Verliert Freier nach Ritt auf Motorhaube sein Gedächtnis?

Der 33-jährige Türke, der auf einer kilometerlangen Irrfahrt schliesslich vom Auto gestürzt ist, konnte immer noch nicht einvernommen werden.

In Schwamendingen endete der Autoritt. Die Sanität transportierte den Schwerverletzten ins Spital. Leserbild

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Der genaue Grund für die über fünf Kilometer lange Autofahrt zwischen Dübendorf und Schwamendingen am 28. November 2017 ist weiterhin nicht ganz klar. Denn der Türke, der in jener Nacht auf die Motorhaube des Audis zweier Frauen gesprungen war, konnte immer noch nicht einvernommen werden, wie der zuständige Staatsanwalt sagt.

Die Frauen waren zwei Deutsche im Alter von 21 und 25 Jahren. Die Jüngere war ein Callgirl, welches der Mann in dieser Nacht zu sich nach Hause in Dübendorf bestellt hatte. Die Ehefrau des Familienvaters befand sich mit dem Kleinkind in der Türkei bei Bekannten Die Ältere war ihre Begleiterin und Fahrerin. Sie war nach dem Vorfall verhaftet worden und sass drei Tage in Untersuchungshaft.

Mann stand offenbar unter Kokain

Der Freier befand sich nach dem Sturz von der Motorhaube etliche Zeit im Koma. Jetzt sei er wieder ansprechbar, könne sich an den Vorfall aber nicht erinnern, wie aus dem Umfeld der Familie zu erfahren ist. Er werde noch monatelang im Spital und Reha-Kliniken verbringen müssen. Ob er sich vollständig erholen und das geschädigte Kurzzeitgedächtnis wieder erlangen könne, sei fraglich.

Warum es zum Streit zwischen dem 33-jährigen Handwerker und den beiden Frauen auf der Strasse vor dem Mehrfamilienhaus des Mannes kam, darüber gibt es verschiedene Thesen. Laut David Gibor, dem Verteidiger der 25-jährigen Fahrerin, sei der Mann gegenüber beiden Frauen immer aggressiver aufgetreten. Insbesondere habe dieser die Frauen zu Handlungen und Praktiken zwingen wollen, welche diese ablehnten. Offenbar sei der Mann unter erheblichem Einfluss von Kokain gestanden. Aus dem Umfeld der Familie heisst es, dass die Frauen zu viel Geld genommen hätten. Man würde immer noch einen Betrag von rund 1700 Franken vermissen. Rechtsanwalt Gibor weist diese Darstellung als unwahr zurück.

Der Mann wollte die beiden Frauen nicht aus der Wohnung lassen. Unter einem Vorwand gelang es den Frauen, den Mann davon zu überzeugen, dass er sie rauslässt. Der Mann folgte den Frauen aber auf die Strasse und hielt dabei die eine Frau immer wieder fest. Als die verängstigten Frauen dann wegzufahren versuchten, sprang der Türke auf dieMotorhaube des Audis, um die Wegfahrt der Frauen zu verhindern.

Er begann sogleich, auf die Frontscheibe einzuschlagen. Die 25-jährige Lenkerin fuhr los. Laut Gibor hatten die Frauen grosse Angst und wähnten sich in Lebensgefahr. Sie riefen während der kilometerlangen Fahrt die Polizei an, welche das Gespräch aufnahm. Auch schrien die Frauen panisch aus dem Fenster um Hilfe, damit Passanten ihre Not erkannten und zu Hilfe eilten.

Mit Fäusten auf die Windschutzscheibe

Während der Fahrt schlug der Mann weiter mit Fäusten auf die Windschutzscheibe ein und beschädigte sie. Die Fahrt endete bei der Kreuzung der Winterthurer- und Friedrichstrasse in Schwamendingen. Laut Gibor seien die Frauen langsam gefahren, er spricht von Schritttempo. Dies sei auch von Zeugen bestätigt worden. Da der Mann auf der Motorhaube die Sicht auf die Strasse versperrte, war an eine Fahrt mit höherer Geschwindigkeit gar nicht zu denken, ohne dass die Frauen sich selber gefährdet hätten. Der Mann hätte jederzeit abspringen können.

Auch wie sich der Mann die schweren Verletzungen zugezogen hatte, dazu gibt es verschiedene Vermutungen. Eine Möglichkeit ist, dass der Mann beim Abzweigen in die Friedrichstrasse vom Auto fiel. Er könnte sich dabei verletzt haben oder von den Frauen angefahren worden sein. Verteidiger Gibor verneint dies: Am Audi seien keine Spuren des Mannes gefunden worden, die darauf hinwiesen, dass er von diesem Auto angefahren worden sei.

Frauen suchten Hilfe bei Polizei

Laut den Frauen war der Mann selbständig von der Motorhaube abgestiegen. Gibor vermutet, dass der zugedröhnte Mann, nachdem er abgestiegen war und sich nun mitten auf der Strasse aufhielt, von einem nachfolgenden unbekannten Auto erfasst und dabei verletzt worden ist. Laut einer Augenzeugin hatte der Verletzte versucht, sich aufzurichten, schaffte es aber nicht.

Die verängstigten Frauen fuhren zum Polizeiposten in Oerlikon und stellten sich. Laut Gibor hatten sich die Frauen an Leib und Leben bedroht gefühlt und Hilfe bei der Polizei gesucht. Von Sich-Stellen könne daher keine Rede sein. Dass sie dann verhaftet würden, sei für sie unvorstellbar gewesen. Laut dem zuständigen Staatsanwalt läuft nun eine Untersuchung gegen die 25-jährige Fahrerin wegen schwerer Körperverletzung. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.01.2018, 14:08 Uhr

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