Tötung im Villenviertel: Waren es wirklich die Drogen?

Der deutsche Galerist, der in Küsnacht einen Freund brutal erschlagen hat, steht vor Gericht. Unklar ist, welchen Einfluss der Konsum von Kokain und Ketamin auf die Tat hatte.

Der Beschuldigte vor Gericht: Der Prozess wegen fahrlässiger (oder vorsätzlicher) Tötung dauert eine Woche.

Der Beschuldigte vor Gericht: Der Prozess wegen fahrlässiger (oder vorsätzlicher) Tötung dauert eine Woche. Bild: Robert Honegger

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Was sich am frühen Morgen des 30. Dezembers 2014 in einer Villa in Küsnacht genau zugetragen hat, wird wahrscheinlich für immer im Dunkeln bleiben. Denn nach der Befragung des Pharmakologe-Psychologen Boris Quednow ist nur eines klar: Der bald 32-jährige Galerist und Kunsthändler kann damals unter der Wirkung von Ketamin und Kokain in einem psychotischen Schub seinen Freund getötet haben. «Es ist aber auch möglich, dass es nicht so war», sagte der Fachmann am Montagmorgen zum Auftakt des mehrtägigen Prozesses am Bezirksgericht Meilen.

Dem deutschen Staatsbürger wird vorgeworfen, er habe seinem Freund Alex, einem damals 23-jährigen schweizerisch-britischen Doppelbürger, mit verschiedenen Gegenständen schwere Verletzungen zugefügt, dem noch lebenden Opfer eine Kerze in den Rachen gerammt und es schliesslich erwürgt. Zudem soll er sich gegenüber einer damals 31-jährigen Frau der qualifizierten Vergewaltigung, der mehrfachen sexuellen Nötigung und des Tötungsversuchs schuldig gemacht haben.

Ketamin kann Erinnerung löschen

Der Vater des jungen Opfers glaubt nicht an einen psychotischen Schub des Täters. Sein Rechtsvertreter kündigte bereits an, er werde eine Verurteilung wegen direktvorsätzlicher Tötung beantragen. Die dreistündige Befragung des Pharmakologe-Psychologen schuf diesbezüglich auch nicht restlos Klarheit, weil unklar blieb, ob es den psychotischen Schub gegeben hat.

Die Klärung des Sachverhalts wird zusätzlich erschwert durch die Wirkung von Ketamin. Dieses führt zu Wahrnehmungsstörungen und beeinträchtigt die Erinnerung, ja, es kann sie quasi auslöschen. Es sei deshalb, so der Fachmann, «schwer zu beurteilen, welche der unterschiedlichen Aussagen des Beschuldigten der Wahrheit entsprechen». Es sei möglich, dass sich die Tat ganz anders zugetragen habe, als es der 32-Jährige angegeben habe.

Kampf gegen einen «alienmässigen Teufel»?

Während des Prozesses wird der Beschuldigte schweigen. Er bestätigte zu Beginn nur, dass er gesundheitlich in der Lage sei, der Verhandlung zu folgen. Während der Strafuntersuchung hatte er aber immer wieder Aussagen gemacht – allerdings immer wieder unterschiedliche. Dass er unter einer Psychose litt, machte er erst ein Jahr nach der Tat geltend. Er habe befürchtet, deswegen in die Psychiatrie eingeliefert zu werden, sagte er damals zur Rechtfertigung.

Damals schilderte er, wie sein Freund einen «psychopathischen Blick» gehabt habe. Nachdem sie in der Villa in Küsnacht Ketamin und Kokain konsumiert und schwedische Volksmusik gehört hätten, habe ihm Alex gesagt, er sei der Teufel, und er werde ihn jetzt umbringen. «Er war grün, hatte rote Augen und lange Ohren», gab der Beschuldigten zu Protokoll. Er habe «richtig alienmässig» ausgesehen. Da habe er gedacht: Jetzt zeigt Alex sein wahres Gesicht. Und dann habe er um sein Leben gekämpft. Indem er das Leben seines Freundes auf brutale Weise auslöschte.

Heute Nachmittag wird Elmar Habermeyer zu seinem psychiatrischen Gutachten befragt. Der Prozess wird dann am Mittwoch fortgesetzt. Es geht dabei um Vorwürfe, die von der ehemaligen Partnerin des Angeklagten erhoben werden – konkret wird ihm eine qualifizierte Vergewaltigung sowie eine versuchte Tötung vorgeworfen. Dabei wird die Frau, die bereits heute die Verhandlung neben ihrem Rechtsvertreter mitverfolgte, vor Gericht aussagen.

Der Beschuldigte soll im Sommer 2014 auf Ibiza versucht haben, die Frau im Drogenrausch aus einem mit 80 km/h fahrenden Taxi gestossen zu haben. Beide waren aber angegurtet. Zudem wird ihm vorgeworfen, die Frau im Herbst 2014 in einem Hotel in London in Todesangst versetzt und anschliessend vergewaltigt zu haben.

Angeklagter ist geständig

Am Donnerstag folgen die Plädoyers des Staatsanwalts und der Anwälte der Privatkläger. Der Staatsanwalt verlangt eine Freiheitsstrafe von acht Jahren, sofern das Gericht von fahrlässiger Tötung ausgeht, oder dreizehn Jahren, falls das Gericht von vorsätzlicher Tötung ausgeht. Die Strafen sind theoretisch aber nur möglich, wenn das Gericht auch die Sexualdelikte und/oder den Tötungsversuch gegenüber der Frau als erwiesen ansieht.

Am Freitag wird die Verteidigung plädieren. Der Beschuldigte hat drei Anwälte, zwei Verteidiger und einen Medienanwalt. Er ist bezüglich des Tötungsvorwurfs grundsätzlich geständig. Die Vorwürfe der Vergewaltigung und der versuchten Tötung seiner ehemaligen Partnerin bestreitet er jedoch. Das Urteil wird erst einige Wochen später erfolgen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.03.2017, 07:35 Uhr

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