Von Winterthur zum Islamischen Staat

Immer wieder sind von Winterthur aus Jugendliche und junge Erwachsene in den Jihad gezogen. Viele von ihnen hatten Verbindungen zur An'Nur-Moschee.

Die 15-jährige Edita, links mit Kopftuch und rechts ohne. Mit diesen Bildern suchte der Vater nach seiner Tochter.

Die 15-jährige Edita, links mit Kopftuch und rechts ohne. Mit diesen Bildern suchte der Vater nach seiner Tochter. Bild: Fatih Karacali(dha)

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Einer der ersten, die sich von Winterthur aus dem sogenannten Islamischen Staat (IS) anschlossen, war im Sommer 2012 der damals 32-jährige G.F. – ein in Winterthur wohnhafter Deutscher mit Wurzeln im Kosovo. Gemäss «Landbote» verschwand der Ex-Soldat spurlos, Familie und Freunde vermuteten ihn in Syrien beim IS und gehen inzwischen von seinem Tod aus. Ein früherer Arbeitskollege sagte der Zeitung: «Er war ein herzensguter Mensch, er wusste nicht, auf was er sich da einlässt.» Er habe nicht kämpfen wollen. «Er wollte helfen.» G. F. habe regelmässig in der An'Nur-Moschee verkehrt und in Zürich und Basel Koran-Exemplare für die salafistische Aktion «Lies!» verteilt.

Zu den jüngsten Jihadisten aus Winterthur gehören der 16-jährige Visar und seine 15-jährige Schwester Edita. Der KV-Lehrling und die Sek-Schülerin aus Töss verschwanden im Dezember 2014 und sollen zuvor in der An'Nur-Moschee in Hegi und in der El-Furkan-Moschee in Embrach verkehrt sein. Die Suche des Vaters nach seinen beiden Kindern verlief bisher erfolglos. Offenbar leben die beiden heute im syrischen Raqqa, Edita soll verheiratet sein. Visar nahm an den Boxtrainings von Valdet Gashi teil.

In Syrien getötet

Valdet Gashi, der ebenfalls die An'Nur-Moschee besuchte, war deutscher Meister im Thaiboxen und später zweifacher Weltmeister. Im Januar 2015 ging der Mann aus Baden-Württemberg nach Syrien zum IS. Auf Facebook erlangte der 29-Jährige viel Aufmerksamkeit. Im Juli gab seine Familie bekannt, dass Gashi bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen sei. Er hinterliess eine Frau und zwei kleine Kinder, die in Deutschland geblieben waren.

Der 18-jährige Sandro* verliess Winterthur im Februar 2015 um in den Heiligen Krieg zu ziehen. Der schweizerisch-italienische Doppelbürger nahm offenbar ebenfalls an Gashis Boxtrainings teil und besuchte die An'Nur-Moschee. Sandro ist Berichten zufolge inzwischen nicht mehr am Leben.

Zurück in Winterthur

Im April 2015 wurde der 25-jährige Ahmed am Flughafen Zürich verhaftet, als er auf dem Weg nach Syrien war. Nach mehreren Wochen in Haft ist er mittlerweile auf freiem Fuss. Gegen ihn läuft ein Strafverfahren.

Zurück in Winterthur ist nach Angaben der «Weltwoche» der 20-jährige Achmed, der im Sommer dieses Jahres nach Syrien in den Jihad zog. Er soll momentan wieder in der An'Nur-Moschee verkehren.

Ein weiterer Winterthurer, der sich Ibn Muhamad al-Kurdi nannte, war nach Syrien gereist, um für den IS zu kämpfen. Wann er ging, ist unklar. Er soll aber tot sein. Dies meldeten Freunde des 21-Jährigen auf einer Facebook-Seite. Bei einem Luftangriff im Januar auf Kobane sei er ums Leben gekommen.

* Name von der Redaktion geändert (mlr)

Erstellt: 22.11.2015, 16:02 Uhr

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