Todesschütze wegen Mordes angeklagt

Jeton G. hat einen Mann auf offener Strasse in Zürich-Affoltern erschossen. Jetzt kommt er vor Gericht.

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Der 35-jährige Schweizer Gelegenheitsarbeiter mit kosovarischen Wurzeln sitzt momentan im Gefängnis. Aber nicht wegen des Tötungsdelikts an einem Türsteher in Zürich-Affoltern vom 1. März 2015. Sondern wegen Angriffen bei zwei Schlägereien, wegen Diebstählen, Hehlerei und weiterer Delikte.

Das Zürcher Obergericht hatte den Mann im Oktober 2015 zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Zudem wurden zwei bedingt ausgesprochene Vorstrafen von 16 Monaten widerrufen – insgesamt 58 Monate.

Er spricht von Notwehr

Jeton G. aus Regensdorf hatte in der Nacht des 1. März 2015 auf der Wehntalerstrasse in Zürich-Affoltern einen 30-jährigen Mann aus Montenegro erschossen. Wenige Tage danach verhaftete die Polizei drei Tatverdächtige, darunter auch Jeton G. Der 35-Jährige ist laut früheren Medienberichten geständig. Er verneinte aber die Mordabsicht und sprach von Notwehr.

Die Untersuchung ist abgeschlossen und der Fall ist ans Bezirksgericht Zürich übergeben worden. Wann es zum Prozess kommt, ist noch offen, vermutlich nach den Sommerferien. Der Staatsanwalt hat Jeton G. wegen Mordes angeklagt, zum Strafmass und zu allfälligen weiteren Massnahmen äusserte er sich nicht. Auch die beiden Komplizen müssen sich verantworten, jedoch nicht wegen Mordes.

Miteinander verfeindet

Beim Opfer handelte es sich um Boris R., einen Türsteher und Mixed-Martial-Arts-Kämpfer. Opfer und Täter kannten sich von früher und waren erbitterte Feinde. So bedrohte Jeton G. seinen Kontrahenten auf Facebook mit folgenden Worten: «boris ich fick dis läbe... du hundesohn.»

Interessant ist auch der Vorfall vom 7. Oktober 2014 am Schwamendingerplatz. Damals war es an der Saatlenstrasse zu einer Schiesserei unter mehreren Personen gekommen. Verletzt wurde offenbar niemand, und wer geschossen hatte, ist nicht bekannt. Sowohl Jeton G. als auch Boris R. sollen dabei involviert gewesen sein.

Laut dem «Blick», der Einsicht in die Untersuchungsakten des tödlichen Vorfalls vom 1. März 2015 hatte, war es zum Showdown auf offener Strasse gekommen. Die wichtigsten Aussagen von Jeton G.: Der Streit sei eskaliert, er habe einen «Vollschuss Pfefferspray» ins Gesicht bekommen. Es gab ein Gerangel, Schüsse fielen. Die spätere Tatwaffe trug ein Kollege von Jeton G. mit sich herum. «Er drückte mir dann den Revolver in die Hand. Ich habe einfach abgedrückt und geschossen. Ich sah nicht, wohin ich schiesse.» Eines der Projektile traf Türsteher Boris R. tödlich.

Trotz Vorstrafen eingebürgert

Nach der Tat stellte sich heraus, dass Jeton G. trotz Vorstrafen eingebürgert worden war. Er war bereits als Minderjähriger ein sogenannter Intensivtäter. Nach dem Abbruch seiner Lehre als Autospengler hatte er nicht mehr gearbeitet. Er verdiente Geld mit kommerziellem Hanfanbau und fuhr einen Jaguar. Er habe nichts von Arbeitsprogrammen wissen wollen und soll laut Medienberichten im Umgang mit Angestellten des Sozialamts Regensdorf unsäglich gewesen sein. Jeton G. ist verheiratet und hat zwei Kinder. Die Familie bezog jahrelang Sozialhilfe. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.03.2019, 10:56 Uhr

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