Zum Hauptinhalt springen

Vernichtende Kritik machte Leo stark

Er könne nicht singen, sei unmännlich, gehöre nicht auf die Bühne: In der Schweiz musste sich Leo Ritzmann aus Hinwil einiges anhören. Jetzt ist er «Popstar» in Deutschland. Erzfeind Roman Kilchsperger stichelt weiter.

Hinwil - Leo ist «Popstar». Mit seiner Duo-Partnerin Vanessa hat der 20-Jährige aus Hinwil am Donnerstag die Castingshow «Popstars» von Prosieben gewonnen. «Es ist so überwältigend», meinte er fassungslos. Die erste Single von «Some & Any», wie die Jury das Duo getauft hat, ist ab heute im Handel. Die Termine jagen sich: Lifestyle-Sendungen, Interviews, die «Oliver-Pocher-Show», «Schlag den Raab». Und plötzlich heisst es in der Schweiz: «Wir sind‹Popstar›». Dabei hatte Leo hierzulande Anfang Jahr seine härteste Zeit. Bei «MusicStar» des Schweizer Fernsehens schaffte er es zwar auf den sechsten Rang. Doch je länger er dabei war, desto mehr musste er einstecken. Juror Roman Kilchsperger verweigerte ihm einmal die Bewertung mit den Worten «Scheissegal, was ich sage; scheissegal, was du singst». Dann spottete er, dass sich die weiblichen Fans schon mal darauf freuen könnten, wenn Leo endlich die Geschlechtsreife erlange. Und er riet ihm: «Für dich gibts hier nur noch eines: Koffer packen und tschüss!»

Die Koffer hat Leo tatsächlich gepackt, um in der deutschen Castingshow sein Glück zu versuchen. Schnell merkte die Jury um Detlef D. Soost: Dem charmanten Leo fliegen die Mädchenherzen zu. Eine Konkurrentin verliebte sich in ihn, und Gabby von der letztjährigen «Popstars»-Band Queensberry outete sich Minuten nach dem ersten Treffen als Fan. «Die Frau, die den mal kriegt, hat Glück.» Hübsch, freundlich und geil auf der Bühne sei er. Der Junge strahlte - seine verliebte Konkurrentin liess er abblitzen. Er wolle sich auf die Show konzentrieren und sich nicht ablenken lassen. Kurz zuvor hatte er schöne Frauen noch als seine grösste Schwäche bezeichnet. Damit feilte er selber am Image eines südländischen Womanizers. Seine ersten drei Lebensjahre verbrachte Leo in Brasilien, dem Heimatland seiner Mutter Luçia. Danach wuchs er zusammen mit seiner jüngeren Schwester in Hinwil auf.

Mit «Popstars» entdeckte Leo die USA, insbesondere Las Vegas und New York. Die Jury stellte ihm die blonde, zwei Jahre jüngere Vanessa zur Seite. Das perfekte Popduo war geboren. Doch die beiden mussten zittern. Gesanglich konnten sie nicht immer mit den Konkurrenten mithalten, die Tränen flossen - wie so oft bei allen in der Sendung, Jury inklusive. Als Leos Mutter im Viertelfinal im Publikum sass und das sah, bedeutete sie ihrem Sohn mit einer diskreten Handbewegung, die Tränen zu trocknen. Nach dem Sieg musste sie dann selber weinen. «Wir alle waren so nervös», sagt Leos Kollegin Corinne Wettstein, die mit seiner Mutter und Freunden nach Deutschland reiste, um ihn vor Ort zu unterstützen. «Nach dem Sieg sahen wir ihn aber nur gerade zwei Minuten, dann musste er weiter.» Das Highlight für sie war, dass Leo mit der Grammy-Gewinnerin Rihanna auftreten durfte. Und sie galant am Arm auf die Bühne führte.

Kämpfer mit Schnügel-Faktor

Vater Daniel Ritzmann konnte aus beruflichen Gründen nicht mit und verfolgte das Finale am Fernsehen. «Es freut mich, dass mein Sohn seinen Traum verwirklichen kann: Jetzt kommt es darauf an, was er daraus macht.» Die Anfeindungen bei‹MusicStar› habe Leo verdaut. «Er ist eine Kämpfernatur.» Die Musik habe für ihn schon immer eine grosse Rolle gespielt: angefangen beim Blockflöten- und Gitarrenunterricht bis zu den Gesangsstunden.

Singen gelernt hat der 20-Jährige mit dem Schnügel-Image in der Musikschule Burkhalter in Wetzikon. «Er kam immer top vorbereitet in die Stunde und wusste genau, was er wollte. Und wenn etwas einmal nicht klappte, übte er so lange, bis auch der letzte Ton sass», erinnert sich seine ehemalige Gesangslehrerin Sascha Oberholzer.

Mit «Popstars» hat Leo alles auf eine Karte gesetzt. Nach seiner Niederlage bei «MusicStar» wollte er nicht zurück in den Detailhandel, wo er seine Lehre im Multimediabereich gemacht hatte. Die anschliessende Probezeit auf einer Versicherung bestand er nicht, einen anderen Bürojob kriegte er nicht. Als Arbeitsloser verbrachte er viel Zeit mit Krafttraining und versuchte, auf eigene Faust eine Platte aufzunehmen. Ziel: einmal von der Musik leben zu können.

Trotz Leos Erfolg kann Roman Kilchsperger das Sticheln nicht lassen. Auf Radio Energy sagte er zum Thema «Popstars»: «Am Schluss gibt es einen Sieger, den drei Monate später keiner mehr kennt. Wir werden Leo schon bald wieder im Handyshop in Hinwil sehen.» Leo selber gedenkt jedoch, in Deutschland zu bleiben - zuvor will er aber Weihnachten mit seiner Familie verbringen. «Popstars»: Leo und Vanessa. Foto: PD

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch