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Stricher schlagen Barbetreiber fast tot

Zwei junge Rumänen haben im Zürcher Niederdorf den Geschäftsführer des Schwulen-Clubs Dynasty zum Krüppel geschlagen. Jetzt müssen sie neun Jahre ins Gefängnis.

Stefan Hohler
Der Club Dynasty musste nach dem brutalen Überfall aufgeben. Der Barbetreiber wurde in den Konkurs getrieben. (Bild: Facebook)
Der Club Dynasty musste nach dem brutalen Überfall aufgeben. Der Barbetreiber wurde in den Konkurs getrieben. (Bild: Facebook)

Die beiden heute 23- und 25-jährigen Rumänen sind seit Jahren in der Schweiz immer wieder als Stricher tätig. Der Jüngere lebt mit einem Schweizer in einer eingetragenen Partnerschaft im Kanton Zürich. In Rumänien hat er einen achtjährigen Sohn. Der Ältere kommt seit Jahren regelmässig als Tourist in die Schweiz und arbeitet hier als Stricher. Sie würden sexuelle Dienstleistungen anbieten, sagten sie am Prozess. Beide haben in ihrem Heimatland nichts gelernt und Hilfsjobs ausgeübt.

In der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 2016 waren sie Gäste im Club Dynasty an der Zähringerstrasse im Niederdorf. Als sie in der frühen Morgenstunde die Konsumation bezahlen mussten, kam es zum Streit. Laut Anklage wollten sie die Rechnung mit der Kreditkarte ihres – ebenfalls im Club anwesenden und stark betrunkenen – Schweizer Begleiters bezahlen. Der Kellner lehnte diese Zahlung ab, worauf eine Streiterei zwischen den Männern entbrannte.

Mit Fäusten und Füssen auf das Opfer eingeschlagen

Die beiden Rumänen gingen auf den Kellner los und traktierten ihn mit Fäusten. Sie schlugen ihn zu Boden und stampften mit den Füssen mehrere Male auf Bauch und Oberkörper des wehrlosen Opfers herum. Der Kellner verlor drei Zähne. Als der 45-jährige Geschäftsführer und Barbetreiber seinem Kellner zu Hilfe kam, schlugen sie ihn zu Boden und traten brutal viele Male gegen dessen Kopf. Wie Fussballer, beschrieb eine Zeugin später die Szene. Der Schweizer wurde schwer verletzt: ein Schädelhirntrauma, mehrere Hirnverletzungen und ein Bruch der Augenhöhle. Er war monatelang im Spital. Der Übergriff hat ihn beruflich und gesundheitlich zerstört.

Sowohl Geschäftsführer wie auch Kellner verfolgten gestern den Prozess auf den Zuschauerreihen des Bezirksgerichts Zürich. Als der Richter den Geschäftsführer zu Wort bat, sagte dieser, dass er seit dem Vorfall nicht mehr arbeiten könne, unter starken Seh- und Gleichgewichtsstörungen leide, einen Gehstock brauche und nicht mehr Auto fahren dürfe. Er hat die Bar auflösen müssen und muss demnächst Privatkonkurs anmelden.

Früher einmal ein Liebespaar

Am Prozess zeigten sich die beiden Rumänen reuig, wenn auch ohne grosse Glaubwürdigkeit. Der 25-Jährige nahm alle Schuld auf sich, ausschliesslich er habe zugeschlagen. Sein Freund nicht. Er sei damals Alkoholiker und in der besagten Nacht stark betrunken gewesen. Die beiden waren früher einmal ein Paar, wobei die Liebe offensichtlich einseitig vom Älteren ausging, was das Schuldbekenntnis erklären könnte.

Der Jüngere, ein 23-jähriger Roma, stritt die Schläge gegen den Kellner komplett ab. Bezüglich der Gewalt gegen den Geschäftsführer sagte er, er habe ihn nur mit den Füssen getreten, um sich zu wehren, nachdem dieser ihn vorher mit Pfefferspray eingenebelt habe. Nach der Tat flohen die beiden Männer, wobei der Ältere noch die Kasse mit 1600 Franken mitnahm. Die Kantonspolizei Zürich konnte die beiden Männer im Verlaufe des folgenden Tages festnehmen.

«Beide haben geschlagen und getreten»

Staatsanwalt Matthias Stammbach klagte die beiden Männer wegen versuchter Tötung (im Fall des Geschäftsführers der Bar), schwerer Körperverletzung (im Fall des Kellners) und weiteren Delikten an. Sie hätten aus einem völlig sinnlosen Grund das Leben des Geschäftsführers teilweise zerstört und den Mann zum Krüppel geschlagen. Dieser habe durch die Fusstritte Kopfverletzungen erlitten, wie sie bei Kleinkindern nach einem schweren Schütteltrauma zu beobachten sind. Dass der Mann überlebt habe, sei nur dem Zufall zu verdanken.

Für Stammbach ist klar, dass beide Rumänen zugeschlagen und getreten haben. Dies hätten auch Zeugen bestätigt. Er verlangt für den 25-Jährigen Haupttäter eine Freiheitsstrafe von neun Jahren, für den Jüngeren achteinhalb Jahren. Die Verteidiger der beiden Rumänen bestritten die Tötungsabsicht. Es habe sich lediglich um eine schwere Körperverletzung gehandelt, sagte der Anwalt des Älteren. Er fordert eine Strafe von vier Jahren. Der Verteidiger des Jüngeren verlangt eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren wegen leichter Körperverletzung. Sein Mandant habe im Fall des Kellners nicht geschlagen und im Fall des Geschäftsführers sich nur gewehrt.

Genugtuung von 50’000 Franken

Das Gericht folgte den Argumenten des Staatsanwalts. Es verurteilte die beiden Männer zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren; abzüglich der bereits abgesessenen 18 Monate. Beide seien der versuchten vorsätzlichen Tötung (Barbetreiber) und der versuchen schweren Körperverletzung (Kellner) schuldig. Wer einem bewusstlos am Boden liegenden Menschen auf den Kopf tritt, nehme dessen Tod in Kauf, sagte der Vorsitzende. Zudem müssen die Rumänen dem Barbetreiber eine Genugtuung von insgesamt 50’000 Franken bezahlen.

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