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Von Oliver Meiler

Ein Franzose muss ins Gefängnis, weil er Polizisten beschimpft hat – virtuell.

Von Oliver Meiler Das ist die Geschichte eines jungen Franzosen, 19 Jahre alt, aus einer Ortschaft mit dem schönen Namen Loc-Maria-Plouzané in der Bretagne, der auf eigentümliche Art landesweit bekannt wurde. An einem Samstag im letzten Januar ging er mit Freunden aus. Es muss ein feuchtfröhlicher Abend gewesen sein. Jedenfalls fuhr er auf dem Heimweg betrunken um einen Verkehrskreisel, was den Gendarmen wohl deshalb auffiel, weil er die Kurve nicht perfekt hinkriegte. Sie hielten den Wagen an und forderten alle Insassen auf, den Rest des Heimwegs zu Fuss zu machen. Das Auto mussten sie stehen lassen. Am folgenden Tag dünkte es den arbeitslosen Mann, er müsse seinen vielen Freunden auf Facebook nun einmal mitteilen, was er von den Gendarmen in seiner Region halte, mit denen er in seinem jungen, recht bewegten Leben schon oft zu tun hatte. Und das ist nicht viel: Er nannte sie (und die Ausdrücke sind hier aus protokollarischen Gründen unvermeidbar) «Hurensöhne» und verhiess, er werde sie alle «ficken». «Le Journal du Dimanche» schreibt, solche Entgleisungen höre man sonst in der Ausnüchterungszelle. Urteil verschlafen Der Bretone aber schrieb sie auf die «Wall» seiner Facebook-Seite, so etwas wie die öffentliche Pinnwand im sozialen Netzwerk, für jeden sichtbar. Das fiel lange niemandem auf warum hätte es auch? Dort steht ja so viel. Im Sommer aber, als die Gendarmerie nach dem Mann fahndete, der ihr eine falsche Wohnadresse angegeben hatte, fand sie die Böswilligkeiten im Netz – beim Googeln wohlgemerkt: So recherchiert die Polizei neuerdings. Und sie zeigte ihn an. Vor einigen Tagen wurde er nun wegen Beleidigung von Amtspersonen zu drei Monaten Haft und einer Busse von 1200 Euro verurteilt. Es ist dies eine Premiere in Frankreich. Internet sans Frontières, eine Vereinigung für die Promotion der Meinungsfreiheit im Netz, hält das Vorgehen der Polizei für fragwürdig und das Strafmass für völlig überzogen. Offenbar fiel die Strafe aber auch deshalb etwas höher aus, weil der junge Mann nicht zur Urteilsverkündung erschienen war. Seine Mutter erzählte den Medien, ihr Sohn habe den Termin wohl verschlafen.

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