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Von Urs Huwyler

Eugen Hasler, 101-facher Kranzgewinner und Coach der Innerschweizer, über die Chancen seines Teams.

Von Urs Huwyler Eugen «Geni» Hasler aus Galgenen kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Anfang Saison sprach er als Technischer Leiter der Innerschweizer davon, dass sich bis zu zwanzig Schwinger am Eidgenössischen in Frauenfeld Chancen auf den Königstitel ausrechnen dürften. Damals stiess der Erstgekrönte von Stans 1989 (er war damals punktgleich mit Schwingerkönig Adrian Käser) mit seiner Prognose noch auf taube Ohren. «Wenige Tage vor dem Fest höre ich nun plötzlich überall, der Ausgang sei noch selten so offen gewesen wie diesmal.» Namen brauche er keine zu nennen. «Zählt man alle gehandelten Favoriten zusammen, kommt man vielleicht nicht gerade auf zwanzig, aber sicher auf mehr als auch schon.» Im Bernbiet dürften es fünf Kandidaten sein (Stucki, Sempach, Glarner, Wenger, Siegenthaler), in der Innerschweiz vier (Grab, Philipp Laimbacher, Schuler, Ulrich), die Nordwestschweizer sind bei den Favoriten zu zweit vertreten (Gisler, Bieri) und die Nordostschweizer mit einem Trio (Abderhalden, Forrer, Fausch). «Daneben gibt es noch solche, deren Namen kaum jemand nennt, die aber nicht unterschätzt werden sollten», warnt Hasler, der als «Geni Schränz» bekannt geworden war. Als Beispiel nennt er den für Wil schwingenden Nordostschweizer Metzger Daniel Bösch (22). «Bei uns sehe ich niemanden, der ihn auf sicher hat.» 2007 in Aarau hatte Neo-Eidgenosse Bösch die Gebrüder Adrian und Philipp Laimbacher mit einem Unentschieden gebremst und sensationell Martin Grab bezwungen. Diese Aussage spricht nicht dafür, dass die Innerschweizer 24 Jahre nach Harry Knüsel wieder einmal zu Königsehren kommen könnten. Der 45-jährige Offensivkünstler Hasler stand 1989 gegen Käser und 1995 gegen Thomas Sutter selber als grosser Favorit zweimal im Schlussgang und verpasste den Triumph, teilweise nach umstrittenen Kampfrichter-Entscheidungen. «Ich habe mit meiner Aktivzeit sauber abgeschlossen», winkt er ab. «Jetzt versuche ich das umzusetzen, was ich mir als Aktiver vom Technischen Leiter gewünscht habe.» 70 Sennen und 15 Turner So weiss Hasler aus eigener bitterer Erfahrung, was an einem Eidgenössischen geschehen, wie schnell sich die Ausgangslage ändern kann. Ein Vorteil für seine Athleten? Hasler: «Wenn sie wollen, kann ich ihnen den einen oder andern Rat geben. Es gibt Schwinger, die kommen auf mich zu, suchen das Gespräch. Andere haben ihre persönlichen Ansprechpartner.» Der Kilchberg-Sieger von 1990 drängt nicht auf eine einheitliche Linie in der Mannschaft. Angeführt werden seine 70 Sennen und 15 Turner vom vierfachen Eidgenossen Martin Grab (Rothenthurm) und seinem Schwyzer Kantonalverbandskollegen Philipp Laimbacher (Seewen). Dem Innerschweizer Verband gehören Böse aus den Kantonen Schwyz, Zug, Luzern, Uri, Nid- und Obwalden an. In der Vergangenheit hiess es regelmässig, der Mannschaft fehle es an Teamgeist, sie trete nicht als Einheit auf. Niemand wolle sich mit einem taktischen Unentschieden «opfern» und die eigenen Interessen in den Hintergrund stellen, um einem Kollegen den Weg an die Spitze zu ebnen. Genau dies plant der von Hasler in den Favoritenkreis gehievte Nordostschweizer Daniel Bösch. «Meine Rolle in Frauenfeld ist klar: Ich werde Helfer sein. Wir wollen den König in den eigenen Reihen behalten», sagt er und betont: «Ohne starkes Team im Rücken wird niemand König.» Umstrittene Trainingsgruppen Geni Hasler gehörte zu seiner Aktivzeit genau wie sein Ostschweizer Mitfavorit Bösch zu den Verfechtern eines starken Kollektivs und überregionaler Trainingsgruppen. «Einiges konnte ich umsetzen. Aber nicht alle sind von Trainingsgruppen begeistert. Sie haben im Klub starke Gegner oder trainieren sonst miteinander.» Insgesamt klappe die Zusammenarbeit mit den fünf Verbänden gut. «Ich denke, wir sind bereit. Aber im Kampf um den Titel sehe ich uns doch eher als Aussenseiter.» Ein Anliegen hat Eugen Hasler aber durchgesetzt: Die Delegation trifft sich nach dem Eidgenössischen zu einem gemeinsamen Abschluss. Ob es ein Freuden- oder Trauerfest wird, darüber macht sich der 101-fache Kranzgewinner noch keine Gedanken.

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