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Obergericht spricht Sugardaddy frei

Die Frau sagte, sie sei von einem Arzt vergewaltigt worden. Doch die Aussagen wurden als wenig glaubwürdig beurteilt. Die Vorinstanz hatte noch anders entschieden.

Angedacht war ein Treffen mit materiellen Gegenleistungen. Tatsächlich lief es komplett aus dem Ruder. Archivfoto: Andreas Blatter
Angedacht war ein Treffen mit materiellen Gegenleistungen. Tatsächlich lief es komplett aus dem Ruder. Archivfoto: Andreas Blatter

Kennen gelernt haben sich der Mittfünfziger und die rund 20 Jahre jüngere dunkelhäutige Frau auf einer Internet-Plattform, auf der sich gut situierte Männer mit junge Frauen verabreden können. Diese erhalten im Gegenzug materielle Gegenleistungen; halb Prostitution, halb Escortservice.

Im Sommer vor zwei Jahren lief eines der vielen Treffs des verheirateten Arztes, dessen Familie im benachbarten Ausland lebt, völlig aus dem Ruder. Es endete damit, dass die Frau, die gestern vor dem Obergericht unter Ausschluss von Öffentlichkeit und Medien aussagte, den Mann am Morgen danach wegen Vergewaltigung anzeigte.

Die Vorwürfe in der Anklageschrift sind schwer. Anfänglich hätten die beiden in der Wohnung des Beschuldigten einen angenehmen Abend in guter Stimmung verbracht. Sie sprachen miteinander, küssten sich und kamen sich näher. Als die beiden dann in das Schlafzimmer gingen und die junge Frau auf dem Bett Sadomaso-Material sah, sei die Stimmung gekippt – zumal der Beschuldigte seinen Bademantel auszog und die Frau zwei Piercings an seinem Glied sah.

Frau verlangte 700 Franken

Was folgte, sei ein fünfstündiges Martyrium gewesen, wie die Staatsanwältin sagte. Der Mann habe die Frau in dieser Nacht zweimal zu Sex gezwungen und ihre Hände mit Schnüren seitlich am Bett befestigt. Er habe sie auch mit der ganzen Hand vorne und hinten penetriert. Sie verlangte eine Strafe von fünf Jahren. Die Anwältin des Opfers sagte, dass sich die Frau deswegen immer noch in Therapie befinde.

Bei der Befragung durch das Gericht bestritt der Arzt – dessen Ehefrau den Prozess verfolgte – die junge Frau vergewaltigt zu haben. Es sei zweimal zu einvernehmlichem Sex gekommen, die Stimmung sei gut gewesen. Erst als die Frau am Morgen im aggressiven Ton 700 Franken verlangte und ihn aufforderte, beim Bancomat das Geld abzuheben, sei die Stimmung gekippt. «Geld war nicht vereinbart. Sie schrie und nannte mich einen Rassisten.» Auf die Frage des Richters, ob eine Entschädigung zu Beginn kein Thema gewesen sei, antwortete er: «Sie hatte nichts gefordert, und ich hatte auch nicht damit gerechnet.»

«Dass die Frau auf dem Profil des Arztes die S/M-Vorliebe nicht gesehen haben soll, ist lebensfremd.»

Obergericht

Der Anwalt des Mannes verlangte einen Freispruch und eine Genugtuung. Was das Bezirksgericht Zürich beschlossen habe, sei ein Fehlurteil. Dieses hatte den Mann im September 2017 ­zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt, wovon der Mann ein Jahr absitzen sollte. Das Gericht habe sich hauptsächlich auf die wenig glaubhaften Aussagen des angeblichen Opfers abgestützt.

Der Anwalt erwähnte, dass die Frau schon früher einen VBZ-Chauffeur bezichtigt hatte, sie geschlagen zu haben, und dabei die «Rassimuskeule schwang». Nur weil Zeugen damals diesen Anschuldigungen widersprachen, habe der VBZ-Chauffeur seinen Job nicht verloren. Dies im Gegenteil zu seinem Mandanten, welcher wegen der Berichterstattung in den Medien vor dem Bezirksgericht die Stelle in einer Klinik verlor und seitdem arbeitslos ist. Als Motiv für die falsche Anschuldigung vermutete er die Genugtuung von 30'000 Franken, welche die junge Frau forderte.

Dass die Frau nicht wusste, dass der Arzt auf Sadomaso-Spiele stehe, sei unglaubwürdig, dies habe er auf seinem Internetprofil erwähnt. Er habe ihr aber schon ganz am Anfang des Abends gesagt, dass er den unterwürfigen Teil bevorzuge und nicht den Dominanten.

«Fehlurteil des Bezirksgerichts»

Das Obergericht sprach den Arzt frei und sprach ihm eine Genugtuung von 20'000 Franken zu. Dass die Frau auf dem Profil des Arztes die S/M-Vorliebe nicht gesehen haben soll, sei lebensfremd. Es gebe keine Spuren von Gewalteinwirkungen durch die angebliche Penetrationen mit der Hand. Die Frau hätte das Schlafzimmer verlassen können, als er schlief. Es wäre möglich gewesen, mit dem Handy neben dem Bett die Polizei zu rufen, als dieser auf der Toilette war. Sie habe keine Gründe angeben können, warum sie vor Angst wie gelähmt gewesen sei. Zudem habe sie am Morgen noch in der Wohnung des angeblichen Peinigers geduscht.

Am Schluss sagte ein Richter, dass er dem Anwalt nicht widersprechen könne, welcher von einem krassen Fehlurteil der Vorinstanz gesprochen hatte.

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