Trickdiebe oder unbescholtene Touristen?

Zwei Chinesen sollen in einer Zürcher Bijouterie einen Diamantring im Wert von 335'000 Franken gestohlen haben. Vor Gericht schwiegen sie eisern.

Einer der beiden verhafteten Chinesen wird von der Polizei ins Gericht geführt. (Bild: Stefan Hohler)

Einer der beiden verhafteten Chinesen wird von der Polizei ins Gericht geführt. (Bild: Stefan Hohler)

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Gesenkten Hauptes sitzen die beiden Beschuldigten vor dem Bezirksgericht Zürich und – schweigen. Sie machen keine Aussagen zur Tat und zur Person. Vorgeworfen wird den beiden heute 30- und 32-jährigen Männern aus China, im Dezember 2015 mithilfe eines Tricks einen Diamantring im Verkaufswert von 335'000 Franken aus einer Bijouterie an der Bahnhofstrasse gestohlen zu haben.

Laut Anklage haben sie sich den teuren Ring von der Verkäuferin zeigen lassen. Dabei hätten sie den Ring unter den Blicken der Verkäuferin aus der Geschenkbox genommen, ihn begutachtet und wieder in die Schachtel gelegt. Danach verliessen sie den Laden und entfernten sich Richtung See. Misstrauisch geworden durch einen Hinweis des Ladenbesitzers, blickte die Verkäuferin nochmals in die Schachtel – das teure Schmuckstück war weg.

Die beiden Männer wurden Mitte April 2016 in Italien verhaftet und später in die Schweiz ausgeliefert. Sie sitzen seit rund 13 Monaten in Untersuchungshaft. Die Festnahme war aufgrund eines internationalen Haftbefehls erfolgt. Denn die Polizei konnte am Tatort DNA-Spuren der Männer sicherstellen, sie waren zuvor schon einmal wegen eines ähnlichen Delikts in Bratislava in der Slowakei mit der Polizei in Kontakt gekommen. Damals kam es aber mangels Beweisen zu keiner Verurteilung.

Am Prozess vom Dienstag verlangte die Staatsanwältin eine unbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren. Die Chinesen hätten zielstrebig und professionell gehandelt. Die Beute ist bisher unauffindbar. Die Männer hätten weder Reue noch Einsicht gezeigt und trotz erdrückenden Beweisen geschwiegen. Sie wurden im Laden von einer Videokamera gefilmt. Einer habe die Verkäuferin abgelenkt, so die Staatsanwältin, der andere habe den Ring gestohlen.

Seit 13 Monaten in U-Haft

Überwachungskameras ausserhalb des Ladens zeigten, wie die beiden Männer nach der Tat durch die Bahnhofstrasse wegrannten. Ein weiteres Indiz für das gezielte Vorgehen der Beschuldigten sei, dass sie nur eine Hotelnacht in Zürich gebucht und als Reisegepäck lediglich Plastiktüten mit sich geführt hätten. Die Männer seien für die Tat eigens nach Zürich gereist, ist die Staatsanwältin überzeugt.

Die Verteidiger der Beschuldigten verlangten einen Freispruch sowie eine Entschädigung und Genugtuung für die 13-monatige Untersuchungshaft. Von erdrückender Beweislast könne keine Rede sein: «Der Diebstahl ist auf dem Videomaterial überhaupt nicht ersichtlich.» Man könne nicht sehen, wie die Männer den Ring gestohlen haben sollen. Man sehe nur, wie einer den Ring in die Geschenkbox legte, welche dann von der Verkäuferin geschlossen und verschnürt wurde.

Wert nur 185'000 Franken?

Die Anwälte stellten auch den tatsächlichen Wert des Diamantrings infrage. Dabei handle es sich lediglich um den gewünschten Verkaufspreis. Der Besitzer habe von einem Einstandspreis von 185'000 Franken gesprochen. Vermutlich sei auch dieser Betrag noch zu hoch.

Das Gericht fällte noch kein Urteil. Es will die Überwachungsvideos nochmals konsultieren und wird danach das Urteil den Parteien schriftlich zustellen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.05.2017, 17:18 Uhr

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