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Verteidiger fordert für Mark W. 20 Monate bedingt

Verwahrung oder nur Gefängnis bedingt für den Vater, der seine Töchter jahrelang gequält haben soll? Die Anträge von Staatsanwalt und Verteidiger könnten kaum weiter auseinander gehen.

Mehr mit Folter- als mit Erziehungsmethoden haben drei Erwachsene im Zürcher Oberland zwei kleine Mädchen aufgezogen. Eines, die 4-jährige Gabriela, überlebte die Grausamkeiten nicht. Ob ihre Schwester Salome, die heute bei einer Pflegefamilie lebt, bleibende Schäden davontragen wird, ist eine der Kernfragen, die sich die Geschworenen stellen müssen.

Staatsanwalt Ulrich Weder wirft den beiden Angeklagten mehrfache schwere Körperverletzung vor. Wie er heute Montagmorgen bekanntgab, fordert er für den Vater der beiden Mädchen, Mark W., 12 Jahre Gefängnis. Anschliessend soll der heute 44-jährige Brite verwahrt werden. Weders Antrag bleibt damit nur drei Jahre unter der Maximalstrafe von 15 Jahren.

Verteidigung: «Verwahrung wäre unverhältnismässig»

Dario Zarro, der Verteidiger von Mark W., hält es allerdings für nicht objektiv nachgewiesen, dass eine schwere Körperverletzung vorliegt. Auch ein Vorsatz lasse sich nicht nachweisen. Weil der Angeklagte seine Töchter also nicht schädigen wollte, fordert Zarro einen Freispruch von der Anklage. Möglicherweise habe Mark W. eine fahrlässige Körperverletzung begangen, meinte der Verteidiger. Ein entsprechender Strafantrag fehlt in der Anklage aber.

Laut dem Verteidiger ist der Straftatbestand der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht erfüllt – aber nur fahrlässig, nicht vorsätzlich. Dafür, folgert Zarro in seinem Plädoyer, ist Mark W. mit 20 Monaten bedingt zu bestrafen.

Falls die Geschworenen den Angeklagten nicht wegen schwerer Körperverletzung verurteilen, ist eine Verwahrung automatisch vom Tisch. Zarro forderte aber auch für den Fall einer Verurteilung gemäss Anklageschrift, dass sein Mandant nicht verwahrt wird. «Eine Verwahrung wäre unverhältnismässig.»

Mittäterin soll 8 Jahre ins Gefängnis

Die zweite Angeklagte, Barbara N., soll für 8 Jahre hinter Gitter. Die Frau sei die «willige Vollstreckerin» von Mark W.s Anordnungen gewesen, meinte der Staatsanwalt. Deshalb verzichtete er in ihrem Fall auf eine Verwahrung.

Die Verteidigerin der Mittäterin, Marianne Schaub, forderte aber einen Freispruch von der Anklage der schweren Körperverletzung. Für die eventuelle fahrlässige Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht sei Barbara N. mit höchstens 10 Monaten bedingt zu bestrafen.

Die Anwältin von Salome verlangt eine Genugtuung von 75'000 Franken, welche die Angeklagten solidarisch tragen sollen. Zudem sollen sie für Therapien bezahlen, welche das Mädchen heute und in Zukunft absolvieren muss. Mark W.s Verteidiger fand, über Schmerzensgeld müsse das Gericht entscheiden.

Angeklagte sind schuldfähig

Die zwei Angeklagten haben den Strafantrag der Staatsanwaltschaft regungslos zur Kenntnis genommen. Sie sind nicht geständig. Gemäss der Einschätzung des Psychiaters sind aber beide voll schuldfähig. Bei Mark W. geht der Gutachter von einer «weit überdurchschnittlich hohen Rückfallgefahr» aus. Der Angeklagte leide an einer schwer ausgeprägten kombinierten Persönlichkeitsstörung. Eine Krankheitseinsicht fehlt aber. Zu Beginn des Prozesses bezeichnete sich Mark W. als gesund.

Auch bei Barbara N., von Beruf Sozialpädagogin, konnte der Psychiater keine psychische Störung mit Krankheitswert diagnostizieren, sie ist deshalb voll schuldfähig. Auch bei der 62-Jährigen besteht eine hohe Rückfallgefahr, da sie im tyrannischen Strafsystem von Mark W. weiterhin den Willen Gottes erkennen will.

Lea K. kommt später vor Gericht

Die letzten Misshandlungen, die zum Tode der kleinen Gabriela führten, sind Gegenstand eines separaten Verfahrens vor dem Zürcher Bezirksgericht Pfäffikon im kommenden Jahr. Dort muss sich die 26-jährige Lea K. verantworten. Sie soll laut Anklage das Kind zu Tode geschüttelt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vorsätzliche Tötung vor. Für dieses Verbrechen sieht das Schweizerische Strafgesetzbuch einen Strafrahmen zwischen fünf und zwanzig Jahren Gefängnis vor. Wie die beiden anderen Angeklagten weist die Frau jegliche Schuld von sich.

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