Tötung im Seefeld: Jetzt ist das Motiv klar
Unglaublich: Tobias Kuster wollte einen Knastkumpel freipressen und tötete dafür ein zufälliges Opfer. Eine Rolle spielte dabei ein Brief ans Zürcher Kantonsparlament.
Jetzt ist klar, warum Tobias Kuster am 30. Juni 2016 im Zürcher Seefeld einen Mann erstochen hat: Der 23-Jährige wollte seiner Forderung Nachdruck verleihen, damit ein litauischer Zelleninsasse, der in der Strafanstalt Pöschwies einsass, freigelassen wird. Denn am 28. Juni 2016 – also zwei Tage vor der Tat im Seefeld – erhielt das Zürcher Kantonsparlament ein anonymes Schreiben, in dem stand, dass der Litauer freigelassen werden soll. Wenn nicht, müssten Personen sterben.
Kuster soll den Brief während seiner Flucht verfasst haben, schreibt die Oberstaatsanwaltschaft in einer Medienmitteilung von heute Donnerstag. Man prüfe nun, welche Rolle der Gefängnisinsasse beim Erpressungsversuch und bei allfällig weiteren geplanten Delikten hatte. Deshalb ist der Litauer von der Pöschwies in U-Haft genommen worden.
Das Tötungsopfer wiederum hatte keine Beziehung zu Kuster. Es wurde zufällig ausgesucht, was die Tat noch schrecklicher erscheinen lässt. Es handelte sich um einen 42-jährigen Schweizer, der als IT-Koordinator im Botanischen Garten unweit des Tatortes gearbeitet hatte.
Wurde Kuster manipuliert ?
Laut Recherchen von Redaktion Tamedia, die auf Angaben eines in der Strafanstalt Pöschwies einsitzenden Gefangenen beruhen, soll Kuster in der Strafanstalt mit dem wegen Erpressung verurteilten Litauer engen Kontakt gehabt haben. Kuster habe sich ein paar Monate vor der Flucht immer mehr an den Litauer angelehnt und sich sehr oft mit ihm unterhalten. Es sei offensichtlich gewesen, dass Kuster eine instabile Persönlichkeit habe und leicht zu manipulieren sei. Zudem habe Kuster mit Joggen und Ausdauertraining begonnen, was auf mögliche Fluchtabsichten hinweise.
Valentin Landmann, dessen Kanzlei Tobias Kuster verteidigt, bestätigte die oben beschriebenen Veränderungen bei seinem Mandanten. Ein Mithäftling habe Kuster massiv manipuliert und einen erheblichen Einfluss auf Kuster ausgeübt. «Diese komplexe Beziehung spielte eine zentrale Bedeutung bei der Tat», sagte Landmann. Kuster sei vom Mithäftling völlig vereinnahmt worden und ihm hörig gewesen.
Durch Zufall aufgeflogen
Tobias Kuster war nach einem Hafturlaub am 23. Juni 2016 nicht mehr in die zürcherische Strafanstalt Pöschwies zurückgekehrt. Dort hatte er wegen einer Serie von Gewaltdelikten eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren verbüsst. Er wurde nach monatelanger Fahndung am 18. Januar 2017 durch die Kantonspolizei Bern im Kanton Bern verhaftet. Er hatte versucht, im Darknet eine Pistole zu kaufen.
Sein letzter Aufenthaltsort war im Kanton Jura gewesen. Dort und auch im Kanton Zürich fanden danach Hausdurchsuchungen statt, zwei Personen wurden ebenfalls verhaftet. Eine war Kusters ehemalige Freundin, mit der der Mann eine gemeinsame Tochter hat. Sie ist wieder auf freiem Fuss. Der zweite Fluchthelfer ist weiterhin in Untersuchungshaft.
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