Zum Hauptinhalt springen

Was passiert, wenn Politiker lustig sein wollen

Am politischen Festbankett im Löwen wollten die Parteien mit Humor auf Stimmenfang gehen. Das gelang nicht allen gleich gut.

DorfgeflüsterSalvator in Meilen Von Daniel Fritzsche Meilen – Nur einer hats nicht gecheckt. Dafür steht er als Erster auf der Bühne. Roberto Martullo, SVP-Kantonsratskandidat und Blocher-Schwiegersohn, präsentiert sich auf der Bühne des Löwen in Meilen in Zuhälterklamotten mit goldenen Ketten, Sonnenbrille und viel Brusthaar. Niemand habe ihm mitgeteilt, dass das hier keine Kostümparty sei, sagt er entschuldigend. Martullo hat es gemeinsam mit 250 anderen Gästen an das humoristische Politbankett «Salvator am Zürichsee 2011» verschlagen. Dieses soll beweisen, dass Politiker auch mal lustig sein können. Durch den Abend führt der Alt-Meilemer Christoph Meier alias Bruder Barnabas, der in Mönchskutte auftritt und mit rabenschwarzem Humor alles und jeden aufs Korn nimmt. Vor allem die Bezirksparteien, die hier mit Sketches und Liedern auf Stimmenfang gehen wollen. Ob das gut geht? Die Grünliberalen treten als Erste auf. Trotz Wahlerfolgen klagt die Truppe rund um Kantonsrat Thomas Wirth (Hombrechtikon) nach einer Melodie aus der «Kleinen Niederdorfoper»: «Uns mag niemand etwas gönnen!» Den Widerspruch kann der «Technokraten-Haufen» (Eigenbezeichnung) mit seiner Gesangeskunst nicht ganz wettmachen. Trotz blassgrünen Pavarotti-Schals wird hier mehr gekrächzt als geträllert. Mittelprächtige Mittepartei Die selbst ernannte Familienpartei CVP wird ihrem Ruf gerecht. «We are Family» schallt es aus den Lautsprechern. Dazu bewegen sich die Kandidaten mit orangen T-Shirts und Perücken im Takt. Der Körpereinsatz ist gross. Da sieht man darüber hinweg, dass Kantonsrat Lorenz Schmid (Männedorf) seinen Text kurzzeitig vergisst. Händchen haltend posaunen die CVPler, dass sie «sozial-liberal durch die Mitte gehen» wollen. Ihr Auftritt hinterlässt konsequenterweise einen «mittelprächtigen» Eindruck. Wir erleben den ersten Höhepunkt des Abends. Ans Mikrofon tritt Stefan Weber-Aich (Erlenbach). Der SP-Mann mit auffälligem Ohrenring muss Bühnenerfahrung haben. Entspannt plaudert er mit dem Publikum und kündigt den nächsten «Song» an. Dann haucht er ins Mikrofon mit einer Stimme, die an Kuno Lauener erinnert. Die übrigen Genossen verkommen zwangsweise zu Statisten. Christoph Alder (Uetikon) grinst über beide Ohren; Hanspeter Göldi (Meilen) bewegt sich in leuenbergerscher Manier. Bruder Barnabas meint, bei der SP dürften halt – ganz sozial – alle mitmachen, «auch ohne Talent». Es folgt ein abrupter Wechsel: von der Cüpli-Sozialisten-Romantik direkt zum deftigen Puurezmorge-Charme. Die SVP-Delegation hat sich ein Rollenspiel als Vehikel ausgedacht, um Witze über die Schwächen des Sozialstaates und der «Classe politique» zu reissen. Kantonsrätin Theres Weber (Uetikon) erklärt, warum das Bundeshaus eine Kuppel und kein Flachdach hat: «Oder haben Sie mal einen Zirkus ohne Kuppel gesehen?» Das Niveau ist nicht überwältigend, aber im Saal wird viel gelacht, was ja Ziel der Übung war. Fazit: dank genügend Salvator-Bier eine gelungene Einlage. Wir kommen zur dicken Überraschung des Abends. Von der EVP hätte man ein braves «Kumbaya» erwartet, stattdessen machen die vier schwarz gekleideten Kandidaten auf krassen Gansta-Rap. «Du kennst uns schlecht, wir sind abstrakter», sprechen sie zu einem selbst gebastelten Beat. Dann intoniert der Pianist einen Celine-Dion-Klassiker, und zum Abschluss fiedelt Bezirkspräsidentin Ursula Hänni-Hauser (Uetikon) ein lüpfiges Volkslied. Jawoll, die EVP ist mit Abstand die musikalischste Partei des Politbanketts 2011. Skurrile Show der Grünen Die Grünen bestätigen mit ihrer Performance jedes Klischee. In Hippiekleidern, mit Birkenstocksandalen oder barfuss betreten sie die Bühne. In den Händen halten sie Öko-Tonnen, dazu zwitschert Kantonsrätin Maria Rohweder (Uetikon): «Chübeli uf, Chübeli zue, juhee . . .» Teebeuteli, Aludeckeleli und Zitrusschalen gehören nicht in den Kompost, Offroader und SVP sind gemein – das sind die Themen des grünen Kollektivs. Am Ende wirbelt ein Mann mit einem riesigen Laubbläser Konfetti auf. Nach der skurrilen Vorstellung reibt man sich die Augen: War das jetzt brillante Selbstironie oder traurige Realität? Zum Abschluss betreten die Kandidaten der FDP die Bühne. Regula Baggenstos (Herrliberg) tänzelt im eleganten Abendkleid, Lena Schneller (Küsnacht) im schwarzen Indianer-Outfit und Beatrix Frey-Eigenmann (Meilen) mit knallroter Federboa. Den grössten Lacher gibts, als die frivolen Freisinnigen das legendäre Merz-Zitat «Bü-Bü-Bünderfleisch» in ihr Lied einbauen. Für eine echte Überraschung sorgte eine Liveschaltung zu FDP-Präsident Fulvio Pelli. «Bravo, der Bezirk Meilen hat viel Stil», säuselt dieser über Lautsprecher. Bruder Barnabas kann sich einen letzten bösen Spruch dazu nicht verkneifen: «Endlich habt ihr mit euren ‹Chölle› mal etwas Gescheites angestellt.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch