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Tötungsversuch im Pfuusbus wegen Nachtruhestörung

Ein Drogensüchtiger hat im Pfuusbus einen Mann mit Messerstichen lebensgefährlich verletzt – er fühlte sich durch dessen lautes Treiben mit einer Frau gestört.

Der Pfuusbus beim Albisgüetli war im Winter Tatort einer Messerstecherei. (Bild: Sozialwerke Pfarrer Sieber)
Der Pfuusbus beim Albisgüetli war im Winter Tatort einer Messerstecherei. (Bild: Sozialwerke Pfarrer Sieber)

Der heute 31-jährige Schweizer war in seinem nicht einfachen Leben am Tiefpunkt angelangt: kein fester Job, obdachlos und seit Jahren drogen- und alkoholsüchtig. Der Mann wohnte im Winter 2016 im Pfuusbus an der Uetlibergstrasse im Albisgüetli. Der Pfuusbus ist ein Angebot der Sozialwerke Pfarrer Sieber und bietet Obdachlosen im Winter eine Schlafmöglichkeit. Der Grund für den Aufenthalt im Pfuusbus: Der Logistiker, der die Lehre bei der Post aber nicht abgeschlossen hatte, war von der Mutter aus der Wohnung geworfen worden. Nicht nur, weil sie umzog, sondern auch, weil es Spannungen und Tätlichkeiten gegeben hatte.

In jener verhängnisvollen Nacht des 23. Januar 2016 schlief der Beschuldigte, als er durch lautes Treiben geweckt wurde. Ein 43-jähriger Pfuusbusbewohner hatte auf einer benachbarten Pritsche Sex mit einer Frau, mit welcher der Logistiker früher schon einmal ein «Techtelmechtel» gehabt hatte, wie der Beschuldigte am Prozess am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich sagte.

Täter kurz darauf verhaftet

Als er wieder versuchte einzuschlafen, habe ihm der andere Mann an die Hoden gegriffen und sie gequetscht. Da habe er aus voller Wut wegen des respektlosen Verhaltens des Paares und der Schmerzen an den Hoden dem Widersacher dreimal mit einem Sackmesser in den Oberkörper gestochen – ein Stich in den rechten Brustkorb und zwei Stiche hinten in den Rücken. Der Logistiker floh, konnte aber eine Stunde später an der Langstrasse im Kreis 4 von der Polizei verhaftet werden.

Die Frage des Richters, ob nicht auch noch Eifersucht ein Tatmotiv gewesen war, verneinte der Beschuldigte. Er sei wütend gewesen, dass er so unsanft geweckt worden sei, und habe die Beherrschung verloren. Es tue ihm leid, er habe nicht gezielt zugestochen und habe den Mann auch nicht töten wollen. Dies wäre aber der Fall gewesen, wenn die Ärzte im nahen Triemlispital den lebensgefährlich Verletzten nicht sofort operiert hätten.

Hodengriff nur eingebildet?

Der Staatsanwalt machte ein Fragezeichen hinter den Griff an die Hoden. Das Opfer habe dies verneint, und in der Einvernahme habe der Beschuldigte davon nichts gesagt. Auch der Psychiater ist in seinem Gutachten der Meinung, dass sich der Logistiker dies nur eingebildet habe. Der Psychiater empfiehlt eine psychotherapeutische und medikamentöse Behandlung für den an einer schizoaffektiven Störung leidenden Mann, ansonsten die Gefahr einer erneuten Gewalttat gross sei. Der Logistiker befindet sich seit einem Monat in der geschlossenen psychiatrischen Klinik Münsterlingen im Kanton Thurgau.

Der Staatsanwalt verlangte wegen versuchter Tötung eine Strafe von fünf Jahren – aufgeschoben zugunsten einer stationären Massnahme. Den tiefen Strafantrag begründete der Staatsanwalt damit, dass der Psychiater dem Logistiker eine schwer verminderte Zurechnungsfähigkeit attestiert hatte.

Mit der Weiterführung der Therapie waren auch der Beschuldigte und sein Verteidiger einverstanden. Der Anwalt sagte, sein Mandant habe sich vom anderen Pfuusbus-Bewohner bedroht gefühlt und in einem putativen (vermeintlichen) Notwehrexzess gehandelt. Er verlangte deshalb eine Strafe von maximal 36 Monaten.

Aus Ärger und Wut gehandelt

Das Gericht folgte aber dem Strafmass des Staatsanwaltes. Es verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren, die zugunsten der begonnenen Therapie in der Klinik aufgeschoben wird. Das Gericht verneinte eine Notwehr, der Mann habe aus Ärger und Wut über die Nachtruhestörung gehandelt.

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