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Wahlhilfe nur bei bürgerlicher Haltung

Der Gewerbeverein will die Statuten ändern und bei Wahlen nur bürgerliche Mitglieder unterstützen. Die linke Unternehmerin Andrea Kennel ist empört.

«Wir wollen für die Zukunft klare Verhältnisse schaffen», sagt Werner Benz, Präsident des Gewerbe-, Handels- und Industrievereins Dübendorf (GHI). Er spricht damit die Querelen vor den Gemeindewahlen Anfang März an. Damals hatte der GHI nur die bürgerlichen Mitglieder mit Flyern und Inseraten unterstützt. Das Nachsehen hatte die Unternehmerin und SP-Gemeinderätin Andrea Kennel, die den amtierenden Stadtpräsidenten Lothar Ziörjen herausforderte.

Jetzt möchte der Vorstand des GHI in die Statuten schreiben, was er ohnehin schon praktiziert: Vor Wahlen sollen künftig nur noch Mitglieder mit einer gewerbefreundlichen, bürgerlichen Haltung unterstützt werden, wie Benz sagt. So hielten es die meisten Gewerbevereine landauf, landab. Ohnehin sei in den Statuten nie festgelegt gewesen, dass sich der GHI in politischen Belangen neutral verhalte. Aktuell steht da beim Vereinszweck die «Wahrung und Förderung gemeinsamer Interessen in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht». Und gemeinsam bedeute nun einmal bürgerlich, hält Benz fest. Die SP vertrete traditionell eher die Arbeitnehmer und Gewerkschaften.

An der Generalversammlung vom Mittwoch habe es gegen die Pläne des Vorstands keine Opposition gegeben, sagt der GHI-Präsident. Die geänderten Statuten sollen in einem Jahr der GV vorgelegt werden.

Zum Austritt eingeladen

Andrea Kennel, die in Dübendorf eine Informatikfirma mit fünf Angestellten führt, bezeichnet eine Statutenänderung als «absurd». Damit würde sich der GHI ihrer Meinung nach selber ins Abseits stellen. «Bis jetzt nahm der Verein immer für sich in Anspruch, alle Gewerbler zu vertreten. Das kann er in Zukunft nicht mehr.» Denn während Benz Andrea Kennel als einzige Linke im GHI ausmacht, kennt die SP-Gemeinderätin verschiedene Vereinsmitglieder mit einer linken oder dann zumindest politisch neutralen Haltung. «Und für die spricht der GHI dann offiziell nicht mehr.»

Ausserdem würde der Verein mit veränderten Statuten endgültig zu einer politischen Organisation, zumal viele Vorstandsmitglieder politisch tätig seien. Das sei bedenklich. Denn ein Gewerbler zu sein, sei noch lange kein Parteiprogramm. Zwar täten die Gewerbevereine mit Ausnahme des Stadtzürcher Verbands alles dafür, dass sich ihnen möglichst keine linken Gewerbetreibenden anschliessen würden. Wenn diese Haltung wie in Dübendorf in den Statuten festgelegt wird, sei das aber schon aussergewöhnlich.

Nur als Gerücht herausgestellt hat sich ein möglicher Ausschluss Kennels, die in den Medien mit Kritik am GHI-Vorstand nicht sparte, nachdem dieser ihr die Unterstützung entsagt hatte. Man wolle doch nicht mit Kanonen auf Spatzen schiessen, sagt GHI-Präsident Benz. Zudem spreche in sachpolitischen Fragen wie zum Beispiel dem Verkehr nichts gegen ihre Mitgliedschaft. Dennoch habe er ihr vor der Generalversammlung telefonisch mitgeteilt, dass man ihr nicht böse sein würde, wenn sie aus dem GHI austräte.

«Ja, man hat mir den Austritt nahegelegt, weil ich bei Wahlen ja ohnehin keine Unterstützung erwarten könne», bestätigt Kennel. Doch sie denke nicht daran. Wohl wie die meisten Mitglieder sei sie wegen der Kontakte dem GHI beigetreten. Dass man sie dort hinausekeln wolle, kann sie nicht verstehen. Ich habe im Dübendorfer Gemeinderat niemals gegen das Gewerbe politisiert. «Im Gegenteil. Denn ich bin zwar SP-Mitglied, aber eben auch Unternehmerin.»

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