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Vom Wirt zum Polizeichef

20 Jahre lang hat Hanspeter Handle in Bülach die Geschicke der Stadtpolizei geleitet. Nebst der Jagd auf Verbrecher hat er auch eine sanfte Seite – in seiner Freizeit greift er regelmässig zum Kochlöffel.

Von Doro Baumgartner Bülach – Hanspeter Handle mistet sein Büro aus. Ende Jahr ist sein letzter Arbeitstag, und bis dahin müssen viele der alten Akten geschreddert werden. 20 Jahre lang war Handle Bülacher Polizeichef. Am letzten «Polizeikaffee» liess er seine zwei Jahrzehnte als Polizist nochmals Revue passieren. Er sagt, dass er nie Angst hatte in seinem Job. Und dies, obwohl sein Vorgänger im Dienst erschossen wurde. Der Polizeichef stellt fest, dass sich in den letzten 20 Jahren vieles verändert hat – nicht alles zum Guten: «Der Respekt gegenüber anderen Menschen ist oft nicht vorhanden.» Es herrsche ein gesellschaftlicher Wertezerfall. Zum Beispiel sei bei Rot über die Strasse zu gehen heute normal. Ein Auge zugedrückt Auch Zivilcourage ist gemäss dem Polizeichef kaum mehr vorhanden. «Hinter dem Vorhang werden Nachbarn und Besucher bespitzelt.» Und bei der geringsten Lärmbelastung werde sofort die Polizei gerufen, anstatt selber für Ruhe zu sorgen. Trotz allem hat Handle seinen Beruf als Polizist geliebt. Besonders geschätzt hat er den Kontakt zu den Kunden. Zu diesen zählt er Einbrecher oder Raser genauso wie Falschparkierer. Polizist Handle hat bei Verkehrssündern oft ein Auge zugedrückt und nicht gleich den Bussenblock gezückt. Sich selbst gegenüber ist er härter: «Ich halte mich an die Regeln. Denn ich möchte für mein Umfeld ein Vorbild sein.» Diese Härte zeigt er nur in seinem Beruf. Privat scheint der 62-jährige Polizeichef viel sanfter zu sein. «Ich koche täglich für meine Frau.» Er mache den Kühlschrank auf und stelle das Menü zusammen. Kochen ist für Handle ein Ausgleich zu seiner kopflastigen Arbeit: «Zudem kann ich zeigen, wie kreativ ich bin», sagt er und schmunzelt. Mit Kochtöpfen kennt er sich aus. Bevor er nach Bülach kam, war er sechs Jahre lang Wirt im Appenzellerland. Als Bub wollte er jedoch weder Koch noch Polizist werden. «Mein Bubentraum war Pilot oder Lokführer.» Gelernt hat Handle dann Automechaniker. Lange übte er diesen Beruf nicht aus. Als in einem Stelleninserat Polizeiaspiranten gesucht wurden, hat er sich beworben und konnte 1971 die Polizeischule in Winterthur absolvieren. Weitere Kurse folgten. Heute erhält ein Polizist nach einem Jahr Polizeischule den eidgenössischen Fachausweis. «Bis einer ein richtiger Polizist ist, braucht er aber ungefähr fünf Jahre», sagt Handle. Das Polizistendasein hat sich in vielen Belangen geändert. So habe es früher keine psychologische Betreuung gegeben. Jeder musste mit tödlichen Verkehrsunfällen oder einem Suizid selbst klarkommen. «Heute wird einem fast aufgedrängt, dass man nach einem schwierigen Einsatz einen Schaden davonträgt», sagt der Polizeichef. Dienstleistungen verkauft 1990 hat Hanspeter Handle ein Team von drei Mitarbeitern geführt, heute sind es zwölf Polizisten. In den laufenden Jahren wurde das Korps in Bülach stetig aufgestockt. Vor allem deshalb, weil die Stadtpolizei Aufgaben der umliegenden Gemeinden übernommen hat. Im Jahr 2000 «kaufte» Embrach als erste Unterländer Gemeinde die Dienstleistungen in Bülach ein. 2005 folgte Eglisau, zwei Jahre später kamen Glattfelden und Bachenbülach dazu, 2009 Freienstein-Teufen, und 2010 übernahmen die Bülacher Stadtpolizisten auch in Rorbas verschiedene Aufgaben. Die Bülacher 1200-Jahr-Feier und das nächste Büli-Fäscht 2011 wird Handle noch als Verantwortlicher für Sicherheit und Verkehr leiten. «Auf Verbrecherjagd gehe ich aber bereits ab Dezember nicht mehr», sagt der Polizeichef. Hanspeter Handle: Keine Verbrecherjagd mehr ab Dezember. Foto: René Kälin

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