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«Weisch na»-Stimmung im Festsaal

Die Clowns Lilly und Willy entführten in Uetikon auf eine Tour d’Europe. Die 60 Anwesenden gingen mit.

Von Willy Neubauer Uetikon – Im Haus Wäckerling findet jeden Freitag eine Veranstaltung für die Bewohner statt, meist mit musikalischem Inhalt und meist im Festsaal, dem Schmuckstück des altehrwürdigen Gebäudes im Zentrum von Uetikon. «Wir haben viele Pensionäre mit Demenz hier, und diese sprechen sehr positiv auf Musik an», erklärt Werner Bänziger, der Direktor der Institution, der beim Auftritt von Lilly und Willy am vergangenen Wochenende ebenfalls anwesend ist. Und tatsächlich, die Sitznachbarin, eine ältere Dame, lebt auf, sobald Lilly und Willy beginnen, auf ihrer Handharmonika zu spielen oder ein Lied aus der Musikanlage ertönt. Der Fuss wippt im Takt, die Dame bewegt sich, singt leise mit. Und die Augen strahlen – ein schönes Bild. Rund 60 Bewohner des Hauses Wäckerling gehen mit der Geschichte mit, die Lilly und Willy spielend und singend erzählen. Es ist die Geschichte eines Paares, das sich 20 Jahre nicht mehr gesehen hat. Ob sie ihn wohl wiedererkennen würde, fragt sich Lilly bangen Herzens. «Aber da ist er ja, du musst dich nur umdrehen Lilly», ruft ein Mann aus dem Publikum und sorgt für ein Schmunzeln in den Reihen. Gespannt und aufmerksam folgen die Zuschauer dem Geschehen auf der Bühne. «Ich habe den Willy schnell erkannt, er brachte auf seinem Handörgeli die gleichen Melodien, die er auch jeweils als Samichlaus im Haus Wäckerling spielt», sagt Erna Keusch, ebenfalls eine Bewohnerin des Pflegeheimes. Ja, er sei ein lieber Samichlaus, meint sie weiter, er bringe immer gute Sachen mit und stecke nie jemanden in den Sack. «Bei mir müsst er auch schleppen wie verrückt», fügt sie an. Den Schulschatz heiraten? Zur «Weisch-na-Geschichte» mit den zwei Verliebten kommt Keusch spontan ihr Schulschatz aus der Primarschule in den Sinn. «Erna, der Päuli ist aber kein besonders schöner», hatten die Schulkameradinnen gesagt. «Gottlob», meint Keusch, «so spannte ihn mir keine andere aus.» Und auf die Frage der Gschpänli, ob sie ihn heiraten wolle, meint sie heute trocken, «wie hätte ich das in der 5. Klasse wissen sollen?» Inzwischen entführen die Clowns ihr Publikum nach New York und tanzen zu Konserven-Musik im imaginären Regen «Singing In the Rain». Dem Auditorium gefällts, auch wenn die Tanzeinlage nicht ganz Gene-Kelly-mässig ist. Zu «Tulpen aus Amsterdam» überreichen die Protagonisten dem Publikum Blümchen. Und auch Paris, die Stadt der Liebe, wird musikalisch besucht. Glückliche Senioren Hedi Hug hat den Nachmittag genossen. Früher habe sie die Bücher der Stücke verschlungen, die sie besuchte, meint die zierliche Dame, die Musik über alles liebt. Sie hätte jeweils einspringen können, weil sie praktisch alles auswendig gewusst hätte, meint sie. Hedi Hug hat früher in Paris und anderen grossen Städten Konzerte und Theater besucht. Und kennt sich auch heute noch in der Welt der klassischen Musik aus. Lilly schreibt auf einer imaginären Schreibmaschine einen Liebesbrief an ihren Willy. Mit dieser Szene kopiert sie den unvergesslichen Jerry Lewis. Und das gar nicht schlecht. Dann ist die Show zu Ende. Lilly und Willy bedanken sich beim Publikum und verabschieden sich mit einem Händedruck. Sie lassen einen Raum voller glücklicher Senioren zurück.

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