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4 Jahre Haft für erzwungenen Oralsex

Ein junger Serviceangestellter hat einer Ex-Freundin ein Messer an den Hals gehalten und sie gezwungen, ihn zu befriedigen. Nun ist er dafür verurteilt worden.

Für das Zürcher Obergericht war die Tat eine sexuelle Nötigung. («Tages-Anzeiger»/Urs Jaudas)
Für das Zürcher Obergericht war die Tat eine sexuelle Nötigung. («Tages-Anzeiger»/Urs Jaudas)

Fast immer, wenn ein Sexualdelikt zwischen Personen, die sich kennen, vor Gericht verhandelt wird, stehen sich Aussage gegen Aussage gegenüber. Das Gericht muss sich dann auf die Glaubwürdigkeit der Person und die Glaubhaftigkeit der Aussagen abstützen. Dies war auch im jüngsten Prozess vor Obergericht der Fall, bei dem es um qualifizierte sexuelle Nötigung und versuchte sexuelle Nötigung ging.

Angeklagt war ein junger Serviceangestellter, der eine Ex-Freundin im September 2014 zu Oralsex gezwungen haben soll. Der Mann verneinte dies. Der damals 19-jährige Türke und die 18-jährige Schweizerin hatten eine lockere Beziehung gehabt, die jedoch rund drei Monate vor dem verhängnisvollen abendlichen Treffen bereits beendet war. Damals verabredeten sich die beiden per Whatsapp-Chat. Laut dem Beschuldigten wollte er sich wegen eines ähnlichen Vorfalls entschuldigen, während das Opfer sich erkundigen wollte, was er für eine Ausbildung mache und wie es so gehe.

Klappmesser an Hals gehalten

Beim Treffen im Auto des Beschuldigten auf einem Parkplatz im Zürcher Oberland, so die Anklageschrift, versuchte der Mann, die Frau zu küssen, was diese abwehrte. In der Folge nahm der Serviceangestellte ein Klappmesser hervor, öffnete die Klinge und hielt sie ihr vorne an den Hals. Er drohte, «sie runterzustechen», falls sie nicht mache, was er wollte, und zwang das Opfer, ihn oral zu befriedigen. Bereits einige Monate zuvor, so die Anklageschrift, habe der Mann im Auto auf einem Parkplatz in Zürich versucht, die Frau zu Oralsex zu zwingen. Damals aber ohne Messer – die Frau konnte sich erfolgreich wehren.

Für diese beiden Delikte war der Türke vom Bezirksgericht Hinwil im Februar 2016 zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt worden. Zudem soll er dem Opfer 15’000 Franken Genugtuung bezahlen. Dagegen wehrte sich der Beschuldigte und gelangte ans Obergericht.

«Habe der Frau nichts gemacht»

An der Verhandlung vom Freitag sagte der Beschuldigte, dass er der Frau «nichts gemacht» habe. Sein Anwalt verlangte einen Freispruch und eine Entschädigung von 8500 Franken für die 84-tägige Untersuchungshaft. Sein Mandant habe der Frau nur das neue Klappmesser, welches er in den Ferien gekauft habe, zeigen wollen. Zudem habe er es zum Früchteschälen gebraucht. Es gebe auch keine objektiven Beweise wie Rötungen und Druckstellen am Hals, welche auf einen Messereinsatz hindeuten würden. Der Anwalt fragte sich auch, «welchen Teufel die Frau wohl geritten habe», nach dem ersten Vorfall auf dem Parkplatz in Zürich sich wieder ins Auto des Beschuldigten zu setzen.

Für den Staatsanwalt, welcher eine Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren forderte, ist erzwungener Oralsex einem erzwungenen Geschlechtsverkehr gleichzusetzen. Der Mann habe das Messer nicht einfach der Frau zeigen wollen, es sei Symbol für Macht und Gewalt gewesen.

Messer nicht zum Früchteschneiden dabeigehabt

Das Obergericht folgte dem Strafmass der Vorinstanz und verurteilte den Beschuldigten zu vier Jahren. Die Aussagen des Opfers seien glaubhaft, diejenigen des Täters nicht überzeugend. Warum er die Frau persönlich treffen wollte, darüber habe er keine glaubhafte Antwort geben können. Dass er das Messer bei sich gehabt habe, um lediglich Früchte zu schneiden, sei nicht nachvollziehbar.

Zudem habe er nach der Tat versucht, mit der Frau über soziale Medien Kontakt aufzunehmen; erfolglos, weil sie ihn blockiert hatte. Er rechnete damit, dass es zu einer Strafanzeige komme, habe er in der Untersuchung gesagt. Dies wäre nicht der Fall gewesen, wenn nichts passiert wäre. Dass die Strafe nicht höher ausfiel, habe der Beschuldigte seiner Unreife, dem jugendlichen Alter und seiner Lernbeeinträchtigung zu verdanken.

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