Sogar ihr Verteidiger hielt sie für schuldig

Als er Schluss machte, liess sie ihm keine Ruhe. Jetzt wurde die Frau als Stalkerin verurteilt.

Die Frau belagerte unter anderem den Hauseingang des Mannes (Symbolbild).

Die Frau belagerte unter anderem den Hauseingang des Mannes (Symbolbild). Bild: Keystone

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Angefangen hatte alles so einfach: Die Beschuldigte und der Geschädigte stellten auf einer Onlineplattform Kontakt her. Sie trafen sich dreimal im echten Leben zu einvernehmlichem Sex. Dann machte er Schluss. Und es wurde kompliziert.

Die Frau war mit der Trennung nicht einverstanden und bedrängte den Mann. Sie rief ihn unablässig an, schickte Kurznachrichten, klopfte an seine Tür und drohte, sich im Treppenhaus übers Geländer fallen zu lassen, wenn er nicht mit ihr rede.

Der Mann änderte irgendwann seinen Arbeitsweg, um ihr nicht zu begegnen. Er fühlte sich bedroht, litt unter Konzentrationsstörungen, kündigte seinen Festnetzanschluss, besorgte sich ein neues Mobiltelefon mit neuer Nummer.

Kritik an der Polizei

Das Zürcher Bezirksgericht und danach auch das Obergericht verurteilten die Frau wegen mehrfachen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage und wegen mehrfacher Nötigung zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 100 Franken sowie einer Busse von 1200 Franken. Dem Mann sollte sie zudem eine Genugtuung von 2000 Franken bezahlen.

Die Beschuldigte zog das Urteil weiter ans Bundesgericht - wo sie erneut abblitzte. Die Beanstandungen der Frau erschöpften sich «in einer unzulässigen appellatorischen Kritik». So machte sie unter anderem geltend, dass sie für die erste Einvernahme von der Polizei um sechs Uhr Früh geweckt worden sei und den ganzen Tag über nichts zu essen bekommen hätte. Dies stufte das Bundesgericht als blosse Behauptung ein. Die vielen Anrufe und ein Brief des ehemaligen Sexualpartners, in denen er sie aufforderte, ihn nicht mehr zu belästigen, seien hingegen belegt.

Verteidiger hätte entlassen werden sollen

Einzig eine Kritik am Bezirksgericht bringt das Bundesgericht an: Als der amtliche Verteidiger der Frau sich an das Bezirksgericht gewandt und erklärt habe, er selber halte seine Mandantin für schuldig, und einen Schuldspruch sowie eine ambulante Massnahme beantragte, hätte er entlassen werden müssen.

Denn: Wenn ein amtlicher Verteidiger gegenüber dem Gericht sage, er glaube nicht an die Unschuld seiner Mandantin, obwohl diese die Vorwürfe abstreite, sei das Vertrauensverhältnis gestört. Auf den Entscheid des Bundesgerichts hat dieser Umstand jedoch keinen Einfluss. Die Frau hatte von sich aus einen anderen Anwalt verlangt. Damit sei die Verteidigung der Frau gewährleistet gewesen. (sda/pu)

Erstellt: 16.08.2017, 12:00 Uhr

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