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Walter Gerber-Städeli zum Gedenken

Mit dem Tod von Walter Gerber hat Küsnacht einen engagierten Bürger verloren.

Küsnacht - Küsnacht hat mit Walter Gerber-Städeli (91) einen Mitbürger verloren, dessen Wirken nicht durch spektakuläre Auftritte, sondern durch stilles Schaffen mit stetem Blick auf die Mitmenschlichkeit und den Dienst am Nächsten bestimmt war.

Aufgewachsen am Dillileeweg in Küsnacht, gingen Walter Gerbers früheste Erinnerungen weit zurück. So erlebte er als Dreijähriger die Einweihung des Forchdenkmals, als sich Pferdefuhrwerke und Reiter die steile Allmendstrasse hinauf bewegten. Prägenden Einfluss auf den jungen Küsnachter hatte neben der Schul- und Lehrzeit vor allem der Aktivdienst, weil dieser seinen Sinn für Gerechtigkeit schärfte und ihn bestärkte, sich für Schwächere einzusetzen. Längere Auslandsaufenthalte blieben Walter Gerber nach Kriegsende verwehrt - dafür eroberte er als leidenschaftlicher Segelflieger die Lüfte. Nach der Meisterprüfung als Sanitärinstallateur und der Heirat mit Erika Städeli absolvierte er das Abendtechnikum in Zürich und arbeitete für verschiedene Spitäler und Sanatorien.

1965 wurde er als Betriebsingenieur ans Uni-Spital gewählt. Daneben beriet er andere Spitäler, reiste zu Vorträgen ins Ausland und war am Ausbau der fünf Schweizer Uni-Kliniken beteiligt. Diese Verpflichtungen hielten Walter Gerber indes nicht davon ab, seinen vier Kindern ein guter und aktiver Vater zu sein.

8 Jahre in der RPK Küsnacht

In Küsnacht gehörte Gerber als Vertreter der EVP acht Jahre der RPK an. 1966 begann er als Abendmahlshelfer in der reformierten Kirchgemeinde, von 1974 bis 1982 war er Mitglied der reformierten Kirchenpflege, wo er mit den Finanzen und dem Vizepräsidium betraut war. In dieser Zeit setzte sich Gerber für die Gründung einer Drogentherapiestation in Küsnacht ein. Dies, nachdem die Errichtung einer kantonalen Drogenklinik in der Herrliberger «Kittenmühle» vom Stimmvolk abgelehnt worden und das Drogenelend in Zürich aber nicht mehr zu übersehen war. Ein Wohnheim sollte den aus der Klinik entlassenen Jugendlichen bei ihrer Wiedereingliederung Geborgenheit geben. Das grösste Problem war die Beschaffung einer geeigneten Liegenschaft - bis der Küsnachter Gemeinderat 1978 entschied, die Gebäulichkeiten an der Freihofstrasse, nahe der Grenze zu Erlenbach, für zunächst fünf Jahre unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.

Daraufhin beschloss die Kirchenpflege auf Antrag der Arbeitsgruppe um Walter Gerber, 1979 die Führung des neu gegründeten Wohnheims einem Verein zu übertragen. 30 Jahre später ist aus dem früheren Wohnheim eine suchttherapeutische Einrichtung geworden, die weit über die Kantonsgrenze hinaus nicht nur in Fachkreisen höchste Anerkennung geniesst.

Zum Ehrenpräsidenten ernannt

Seit 1994 befinden sich Wohnheim und Werkstatt im ehemaligen Rieggerhaus - ein Legat des früheren Besitzers August Riegger, der 1957 testamentarisch bestimmt hatte, «die Liegenschaft einem besonderen Zweck fürsorgerischer Art zuzuweisen». Seit 2004 ist der Freihof eine eigenständige Institution, die nach wie vor ideell und vor allem auch finanziell von der Gemeinde Küsnacht, der reformierten Kirchgemeinde Küsnacht und der katholischen Kirchgemeinde Küsnacht-Erlenbach unterstützt wird.

All dies wäre ohne das einzigartige Engagement von Walter Gerber und seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern aus der Küsnachter Kirchenpflege und Pfarrerschaft nicht möglich gewesen. Darum wurden ihm 2004 am 25-Jahr-Jubiläum des «Freihof Küsnacht» als Zeichen der Dankbarkeit und Anerkennung für sein aussergewöhnliches Wirken vom Trägerverein «Freihof Küsnacht» die Ehrenmitgliedschaft und das Ehrenpräsidium verliehen.

* Marianne Guggenbühl ist Informationsbeauftragte der reformierten Kirchenpflege Küsnacht. Walter Gerber.

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