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Vom Sohn einst «fauler Sack» geschimpft

Der Rütner René Krapf (72) absolvierte die anspruchsvolle Strecke des Jungfrau-Marathons dank seiner grossen Erfahrung zum 17. Mal erfolgreich.

Leichtathletik. - Vor einem Jahr belegte René Krapf beim Berglauf-Klassiker im Berner Oberland Position 30 in der Kategorie M65. Nun wars Platz 60. Und mit 6:22:39-Stunden benötigte er für die 42,2 Kilometer mit den 1839 Steigungsmetern von Interlaken auf die Kleine Scheidegg gut 13 Minuten mehr als vor einem Jahr. Enttäuscht zeigte er sich darob allerdings nicht: «Das war absehbar», sagte er, «ich war weniger seriös vorbereitet als 2008.»

Statt der durchschnittlich 80 Wochenkilometer wie vor einem Jahr legte er nun noch 30 bis 40 zurück. Grund dafür war sein Hobby und eine unangenehme Begleiterscheinung. Krapf spielt Schach, vornehmlich im Schachklub Herrliberg und zu Hause am Computer. Er tut dies ebenso leidenschaftlich wie er läuft. Deshalb muss er sich die Zeit gut einteilen. Und das Verhältnis verschob sich auch darum zugunsten des Denksports, weil er zweimal wegen einer Bronchitis zum Schlucken von Antibiotika gezwungen war. Die eine dieser Erkrankungen zog sich der 72-Jährige sinnigerweise bei einem Schachturnier zu: wegen der Klimaanlage.

Noch nie gefehlt

Krapf wurde zurückgeworfen. Verzichten auf seine wichtigsten Wettkämpfe musste er deswegen nicht. Sowohl am Swiss Alpine Marathon Ende Juli über 78 km wie auch am Jungfrau-Marathon war er dabei - zum 24. Mal in Davos, zum 17. Mal in Interlaken. Bei beiden Klassikern zählt er zum erlesenen Kreis jener, die bisher nie gefehlt haben. Der mässigen Vorbereitung wegen nahm er aber seine Ambitionen zurück. «Ich stieg langsam ins Rennen ein», sagte er. Das machte sich bezahlt. «Dank der Erfahrung kam ich gut über die Distanz und den Berg hoch.»

Ganz so banal umsetzen liess sich ein solches Vorhaben indes nicht. Am Jungfrau-Marathon gelten Zeitlimiten. Wer die erforderlichen Werte bei diversen Zwischenstationen überschreitet, wird aus dem Rennen genommen. Prekär wurde es für Krapf nicht. Er lacht: «Ich gab am Berg Gas, so verfügte ich beim letzten Kontrollpunkt über 8 Minuten Reserve.» Und als er auf der Kleinen Scheidegg ins Ziel gelaufen war, bilanzierte er: «Doch, doch, das war ein gutes Rennen.» Nicht zuletzt trugen das prächtige Wetter und die Traumkulisse von Jungfrau, Mönch und Eiger dazu bei.

Die Mahnung des Sohnes

Aktiv war Krapf bereits in seiner Jugend. Wettkampfsport allerdings betrieb er nicht. Nachdem er sich am Technikum vom Mechaniker zum Maschinenbauer hatte ausbilden lassen, setzte er auf den Beruf. Grösseren Stellenwert begann er dem Sport erst wieder zu schenken, als ihn das zweitälteste seiner vier Kinder, Christian, auf dem Vita Parcours ermahnte: «Du bist ein fauler Sack.»

Diese deutliche Aussage des späteren Spitzenläufers im LC Zürich (einmal Vize-Schweizer-Meister über die 5000-m-Strecke, 10 000-m-Bestzeit unter 29 Minuten) zeigte Wirkung. Vater Krapf begann zu trainieren. Sofort verbesserte sich sein Trainingsstand. 1978 lief er den Murtenlauf in der bemerkenswerten Zeit von 1:20:04 Stunden. Nur die vom Sohn ausgesetzte Prämie von 50 Franken verpasste er um 5 Sekunden. Doch er blieb dran.

Der GP Bern, der 100-km-Lauf von Biel und weitere Volkswettkämpfe kamen hinzu. Im Winter nimmt er regelmässig am Engadin Skimarathon teil, zur Motivation: «Ich benötige auch ein Ziel für den Winter». Ein Kapitel allerdings scheint abgeschlossen: die grossen Städtemarathons. Tolle Erinnerungen sind damit verbunden: «Zum 60. Geburtstag erhielt ich von meinen Kindern die Reise an den New York Marathon geschenkt.»

Ans Aufhören denkt René Krapf nicht, trotz des Schachspielens. «Regelmässiges Jogging erhöht die Lebenserwartung», sagt er. Und «Wettkämpfe dienen der Motivation.» René Krapf.

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