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Weitere Kündigungen im Schulhaus Watt

Mindestens vier Junglehrer ziehen aus dem Konflikt mit der Regensdorfer Primarschulpflege die Konsequenzen. Für die Eltern ist das Vertrauen in die Behörde zerstört. Die Mandatsträger wollen die Krise aussitzen.

Von Bodo Lamparsky Regensdorf – Acht langjährige Lehrerinnen aus dem Schulhaus Watt reichten Mitte Februar ihre Demission ein. Sie klagten über «ein Klima der Angst» und mangelnde Wertschätzung durch die Schulpflege. Aus dem Kreis der Junglehrkräfte folgen ihnen nun mindestens vier weitere nach. Je nach Quelle könnten es sogar fünf oder sechs Lehrpersonen sein, die jetzt den Hut nehmen: Stichtag für Kündigungen von Lehrkräften mit weniger als zehn Dienstjahren ist heute Freitag. Unmittelbarer Auslöser für den Unmut im Lehrkörper war der Rauswurf der neuen Schulleiterin. Sie musste Mitte Januar innert Stunden ihr Büro räumen. Im Sommer wird somit die Hälfte des 27-köpfigen Teams dem Schulhaus Watt davongelaufen sein. Betroffen ist fast jede der neun Klassen. Am Mittwochabend hielt die Interessengemeinschaft Pro Schule Regensdorf deshalb eine Diskussionsveranstaltung ab. Die IG hatte auf Facebook im Internet zusammengefunden. Sie besteht vorwiegend aus Eltern mit Kindern im Schulhaus Watt und zählt derzeit rund 90 Mitglieder. 50 Lehrerwechsel in sechs Jahren «Wenn 50 Prozent der Lehrer künden, mache ich mir sorgen», sagte eine Mutter in die Runde. Eine andere erzählte, wie etliche Kinder in Tränen ausgebrochen seien, nachdem ihre Lehrerin von einer Abordnung der Schulpflege im Klassenzimmer lautstark zusammengestaucht worden sei. «Die Kinder kommen heulend nach Hause, weil sie ihre Lehrpersonen verlieren», berichtete eine Dritte: «Die Fluktuation im Lehrkörper muss aufhören.» Die Eltern kritisierten, dass die Schulpflege seit Februar nichts unternommen habe, um gute Lehrkräfte zu halten. Sichtlich bewegt, schilderte eine weitere Mutter, wie ihr Sohn innert sechs Jahren fast 50 Lehrerwechsel erlebt habe: «Da geht einem irgendwann der Schnauf aus.» Gerade für Kinder, die Mühe hätten, Vertrauen in eine Lehrperson zu finden, sei das «ein Riesendesaster», waren sich die Rednerinnen einig. «Wir haben es satt, einfach als schwierige Eltern zu gelten.»Die Primarschulpflege blockte den Protest ab. Sie war zwar nicht offiziell eingeladen worden, nahm an der öffentlichen Veranstaltung aber dennoch mit sechs Mitgliedern teil. Schulpräsidentin Brigitta Lott (parteilos) gab ihrem Bedauern über die Kündigungen Ausdruck. Die Behörde habe jedoch bei einer Umfrage unter den Lehrpersonen nur beste Bewertungen erhalten. «Wir machen alle einen guten Job», pflichteten ihr ihre Mitstreiter bei. In fünf von sechs Regensdorfer Schulhäusern gebe es keine Probleme, für die Fluktuation in Watt seien die Lehrkräfte selbst verantwortlich. «Warum möchten Sie bleiben?» Mehrere Redner der IG zeigten für diese Aussagen kein Verständnis. Die Schulpflege habe schon in derart vielen Fällen einen schlechten Umgang mit einzelnen Lehrpersonen an den Tag gelegt, dass ihr Verhältnis zur Lehrerschaft definitiv zerrüttet sei. Eine in Regensdorf entlassene Musikschullehrerin wandte sich direkt an die Präsidentin der Primarschulpflege. Es sei der Wunsch von vielen, dass sie zurücktreten würde: «Warum eigentlich möchten Sie unbedingt bleiben?» Brigitta Lott erwiderte, es wäre die einfachste Version, den Bettel einfach hinzuwerfen. «Dafür bin ich aber nicht gewählt.» Auf ein Nachhaken von IG-Sprecher Herbert Zimmermann sagte sie, es gebe viele Leute, die mit ihrer Arbeit zufrieden seien. Lott: «Um Macht geht es mir nicht.» Bezirksrat schlägt Mediation vor Gestärkt fühlt sich die Primarschulpflege durch die Antwort des Bezirksrats auf drei gegen sie angestrengte Aufsichtsbeschwerden. Die Dielsdorfer Behörde kam zum Schluss, dass keine Gesetzes- oder Pflichtverletzungen vorliegen, die ein aufsichtsrechtliches Einschreiten rechtfertigen würden: «Der Konflikt an der Schule Watt ist mit rechtlichen Mitteln nicht zu lösen.» Der Bezirksrat schlägt stattdessen eine Mediation zwischen den Konfliktparteien vor. Statthalter Daniel Widmer (SVP) stellt sich dafür auch gleich selbst zur Verfügung. Unter den Eltern machten sich nebst einzelnen befürwortenden Stimmen am Mittwochabend jedoch Zweifel breit, ob es für eine Mediation nicht viel zu spät sei. «Gespenstische Ruhe im Team» Tatsächlich ist für den Watter Lehrkörper «der Punkt längst überschritten», wo ein solches Verfahren noch Sinn machen würde, wie eine junge Lehrkraft sagt, die jetzt ebenfalls gekündigt hat. Die Situation im Team bezeichnet sie inzwischen als «sehr schwierig». Es herrsche «eine gespenstische Ruhe». Die wöchentlichen Schulhauskonferenzen habe die interimistische Schulleitung während zweier Monate ausfallen lassen, angekündigte Mitarbeitergespräche seien «im Sand verlaufen». Als Co-Schulleiter für die Übergangszeit bis zur Neubesetzung des Postens in Watt hatte die Schulpflege im Februar Ueli Keller und Brigitta Häberling eingesetzt. Ueli Keller ist der Bruder von Gerhard Keller – dem ehemaligen Chef der Abteilung Volksschule in der Bildungsdirektion, der jetzt die Regensdorfer Primarschulpflege im Streit mit den Lehrkräften berät. «Der Konflikt an der Schule Wattist mit rechtlichen Mitteln nicht zu lösen.» Daniel Widmer, Statthalter

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