.10.2018, 13:26 Uhr

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