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Von The Kooks über Morcheeba bis Lamb

MUSIKFESTIVAL Winterthur. - Die bestens besuchte Steinberggasse explodiert förmlich, als The Kooks die Bühne betreten, und bis kurz vor Mitternacht wird die Stimmung in der Winterthurer Altstadt immer euphorischer. Trotz des wuchtigen Zusammenspiels der jungen Musiker und ihres mit Hits bestückten Repertoires zwischen knalligem Britpop und falschem Reggae: Mitreissend ist ihr Auftritt vom Freitagabend eigentlich nicht.

So berauscht sind The Kooks von ihrer Nummer-Sicher-Wirkung, dass sie nicht um das Publikum buhlen, vielmehr führen sie eine routinierte Lebendigkeit vor. Luke Pritchards Moderationen sind kurz und doch fahrig, seine Posen bleiben merkwürdig kraftlos, als müsse er sie noch einstudieren. Es ist die Jugend und die Frische, die The Kooks ihren Erfolg beschert haben, aber ihre frühe Abgeklärtheit stimmt nachdenklich. Spannend wird es hier erst, wenn die Hits einmal ausbleiben und die Band um ihre Anhängerschaft kämpfen muss.

Schon fast bei null muss Martina Topley-Bird beginnen, die den Samstagabend eröffnet. Als Konsorte des Trip-Hop-Initiators Tricky steckte die kecke Sängerin lange in einer verstaubten Stilschublade fest; seit fünf Jahren versucht sie als Solistin den Befreiungsschlag. Live verzichtet Topley-Bird auf Loops und Samples und lässt sich nur von einem Schlagzeuger begleiten; mit Perkussion, Keyboard und E-Gitarre erarbeitet sie minimale Grooves, kratzige Song-Vignetten und derben Blues-Krach. Diese spartanischen Sounds können die Steinberggasse zwar nicht füllen, das Publikum aber sehr wohl begeistern.

Als oft gesehene Konzertfavoriten müssen sich Morcheeba nicht mehr vorstellen, darum weiss man, dass das einstige Trip-Hop-Kollektiv sich inzwischen als psychedelische Rockband mit Lounge-Appeal präsentiert. Von einigen folkigen Exkursen abgesehen halten sich Morcheebas Songs im mittleren Tempobereich auf, und diese scheinbare Gleichförmigkeit hebt Nuancen hervor, die bei mehr Vielfalt untergegangen wären. Ross Godfreys kaleidoskopisches Gitarrenspiel etwa oder die gehauchten Melodien aus Sängerin Mandas schmaler Kehle.

Als Morcheeba bei der Zugabe endlich einen höheren Gang einlegen und das poppige «Rome Wasn’t Built in a Day» mit Sly Stones «Thank You for Letting Me Be Myself Again» vermengen, kommt das Medley einem Dammbruch gleich. Überraschenderweise vermögen Lamb noch einen draufzulegen. Nach jahrelanger Absenz sind Sängerin Louise Rhodes und Produzent Andy Barlow auf die Konzertbühne zurückgekehrt, die Pause scheint dem Duo gutgetan zu haben.

In Winterthur gerät ihr Sound so hart, dass sogar die Akustikgitarren wie Kampfansagen klingen: Barlows kollabierende Beats und klassisch angehauchte Piano-Akkorde stehen im starren Kontrast zu Rhodes’ strenger Stimme, die tiefe Trauer ohne Hoffnung auf Erlösung verbreitet. Das ist Musik für Kopf und Körper, Musik für den Samstagabend, auch in einer Stadt, wo die Läden schon um 16 Uhr schliessen, wie Rhodes mit einer Mischung aus Entsetzen und Amüsement festhält. Einen besseren Abschluss zu diesem stimmigen Abend hätte man gar nicht programmieren können. Nick Joyce

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