Plötzlich fällt im X-tra ein 5-Kilo-Würfel auf die Tanzfläche

Witterte er nur das Geld, oder hat ihn der Deko-Würfel wirklich am Kopf getroffen? Einig waren sich die Parteien vor dem Gericht nur in einem Punkt.

Ein Dekorationswürfel, der im Club X-tra auf die voll besetzte Tanzfläche fiel, hat ein juristisches Nachspiel. Bild TA-Archiv/Reto Oeschger

Ein Dekorationswürfel, der im Club X-tra auf die voll besetzte Tanzfläche fiel, hat ein juristisches Nachspiel. Bild TA-Archiv/Reto Oeschger

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An einer Party im Januar 2015 fiel im Club X-tra beim Limmatplatz ein an der Decke montierter 5-Kilo-Dekorationswürfel plötzlich auf die Tanzfläche. Laut Anklageschrift traf der Würfel einen damals 17-jährigen Partygänger am Kopf, verursachte beim jungen Mann ein Schädel-Hirn-Trauma und weitere Verletzungen. Drei Wochen war der Lehrling arbeitsunfähig und musste sogar seine Lehrabschlussprüfung verschieben.

Der Beschuldigte, der technische Leiter des Clubs, wurde deshalb der fahrlässigen Körperverletzung angeklagt, weil er den Dekorationswürfel nicht fachmännisch an die Decke montiert haben soll. Die Staatsanwältin verlangt eine bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 180 Franken.

Da sich der Beschuldigte auf einer Weltreise befindet, musste er nicht am Prozess teilnehmen. Der Partygänger liess sich ebenfalls von seinem Anwalt vertreten.

Fiel Würfel wirklich auf den Kopf ?

Einig waren sich die Parteien nur darüber, dass der Würfel tatsächlich von der Decke fiel. Der Anwalt des technischen Leiters bezweifelte am heutigen Prozess vor dem Bezirksgericht Zürich, ob der junge Mann überhaupt vom Würfel getroffen worden sei. Er bezog sich auf die Aussage eines Security, welcher rund zehn Meter vom Unfallort entfernt war. Dieser habe den jungen Mann nicht gesehen, sondern nur ein Mädchen, das aber unverletzt blieb. Der Partygänger hatte ausgesagt, dass sich der Sicherheitsdienst nur um das Mädchen gekümmert und ihn einfach weggeschoben habe. «Dies stimmt nicht und wäre eine grobe Dienstpflichtverletzung gewesen», sagte der Anwalt am Prozess.

Weiter erwähnte der Anwalt des technischen Leiters jenen Zeugen, welcher rund vier Monate nach dem Vorfall «wie aus dem Nichts auftauchte» und die Aussagen des angeblichen Opfers bekräftigte. Dieser Zeuge, welcher damals auch im Club war, sei ein Freund des Partygängers. Er habe seine Zeugenaussagen aber nicht mehr wiederholt, als ihn die Staatsanwältin auf die Strafandrohung bei Falschaussagen aufmerksam gemacht habe.

Der Anwalt kam weiter auf den Chatverlauf der beiden Männer zu sprechen. Das Opfer schrieb darin seinem Freund, dass er «etwas zugute habe, sobald alles vorbei sei.» Aus diesen Gründen verlangte der Anwalt einen Freispruch für den technischen Leiter des Clubs. Für ihn ist klar, warum er die Anzeige gemacht hat: «Es geht um Geld.»

«Würfel unsachgemäss montiert»

Der Rechtsvertreter des jungen Mannes verlangte eine Entschädigung von insgesamt 27’000 Franken sowie eine Genugtuung von 2000 Franken. Sein Mandant und auch der Club hätten grosses Glück im Unglück gehabt, dass der Würfel nicht mit der spitzen Kante auf den Kopf eines Clubbesuchers gefallen sei, sonst hätte der Vorfall auch tödlich ausgehen können. Dass der technische Leiter den Dekorationskubus unsachgemäss an die Decke montiert habe, hätte ein Gutachten erwiesen. «Der Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung ist erwiesen.» Sein Mandant wolle sich nicht den Schaden vergolden lassen, die Entschädigungssumme sei ausgewiesen.

Der Einzelrichter fällte noch kein Urteil. Nach einer kurzen Besprechung mit den Anwälten, ohne Beisein der Medien, wurde beschlossen, dass der Club und der junge Mann bis Mitte Oktober Zeit haben, sich aussergerichtlich zu einigen. Falls es zu keiner Einigung kommt, wird der Einzelrichter ein Urteil fällen.

Erstellt: 26.09.2019, 17:43 Uhr

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