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Vom Wirbelwind zur Primaballerina

21 Stunden pro Woche trainiert Julie Diethelm im Ballettsaal. Am Wochenende zeigt die Schwerzenbacherin in drei Aufführungen ihr Können.

Von Daniela Schenker Schwerzenbach – Dass die 14-jährige Julie Diethelm heute täglich mehrere Stunden im Ballettsaal steht, hat auch mit der Verzweiflung ihrer Spielgruppenleiterin zu tun. Julies Mutter erinnert sich noch genau, wie ihr diese vor elf Jahren klar gemacht hat, dass es mit «diesem Kind» so nicht weitergehen könne, sonst halte sie es nicht mehr aus. Die Kleine sei zu nichts anderem zu bewegen, als mit farbigen Tüchern durch den Raum zu tanzen. Man solle es doch mal mit Tanztheater versuchen, so der Rat. «Genau das tat ich dann auch», sagt die Mutter. Anfangs wollte das Tanztheater in Zürich nichts vom Schwerzenbacher Wirbelwind wissen, da das Mindestalter bei fünf Jahren lag. Doch nach einer Probezeit war klar: Julie hält das durch. «Wir ahnten damals noch nicht, worauf wir uns einlassen würden», sagt Karin Diethelm. Sportschule entlastet Die Sekundarschülerin ist momentan fast ausschliesslich zum Schlafen zu Hause. «Ihr Pensum ist so gross wie kaum je zuvor», sagt Karin Diethelm. Am Wochenende stehen gleich drei grosse Ballettaufführungen auf dem Terminkalender. Das bedeutet viel Freude und Begeisterung, aber auch proben, proben und nochmals proben. Daneben trainiert Julie wie gewohnt 21 Stunden pro Woche im Ballettsaal. Und da wäre auch noch die Schule. «Jetzt, kurz vor den Ferien, leider mit besonders vielen Prüfungen», seufzt Julie. Julie holt das dicke Dossier hervor, mit dem sie sich vor eineinhalb Jahren bei der Kunst- und Sportschule in Uster beworben hat. «Ballettschüler können keine Zeiten und Kaderzugehörigkeiten und nur wenige Ränge vorweisen», sagt sie. Neben allen wichtigsten Auftritten und Ballettprüfungen hat die Familie im Dossier deshalb auch den Trainingsaufwand akribisch dokumentiert: von einer Stunde im Jahr 2001 bis zu 21 Stunden 2011. Talentschule erleichtert vieles Julies Aufnahme in die Ustermer Talentschule bedeutete für die ganze Familie eine grosse Erleichterung. Julie ist glücklich, weil sie nun dank individueller Stundenpläne und einfühlsamer, hilfsbereiter Lehrer bessere Rahmenbedingungen für ihre grosse Leidenschaft hat, und ihre Eltern sind froh, nicht mehr ständig um jede schulfreie Stunde kämpfen zu müssen. Nicht nur die vielen Trainingsstunden sind anstrengend, auch die Aufführungen, die Julie so sehr liebt, kosten Kraft. So stand sie vor zwei Jahren während zwölf Vorstellungen von «La Sylphide» mit dem Zürcher Ballett von Heinz Spoerli auf der Bühne. «Am nächsten Morgen um 8 Uhr war Schule, da gab es kein Pardon», sagt Julie. Ihre Hauptaufgabe sehen die Eltern darin, ihrer Tochter und wohl bald auch dem schwimmbegeisterten jüngeren Bruder den Rücken frei zu halten. Berufsballett in Australien Julie hat entschieden: Ihre Zukunft gehört dem Ballett. Motivationsprobleme scheint sie nicht zu kennen: «Nur manchmal ganz kleine, aber die verschwinden sofort, wenn ich im Ballettsaal stehe.» Dort trifft sie auch ihre Freundinnen, mit denen sie zwischen den strengen Trainings gerne mal rumalbert. «Wir sind wie eine grosse Familie», sagt sie. Nachdem sie im März bei einem internationalen Wettbewerb in Nyon den ausgezeichneten 3. Rang belegte, möchte Julie 2012 an weiteren Wettbewerben teilnehmen. Auch längerfristige Pläne schmiedet das Talent. Bald wird sie an einer Berufsballettschule in Australien vortanzen. «Da möchte ich aber erst nach der Sek hin, jetzt wäre es noch ein wenig zu früh, und der Schulabschluss würde fehlen», sagt die 14-jährige Sekundarschülerin. Dann sind da auch noch die ganz grossen Träume: «Einmal den ‹Weissen Schwan› in der Oper von Sydney zu tanzen, das wärs», sagt Julie Diethelm. «Ach ja? Das wird aber eine lange Anreise für uns», sagt ihre Mutter und lacht. Morgen Samstag tanzt Julie Diethelm um 14 Uhr in einer Vorstellung der Ballettschule im Opernhaus einen Pas de trois unter der Leitung von Doris Beriozoff Catana, Direktorin der Ballettschule für das Opernhaus Zürich. Am gleichen Tag um 17 Uhr und am Sonntag um 15 Uhr bekleidet sie zwei tänzerische Rollen in «Claris im Zauberwald» des Kinder- und Jugendtanztheaters Luzia Burgdorfer in der Aula Rämibühl. Motivationsprobleme kennt Julie Diethelm nicht. Foto: Daniela Schenker

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