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Im Januar müssen sich vor dem Bezirksgericht Zürich gleich drei Männer in zwei Fällen wegen brutaler Morde verantworten.

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Beim ersten Prozess geht es um eine Schiesserei auf der Wehntalerstrasse in Zürich-Affoltern. Angeklagt ist der heute knapp 36-jährige Jeton G., ein Schweizer mit kosovarischen Wurzeln. Er soll in der Nacht des 1. März 2015 einen 30-jährigen Mann aus Montenegro erschossen haben. Wenige Tage danach verhaftete die Polizei drei Tatverdächtige, darunter auch Jeton G.

Beim Opfer handelte es sich um Boris R., einen Türsteher und Mixed-Martial-Arts-Kämpfer. Opfer und Täter kannten sich von früher und waren erbitterte Feinde. So bedrohte Jeton G. seinen Kontrahenten auf Facebook mit vulgären Worten und beleidigte ihn als Hundesohn. In jener Nacht hätten die beiden Kontrahenten den Streit klären sollen. Doch es kam zu einem Showdown auf offener Strasse. Jeton G. ist geständig, geschossen zu haben. Er verneinte aber die Mordabsicht und sprach von Notwehr.

Ein Opfer von Jeton G.: Der in Affoltern erschossene Kampfsportler kurz nach der Tat. Bild: Leserfoto

Der Prozess beginnt am 15. Januar und ist auf vier Tage anberaumt. Angeklagt ist Jeton G. im Fall des Türstehers wegen Mordes. Er soll aus übersteigerter Geltungssucht und Eitelkeit das Opfer erschossen haben, als dieses wehrlos und in Panik auf der Flucht war, steht in der Anklageschrift. Zudem wird Jeton beschuldigt, auch auf den Begleiter des Opfers geschossen zu haben, den er aber nicht traf. Auch die beiden Komplizen Jeton G.s müssen sich vor Gericht verantworten. In Ihrem Fall lautet die Anklage auf Gehilfenschaft zu vorsätzlicher Tötung und Angriff. Zum geforderten Strafmass wird sich Staatsanwalt Matthias Stammbach am Prozess äussern.

Jeton G. ist momentan im Gefängnis, aber nicht im vorzeitigen Strafvollzug wegen des Tötungsdelikts in Zürich-Affoltern, sondern wegen Angriffen bei zwei Schlägereien, Diebstählen, Hehlerei und weiterer Delikte. Das Zürcher Obergericht hatte den Mann im Oktober 2015 zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Zudem wurden zwei bedingt ausgesprochene Vorstrafen von 16 Monaten widerrufen – insgesamt 58 Monate.

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Der zweite Mordprozess ist in den Medien unter dem Namen Seefeldmord bekannt geworden. Er findet am 29. und 30. Januar vor dem Bezirksgericht Zürich statt. Der heute knapp 27-jährige Schweizer Tobias K. ist angeklagt, am 30. Juni 2016 im Zürcher Seefeld einen 42-jährigen IT-Fachmann auf offener Strasse erstochen zu haben – ein Zufallsopfer. Tobias K., der sich damals auf Hafturlaub befand, wollte mit dem Tötungsdelikt einen Mithäftling der Strafanstalt Pöschwies freipressen. Bei diesem handelt es sich um einen 38-jährigen Litauer, der wegen Erpressung zu einer achtjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden war.

Bei dieser Unterführung an der Altenhofstrasse im Seefeld wurde das Opfer mit Messerstichen brutal getötet. (Bild: Stefan Hohler)

Tobias K. war in der Strafanstalt Pöschwies mit dem Litauer in Kontakt gekommen. Dieser hatte im Sommer 2012 versucht, von der Stadt Zürich 100 Millionen Franken zu erpressen; er drohte, Schulen, Kinderkrippen oder den Zürcher Flughafen in die Luft zu jagen. Im Weiteren hatte er versucht, von einem Industriellen 50 Millionen Franken zu erpressen, ansonsten würde er dessen Familie töten.

Im Gefängnis fassten Tobias K. und der Litauer einen teuflischen Plan, wie der Litauer in Freiheit kommen könnte: Tobias K. solle während eines Hafturlaubs einen Erpresserbrief verfassen, um die Freilassung des Litauers aus der Strafanstalt Pöschwies zu erwirken. Wenn sich die Zürcher Behörden nicht darauf einliessen, solle er einen Menschen umbringen, um der Forderung Nachdruck zu verleihen, was mit der Messerattacke auf den IT-Fachmann auch geschah.

Weitere Morde geplant

Nach der Tat floh Tobias K., er konnte sieben Monate später im Kanton Bern verhaftet werden. Denn er war ins Visier der Berner Kantonspolizei geraten, weil er versucht hatte, im Darknet eine Pistole zu kaufen. Damit hätte Tobias K. weitere Tötungsdelikte verüben wollen, um den Litauer freizupressen.

Tobias K. hat ein Teilgeständnis abgelegt, der Litauer bestreitet die Tatvorwürfe. Staatsanwalt Adrian Kaegi wirft den beiden Männern Mord und strafbare Vorbereitungshandlungen zu mehrfachem Mord sowie weitere Delikte vor. Zum Strafantrag äusserte sich Kaegi nicht.

Erstellt: 06.01.2020, 11:56 Uhr

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