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Besonderer Auftrag für sieben Zürcher Polizisten

Werden Tiere im Kanton Zürich gequält, ermitteln die Spezialisten der Kantonspolizei. 266 Fälle waren es im vergangenen Jahr.

Der Fall des Pferdehalters im thurgauischen Hefenhofen hat für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Die Bilder von Kühen und anderen Nutztieren, die bis zum Bauch im Dreck standen oder völlig abgemagert waren, beschäftigten die ganze Schweiz. Weniger bekannt ist, dass die Zürcher Kantonspolizei bereits seit einem Vierteljahrhundert einen Fachdienst Tier- und Umweltschutz hat. Sieben Polizisten kümmern sich um vernachlässigte Tiere und verschmutzte Gewässer. Zusammen mit Bern gehörte Zürich zu den ersten Kantonen, in denen sich spezialisierte Polizisten den Tier- und Umweltverstössen annahmen. «Die Arbeit hat sich vom Umweltschutz vermehrt Richtung Tierschutz verlagert», sagen der Dienstchef Emil Ott und sein Stellvertreter Martin Sinniger. Dies widerspiegelt den zunehmenden Stellenwert des Tierschutzes in der Bevölkerung.

Spektakuläre Fälle wie jener in Hefenhofen kommen selten vor. Für Schlagzeilen sorgten im Kanton Zürich in den Jahren 2015 und 2016 die Verhaftung von zwei Taubenzüchtern, die mit «Kamikaze-Tauben», die mit in der Schweiz verbotenen hochgiftigen Pflanzenschutzmitteln (Insektiziden) behandelt waren, Wanderfalken und andere Greifvögel vergiftet hatten (siehe Kasten rechts). Die Fachgruppe kam ihnen dank kriminalistischem Spürsinn und einer Portion Glück auf die Spur.

Die Arbeit der polizeilichen Tierschützer ist weit gefächert: Sie umfasst neben Wildtieren auch Nutz- und Haustiere. Die meisten Hinweise erhält die Polizei in diesem Bereich vom kantonalen Veterinäramt oder von den Fleischschauern in den Schlachthöfen. Landwirte werden zudem wegen des für die Direktzahlung notwendigen ökologischen Leistungsnachweises regelmässig kontrolliert. So werden Verstösse gegen das Tierschutzgesetz schnell entdeckt. Ott bewertet die Tierhaltung in der Landwirtschaft im Kanton Zürich aber insgesamt als sehr gut.

Video: Ein Wanderfalken-Weibchen verendet auf der KVA Josefstrasse

Am 9. Mai 2011 nahm die Webcam auf, wie ein Wanderfalken-Weibchen nach der Rupfung einer Taube stirbt. Video: Grün Stadt Zürich

Bei Haustieren kommt es hingegen immer wieder vor, dass sich die Polizei mit illegal in die Schweiz importierten Hunden befassen muss. Tiere ohne Impfschutz, die den seuchenpolizeilichen Bestimmungen widersprechen und der Polizei von Tierärzten gemeldet werden. Nicht selten kommt es vor, dass Polizisten bei einer Hausdurchsuchung merken, dass Schlangen oder Kleintiere in zu engen Terrarien oder Käfigen gehalten werden und ihre Kollegen vom Fachdienst informieren.

Bilder: Die gequälten Pferde von Hefenhofen

Oberst Jürg Liechti, Kommandant des Kompetenzzentrums Veterinärdienst und Armeetiere in Sand-Schönbühl.
Oberst Jürg Liechti, Kommandant des Kompetenzzentrums Veterinärdienst und Armeetiere in Sand-Schönbühl.
Adrian Moser
Rekruten pflegen vor den Armee-Stallungen die vernachlässigten Pferde.
Rekruten pflegen vor den Armee-Stallungen die vernachlässigten Pferde.
Adrian Moser
Von den 93 Pferden war kein einziges beschlagen.
Von den 93 Pferden war kein einziges beschlagen.
Adrian Moser
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Ein grösserer Fall von Wild- und Haustieren, die nicht artgerecht gehalten wurden, betraf einen unbewilligten Kleintierzoo, welcher auf Initiative des Zürcher Veterinäramts geräumt werden musste. Involviert waren auch die Mitarbeiter des Fachdienstes Tier- und Umweltschutz, die mithalfen, Tiere wie Schlangen, Damhirsche, Affen, Süsswasserrochen und Nasenbären abzuholen und neu zu platzieren. Auch hier habe es sich beim Betreiber nicht um einen eigentlichen Tierquäler gehandelt, der Mann sei zu einem wesentlichen Teil einfach überfordert gewesen.

Alarmglocken bei Tierquälerei

Fälle von vorsätzlicher Tierquälerei seien selten, aber hier würden sofort sämtliche Alarmglocken läuten. «Oft beginnt es mit Tierquälerei und endet bei Sadismus beim Menschen», sagt Ott. So sei die Früherkennung solcher Täter enorm wichtig. Gerade im Heimtierbereich sei die Dunkelziffer vermutlich recht hoch, da sich vieles im verborgenen – innerhalb der eigenen vier Wände – abspiele. Als Beispiel nennt Ott einen Fall, bei welchem ein gehbehinderter Mann seinen Hund mit seinen Gehhilfen derart schlug, dass diesem ein Bein gebrochen wurde.

Die Fachdienstmitarbeiter treffen immer wieder auf «Tiermessies», die so viele Exemplare sammeln, dass sie sich nicht mehr genügend um sie kümmern können. Häufig kommt dies bei Katzen- und Hundehaltern vor, die von der Menge der Tiere in der Wohnung völlig überfordert sind. So erinnert sich Emil Ott an einen Fall, in dem gegen 80 Hunde in einem abgelegenen Haus gehalten wurden: «Den Gestank hatte ich noch tagelang in der Nase.»

Ehrliche Jäger

Weniger häufig sind Jagdfälle, beispielsweise wenn ein Jäger ein noch Junge führendes Wildschwein schiesst. Meistens zeigen sich die Jäger dann selber an. Dies einerseits aus jagdethischen Gründen und andererseits weil die Kontrolle innerhalb der Jägerschaft gut funktioniert. Allgemein zeige sich die Jägerschaft sehr polizeifreundlich. So leistet sie unter anderem einen grossen Einsatz im Bereich der Wildunfälle im Strassenverkehr. Dass Tiere gewildert werden, kommt selten vor. Martin Sinniger, sein Stellvertreter, erwähnt einen Rehbock im Naturschutzgebiet am Pfäffikersee. Er wurde vor zwei Jahren von einem Unbekannten abgeschossen und liegen gelassen – vermutlich war er gestört worden.

Im vergangenen Jahr bearbeitete der Fachdienst Tier- und Umweltschutz insgesamt 114 Fälle im Heim-, 61 im Nutztier- und 56 im Tierseuchenbereich sowie 35 Jagdfälle. Dem stehen 43 grössere Ermittlungen im Umwelt- und Gewässerschutz gegenüber. Einer dieser Fälle betraf kürzlich den Dorfbach in Weiningen, wo im Juli auf einer Länge von rund zwei Kilometern mehrere Hundert Flusskrebse vergiftet wurden. Zwar konnte der Bachverschmutzer nicht gefunden werden, doch hat Ott eine Vermutung, was die Ursache gewesen sein könnte. Man habe in den Wasserproben ein Insektizid gegen Buchsbaumzünsler (Raupen) gefunden, das wohl unabsichtlich über einen Meteoschacht in den Bach gelangt ist. «Das Mittel hat nur die Krebse getötet, die sehr empfindlich darauf reagieren, nicht aber die Fische.»

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