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Weniger Zuschauer, aber immer noch Support

Nach zwei Abstiegen in Folge muss der FC Wädenswil wieder in der 3. Liga spielen. Ein Augenschein in den Niederungen des Amateurfussballs.

Von Ueli Zoss Wädenswil – Fast alles ist noch so wie vor zwei Jahren, als das Fanionteam des FC Wädenswil statt in der 3. Liga zwei Klassen höher gespielt hat. Auf dem Schiessstand in der Nähe des Sportplatzes Beichlen wird bis kurz vor Spielbeginn scharf geschossen. Auf der Wiese neben dem Spielfeld lernen wie gewohnt an einem Samstagnachmittag Schäferhunde apportieren. Auch Toni Seitz vom Männerturnverein stellt seinen Mann. Er ist der Grillmeister bei Heimspielen des FC Wädenswil. Zum Matchbesuch gehört es sich, eine Bratwurst zu essen. «Früher habe ich mehr Umsatz gemacht, so zwischen 300 und 600 Franken», sagt Seitz. An einer offiziellen Zuschauerstatistik mangelt es. Doch Seitz’ Einschätzung lässt den Schluss zu, dass sich seit dem ungebremsten Fall von der 2. Liga interregional in die 3. Liga weniger Leute zu den Heimspielen der Gelb-Blauen einfinden. Zehn Minuten vor Beginne hält sich der Aufmarsch der Fans in Grenzen, obwohl die Affiche des Spiels besser nicht sein könnte: Wädenswil empfängt die Fussballer aus der Nachbargemeinde Richterswil. «Dieses Derby müssen wir ganz einfach gewinnen», sagt Wädenswils Kassier Beni Bingisser. Reduziertes Angebot Ein Ticket für Besucher ab 16 Jahren kostet fünf Franken, zwei Franken weniger als in der letzten Saison. Das Sortiment der Fanartikel beschränkt sich auf zwei, drei FCW-Kleber und ein paar Wimpel, die es für einen Fünfliber gibt. Statt einem Matchprogramm liegt nur noch ein Flyer mit den Spielerlisten auf. Trotz dieser untrüglichen Zeichen für den sportlichen Niedergang steht der Verein auf gesunden Füssen. Spiko-Präsident Erwin Fischer sagt: «Sportlich sind wir zwar im Niemandsland angelangt, aber unser Hauptsponsor hat uns die Treue gehalten. Wir weisen immer noch über 800 Vereinsmitglieder und auch genügend Supporter auf.» Fischer rechnet vor: «Rund 100 Gönner zahlen pro Jahr zwischen 500 und 1000 Franken ein. Das Budget für die 1. Mannschaft hat vorher 130 000 Franken betragen, jetzt noch knapp 90 000 Franken». Sein Fazit lautet: «Der Schaden hält sich in Grenzen. In den tieferen Ligen kommt es zu mehr Derbys, was die Sponsoren freut.» Sportlich sei die Relegation in die 3. Liga aber sehr enttäuschend. Treue Matchbesucher Werner Hotz ist der Älteste der Wädenswiler Anhänger. «Ich war vor 50 Jahren selbst Aktiver und bis vor kurzem noch im Vorstand», sagt er und fügt mit Kennerauge an: «Wenn diese Mannschaft zusammenbleibt, steigen wir wieder auf!» Aber Hotz ist allein erschienen, früher fachsimpelte er mit weiteren Senioren gern und lange über die Spiele. Schliesslich nehmen 21 Matchbesucher auf der alten Holztribüne Platz. Eine Hundertschaft verteilt sich ums Spielfeld – deutlich weniger als noch zu 2.-Liga-Zeiten. Als einer der letzten Zuschauer trifft Stefan Füchslin ein. Auf der Position des Mittelstürmers spielte er 13 Jahre lang für «Wädi» und erzielte viel bejubelte Aufstiegstore. «Aus meiner Zeit kenne ich kaum einen mehr», sagt er mit Blick auf die Spieler in Gelb-Blau, die nun dem Ball nachrennen. Nach dem Aderlass am Ende der letzten Saison kommt jetzt der Nachwuchs zum Zug. Die Mannschaft schlägt sich gut und holt gegen Richterswil mit einem 3:0 den zweiten Saisonsieg. «Der Umsatz war etwa gleich wie letztes Mal», erklärt Grillmeister Seitz nach dem Spiel. Ein Indiz dafür, dass der FC Wädenswil zwar weniger, aber immer noch treue Fans hat. Die Holztribüne auf der Wädenswiler Beichlen muss an Spieltagen keinen Zuschauermassen mehr standhalten. Foto: Patrick Gutenberg/Archiv

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