Zum Hauptinhalt springen

Von der Party ins Altersheim

Der Ex-Tourismusdirektor von Arosa, Hans-Kaspar Schwarzenbach, leitet jetzt das Walder Pflegeheim Drei Tannen.

Von Daniel Hess Wald – In den acht Jahren als Direktor von Arosa Tourismus hat Hans-Kaspar Schwarzenbach mehr als einmal für Schlagzeilen gesorgt. Ein durchschlagender Erfolg etwa war seine mittlerweile vielfach kopierte Idee der Gratis-bergbahnen im Sommer und im Herbst. «Dadurch stieg die Anzahl Logiernächte nicht nur um satte 25 Prozent, auch der Konsum wurde kräftig angetrieben», sagt Schwarzenbach. Er lancierte die ersten klimaneutralen Winterferien, liess das grösste multimediale Wasserspiel Europas installieren, war an der ersten Handysafari beteiligt und verteilte Postkarten («die beste Werbung und erst noch umsonst»). Der ebenso redefreudige wie scharfzüngige Schwarzenbach ist medienwirksamen Auftritten nicht abgeneigt und beherrscht die gezielte Provokation. Umso erstaunlicher ist der Kurswechsel, den der 44-Jährige kürzlich vollzogen hat. Nach einem kurzen Intermezzo als Tourismusdirektor von Davos-Klosters liess er sich mit seiner fünfköpfigen Familie in Wetzikon nieder und leitet nun die Altersstiftung Drei Tannen in Wald. In Arosa für rote Köpfe gesorgt «Ich bin pragmatisch und suche die einfachen Lösungen, denke dabei aber auch quer», sagt der gebürtige Adliswiler, der für seine Innovationen mehrere Preise einheimste, in Arosa aber auch wiederholt für rote Köpfe sorgte. Etwa wenn er beim Drehen von Werbespots in Gran Canaria an einem Nacktbadestrand verhaftet wurde, eine umstrittene Plakataktion startete oder die Jäger aus den Wandergebieten vertreiben wollte. Statt Messen und öffentliche Anlässe zu besuchen oder publicityträchtige Spots mit Frank Baumann zu drehen, sitzt Schwarzenbach jetzt in seinem Büro und erledigt vor allem administrative Aufgaben. Es gilt, zusammen mit der Gemeinde die neue Pflegefinanzierung des Kantons umzusetzen und die Strategie des Betriebes mit 180 Mitarbeitenden, der Altersheim, Pflegezentrum, Seniorenwohnsitz und Spitex umfasst, neu auszurichten. Parallelen zu seiner früheren Tätigkeit sieht er kaum. Höchstens, dass die Arbeit als Stiftungsleiter ebenfalls «ziemlich politisch» sei, wenn die Interessen der verschiedenen Steakholder aneinander vorbeigebracht werden müssten. Eher überflüssig sind Marketingmassnahmen. «Unsere Auslastung beträgt 98 Prozent», sagt der Betriebsökonom, der seine Karriere bei der Post begann. Kommt da beim umtriebigen Kreativkopf keine Langeweile auf? Schwarzenbach verneint, es sei ihm schliesslich klar gewesen, dass es im Altersheim keinen Rock ’n’ Roll gebe, und habe bewusst nach etwas ganz anderem, weniger Schillerndem gesucht. «Nach fast zehn Jahren im Tourismus fühle ich mich nämlich wie am Tag nach einer langen Party.» «Wetzikon wird unterschätzt» Nur konsequent war deshalb sein Umzug vom mondänen Davos ins beschauliche Zürcher Oberland. Seine Stelle im Bündner Kurort hatte er nach nur einem Jahr aufgegeben, da er für seinen Geschmack über zu wenig Kompetenzen verfügt hatte. Zum Umzug entschied er sich, noch bevor er eine neue Beschäftigung suchte und ohne irgendeinen Bezug zur Region zu haben. «Wetzikon wird wie das gesamte Oberland massiv unterschätzt», sagt der Werbefachmann. Infrastruktur und Verkehrsanbindung seien exzellent, und doch sei die Stadt ruhig und naturnah. Eben diese Ruhe hat er nach den aufregenden Jahren in den Bergen gesucht. Besonders in Arosa war angesichts seines Promistatus, den seine Funktion zwangsläufig mit sich brachte, nicht daran zu denken. Überall habe er sich beobachtet gefühlt, und nicht selten sei er angepöbelt worden, sagt Schwarzenbach, der es auch geniesst, endlich mehr Zeit für seine Familie zu haben. «Früher musste ich an allen möglichen Events den Pausenclown spielen und hatte kaum ein Wochenende frei.» Manche Leute würden sich ob seines Karriereschritts womöglich wundern, sagt der Wetziker. «Aber für mich ist das Gesamtpaket entscheidend.» Und dies sei für ihn mindestens ebenso gut wie zuvor und für seine Familie gar deutlich besser. Altersheimplatz für 30 Franken Ganz hat Schwarzenbach der Tourismusbranche den Rücken nicht gekehrt. Nebenberuflich berät er einen Ferienort und schreibt Expertisen zu Tourismuskonzepten. Und manchmal dringt der Touristiker in ihm auch im Altersheim durch. Gerade liess er in der Cafeteria einen frei zugänglichen Hotspot einrichten und textete: «Die Ausrede von Besuchern, wegen Hektik im Beruf seine Angehörigen nicht besuchen zu können, gilt ab sofort nicht mehr.» Visionen hat Schwarzenbach auch in seiner neuen Position. Der Seniorenmarkt boome zwar, dessen Strukturen seien aber verkrustet, sagt er. Die Pläne, die ihm offensichtlich vorschweben, will er aber nicht verraten. «Man kann es auch anders machen.» Einen Traum aber gibt er preis: «Eines Tages will ich ein Altersheim bauen, das die Bewohner nur 30 Franken täglich kostet». Die Schlagzeilen wären ihm wieder garantiert.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch