Zum Hauptinhalt springen

Verschonen Sie uns

Vier Minuten Verspätung sind keine Seltenheit. Völlig unnötig, sie auch noch anzukündigen.

Die SBB könnten noch mehr und noch lauter informieren.

Der Ärger von Frau U. H. über die lauten Durchsagen am Bahnhof Kilchberg ist unverständlich. Man könnte sagen, geradezu verkehrt: Den SBB ist vielmehr mangelhafte Information vorzuwerfen. Die SBB sind nämlich nicht nur an das Behindertengesetz gebunden, weshalb sie beispielsweise zwingend auf die geänderten Zugsformationen, und zwar bei jedem Zug von Samstagfrüh bis Sonntagnacht, hinweisen müssen. Das dient nämlich auch der sportlichen Betätigung, erfolgt doch die Durchsage automatisch dann, wenn der Zug noch 200 Meter vom Bahnhof entfernt ist und bis zum Schluss der Durchsage bereits einfährt: Dann gilt es, den Erstklasswagen im Spurt zu erreichen. Aber nicht nur der Volksgesundheit, sondern auch der Bundesverfassung und damit dem Gleichstellungsgebot sind die SBB verpflichtet. Es ist deshalb völlig unverständlich, wieso die Durchsagen nur auf Deutsch erfolgen. Was ist mit unseren internationalen Gästen? Wie sollen diese die Durchsagen verstehen? Und die Rätoromanen, deren Sprache eine Landessprache ist? Weiter müssen die SBB den Heimatschutz beachten, denn sie erfüllen mit ihren Leistungen eine Bundesaufgabe. Es ist also zu verlangen, dass sie die lästige Wartezeit mit einem urchigen Ländler einschliesslich herzhaften Jodelrufen überbrückt. Dabei ist mindestens die bisher gepflegte Lautstärke einzuhalten, ja eher noch zu verstärken: Es ist nicht einzusehen, weshalb ich durch unsere Schallschutzfenster nicht auch das nationale Kulturgut hören soll; glücklicherweise versteht man wenigstens die Durchsagen heute schon durch geschlossene doppelverglaste Fenster Wort für Wort. Völlig richtig ist übrigens, dass es nicht einfach heisst: «Die S 24 hat 4 Minuten Verspätung», dass vielmehr nach einem weithin hörbaren Gong zunächst die Durchsage mit einer Durchsage angekündigt wird, unter Nennung des angesprochenen Zugs (zum Beispiel: «Eine Durchsage zur S 24 nach Thalwil, Horgen Oberdorf.»). Und erst nach dieser Vorwarnung folgt die ausführliche Ansage. Diese lautet ungefähr so: «Die S 24 nach Thalwil, Horgen Oberdorf, mit Halt an allen Stationen, fahrplanmässige Ankunft um 20 Uhr 23, fahrplanmässige Abfahrt um 20 Uhr 24, hat 4 Minuten Verspätung.» Eigentlich könnten die SBB am Bahnhof noch Blinklichter anbringen, damit die Reisenden wissen, wann sie hinhören sollen, für die Herbeieilenden mit Vorteil schon ausserhalb des Bahnhofs. Und weshalb erfahren wir Nachbarn eigentlich nicht jedes Mal über Lautsprecher, wer denn jeweils die Lokomotive führt, der uns über dieselben Lautsprecher hoffentlich begrüsst und uns einen schönen Sonntagnachmittag oder eine gute Nacht wünscht?

Zusammengefasst: Die beiden S-Bahnen in Kilchberg sind keine internationalen Züge, sondern erfüllen lediglich die Funktion als eine Art Vorortstram der Stadt Zürich für eine grössere Passagierzahl. 4 Minuten Verspätung sind keine Seltenheit; es ist völlig unnötig, sie auch noch anzukündigen. Diese Durchsagen und diejenigen über die Zugsformationen, die schliesslich auch auf den Anzeigetafeln schriftlich erscheinen, interessieren niemanden. Man könnte meinen, dass es bloss die pure Freude an der automatisierten technischen Machbarkeit ist. Davon ist die ohnehin schon lärmgeplagte Nachbarschaft um den Bahnhof Kilchberg bitte zu verschonen, denn auch an das übrige Bundesrecht sind die SBB gebunden.

Dominik Bachmann, Kilchberg

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch