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Vögelis geben das Bockengut nicht her

Die Pächter auf dem Hof der Credit Suisse müssen Ende Monat raus. Aber sie wollen bleiben und kämpfen.

Horgen - Willi Vögeli bauert in der zweiten Generation auf Bocken. Auf dem Hof im Ortsteil Arn ist er aufgewachsen, hier leben er, seine Frau Vreni und die beiden Kinder. Und jetzt soll die Familie den Hof verlassen. Vögeli hat das Bockengut von der Credit Suisse (CS) gepachtet. Die Besitzerin hat den Pachtvertrag vor sieben Jahren gekündigt, seit einem Jahr wehrt sich Vögeli gegen die Pläne der Grossbank (der TA berichtete). Doch für die CS ist eines klar: «Die Kündigung ist definitiv», bekräftigte CS-Mediensprecher Matthias Friedli im September. Damals versuchten Vögelis mit einem Unterstützungskomitee den Pachtvertrag zu verlängern.

Der Vertrag läuft am Mittwoch aus, ab Donnerstag muss die Familie an einem anderen Ort unterkommen. Oder besser: müsste.

Ausweisung droht

Denn Willi Vögeli verlässt Bocken nicht. «Wir bleiben», sagt er. Gepackt hat er noch nichts, «warum auch?», fragt er. Die Geissen springen noch auf der Weide, der Hofladen ist noch immer bestückt mit Früchten, Milch, selbst gemachten Konfitüren, frischen Eiern zu 50 Rappen das Stück - und Vreni Vögeli bäckt heute wieder Brot für den Verkauf. Im ehemaligen Stall ist die Osterausstellung noch immer geöffnet. Denn Vögelis gehen nicht einfach so, und der Landwirt sagt: «Das wissen wir seit letztem Herbst.» Aber erzählen durfte er es keinem. Denn am Mittwoch traf man sich ein letztes Mal mit dem zuständigen Sachbearbeiter bei der CS. Vögeli wollte erreichen, dass er mit seiner Familie noch eineinhalb Jahre auf dem Hof bleiben darf. So lange, bis die Tochter aus der Schule ist. Bis der Hühnerstall auf seinem kleinen Betrieb in Agasul im Zürcher Oberland gebaut wäre, damit die Familie davon leben kann.

Das Gespräch dauerte eine halbe Stunde. Der Vertreter der CS beharrte auf der Auflösung des Vertrags. Vögeli sagte, dann bleibe er einfach auf dem Hof. Der Bankvertreter drohte mit einer Ausweisung nach einer Frist von 12 Tagen. Der Bauer lachte den Banker aus.

«Ich habe mich auch schlau gemacht», sagt Vögeli, «so eine Ausweisung geht nicht so schnell.» Dazu brauche es einen Gerichtsentscheid, und das könne dauern. Hansueli Lareida vom Zürcher Bauernverband sagt, Konflikte bei der Auflösung eines Pachtvertrags seien keine Seltenheit: «Häufig beantragt der Pächter eine Fristerstreckung, wenn er die Kündigung erhält.» Das ist im Pachtrecht geregelt. Ein Richter entscheidet über die Frist, meist seien es zwei bis drei Jahre. Verpasst man es, nach Erhalt der Kündigung umgehend die Fristerstreckung zu beantragen, ist es zu spät. «Gibt ein Pächter nach Ablauf des Vertrags den Betrieb nicht frei», sagt Lareida, «dann greift das Zivilrecht.»

Dann steht es der CS frei, Willi Vögeli wegen Hausfriedensbruch anzuzeigen. Im Zuge eines sogenannten Befehlsverfahrens könnte die Familie mit Einsatz der Polizei bald vom Hof gewiesen werden. Vögeli riskiert, die Kosten für die Aktion tragen zu müssen.

Familie Vögeli geniesst die Unterstützung der meisten Einwohner im Arn. Die Nachbarn schätzen das Bockengut als Naherholungszone und sie nutzen den Hofladen. Man hat vergangenes Jahr eine Interessensgemeinschaft gegründet und Unterschriften gesammelt, damit die Familie Vögeli bleiben darf.

Die CS hat im Arn bereits ein Seminarzentrum eingerichtet. Über die Pläne der Bank mit dem Bockengut ist wenig an die Öffentlichkeit gedrungen. Sicher ist, dass das Kulturland verpachtet wird und die Gebäude saniert werden müssen. In Horgen verwurzelt: Willi und Vreni Vögeli auf ihrem Pachtland. Foto: Patrick Gutenberg

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