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Weniger gebildete Zürcher wählen häufig SVP

Eine neue kantonale Statistik zeigt, wer welche Partei wählt. Das Alter, die Bildung und der Wohnort prägen die politische Einstellung.

Von Helene Arnet Zürich – Eine gestern erschienene Analyse des Statistischen Amtes zeigt: In der SVP-Wählerschaft sind Personen mit tiefem Bildungsniveau und geringem Einkommen im Vergleich mit allen andern Parteien klar übervertreten. Die Analyse basiert auf der Repräsentativumfrage «Select», die seit 1995 jeweils nach den Nationalratswahlen durchgeführt wird. 2007 wurden landesweit fast 4400 Telefoninterviews getätigt, davon 649 in Zürich. Die Befragten gaben Auskunft zu ihrem Wahlverhalten, zu ihren politischen Haltungen, aber auch zu Merkmalen wie Alter, Geschlecht und Ausbildung. Dabei zeigen sich markante Unterschiede unter der Anhängerschaft der Parteien. Während das Geschlecht eine untergeordnete Rolle spielt, erweist sich das Alter als wichtiger Faktor (siehe Grafik): SVP, FDP und CVP haben einen vergleichsweise hohen Anteil an Wählerinnen und Wählern im Pensionsalter. Dafür gibt es zwei Erklärungsansätze: Entweder denkt man mit zunehmendem Alter konservativer oder aber Leute, die in den 50er- und 60er-Jahren politisch sozialisiert wurden, wählen konservativ, was einen Wählerschwund bei den Bürgerlichen prognostizieren würde. Unter den SP-Wählern herrschen die «Mittelalterlichen» vor, bei den Grünen und Grünliberalen jene etwas jüngere Generation, welche sich in den umweltbewegten 1980er-Jahren (Waldsterben Tschernobyl) für Politik zu interessieren begann. Bei den Jungwählern hat keine Partei die Nase wirklich vorn. Bildung- und Einkommensstruktur zeigen: Wenn es im Kanton Zürich noch eine Arbeiterpartei gibt, ist dies die SVP. Kaum 5 Prozent der SVP-Wählerinnen und -Wähler haben ein Hochschulstudium. Und 58 Prozent verdienen weniger als 7000 Franken (SP: 43%, Grüne, GLP, CVP: 38%, FDP: 24%). Anteilsmässig am meisten Hochschulabgänger finden sich im grünen Lager: Es ist fast ein Drittel – klar mehr als bei der SP, aber auch mehr als beim klassischen Hort des Bildungsbürgertums, der FDP. Dort finden sich aber die meisten Reichen: Fast die Hälfte der FDP-Wählerinnen und -Wähler hat ein Haushaltseinkommen von mehr als 10?000 Franken. Nischenplatz für Grünliberale Welche Leute konnten die neu etablierten Grünliberalen abholen? Die GLP erscheint als klare Mittepartei, allerdings setzt sie sich etwas in Richtung wirtschaftlich liberal und gesellschaftlich progressiv ab, wo noch ein politischer Nischenplatz winkt. Die FDP definiert sich hier mehrheitlich als traditionell. Bei Alter und Einkommen ist die GLP mit den Grünen nahezu gleichauf. Akademiker wählen eher grün als grünliberal, ein klarer Unterschied ergibt sich beim Wohnort: Während die Grünen – wie die SP – vorwiegend in den urbanen Zentren Zürich und Winterthur gewählt werden, sind die Grünliberalen stärker in der Agglomeration verwurzelt: 53 Prozent leben in suburbanen Gemeinden. Die Befragung umfasste auch eher ideologische Einschätzungen, wie etwa die Religionszugehörigkeit. Hier lässt sich immer noch Kantonsgeschichte ablesen: 54 Prozent der CVP-Wähler sind katholisch, bei den Zürcher Traditionsparteien FDP und SVP sind 62 beziehungsweise 53 Prozent reformiert. Die Konfessionslosen sind bei der SP (24%) und Grünen (25%) vergleichsweise übervertreten. Die Fragen nach der grundsätzlichen Lebenseinstellung zwischen «Materialisten» (Geld, Sicherheit) und Idealisten (Gerechtigkeit, Ökologie) ergibt das klassische Links-rechts-Schema: Auf der materialistischen Seite schwingt die SVP mit 18 Prozent ihrer Wähler obenaus (Grüne 4%, FDP 5%, SP 6%), bei den Idealisten die Grünen mit 58 Prozent (SP 57%, SVP 12 %). Nach der Einschätzung innerhalb der gewählten Partei befragt, positioniert sich je ein Sechstel der SP- und der Grünen-Wähler als «sehr links», etwa ein Drittel als gegen die Mitte tendierend. Bei der FDP hält sich die Hälfte eher an die Mitte, die Hälfte bezeichnet sich als rechts. Bei der SVP klassierten sich 28 Prozent am äusseren rechten Ende der Skala. www.statistik.zh.ch/statistik.info

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