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Wenn ein Biber den Kanal dem Fluss vorzieht

Im Schleumetkanal in Windlach hat ein Biber Quartier bezogen. Bei guten Bedingungen könnte er sich sogar niederlassen.

Stadel - Im Frühjahr sorgte die Meldung für Aufsehen, dass sich an der Glatt bei Wallisellen Biber angesiedelt hatten. An der Tössegg bei Rorbas hatte sich der Nager schon vor geraumer Zeit wieder niedergelassen. Nun hat ein Exemplar der Spezies, die noch vor fünfzig Jahren als ausgestorben gegolten hatte, in Stadel sein Winterquartier bezogen. Der Clou dabei: In Stadel gibt es keinen eigentlichen Fluss, also auch keinen optimalen Lebensraum für den Nager.

Bei der Kontrolle des betonierten Windlacher Dorfkanals hatte ihn Hans Niedermann vor zwei Monaten entdeckt, just an der Stelle, wo der Schleumetkanal unterirdisch in den Dorfkanal mündet. «Ich habe Geräusche gehört und mir gedacht, dass diese von starken Kalkablagerungen verursacht werden», erzählt der Gemeindearbeiter. «Und plötzlich sah ich ihn.» Daraufhin lief er nach Hause, um seine Kamera zu holen, «schliesslich sieht man so etwas nicht alle Tage», so Niedermann. Er hatte Glück: Als er zurückkehrte, war der Biber immer noch da.

Bei der Mutprobe gesichtet

Dass er den speziellen Gast fotografieren konnte, ist aussergewöhnlich. Gesehen wurde der Biber allerdings schon zuvor, von Kindern, die sich in den unterirdischen Dorfkanal gewagt hatten. «Es gilt als Mutprobe, bis zu 300 Meter weit hineinzulaufen. Das hat Tradition, schon ich habe das in meiner Jugend gemacht», sagt der gebürtige Stadler.

Es gab aber auch andere Anzeichen für die Anwesenheit des Bibers. Angeknabberte Weidenäste oder aufgestaute Äste beim Sandfang vor der Unterführung. Bei genauerem Hinschauen entdeckte Niedermann dann auch den Bau. Am Anfang des Schleumetkanals hat der Biber in einer kleinen Öffnung sein Quartier bezogen. Rundherum lagen Sonnenblumenstiele, die er vom benachbarten Feld entwendet hatte.

Gemäss Andreas Hasler von Pro Natura Zürich ist es nicht das erste Mal, dass sich der Biber in diese Gegend verirrt hat. Schon im vergangenen Jahr habe man ihn in Stadel registriert. «Da es in der Glatt und im Rhein bekannte Bibervorkommen gibt, kommt er wahrscheinlich aus diesen Gewässern», so der Experte. Ob er nur sein Winterquartier bezogen oder sogar seit letztem Jahr hier sei, könne nicht abschliessend beurteilt werden: «Entdeckt wird der Biber in der Regel ja erst, wenn er sich Futterreserven zulegen muss und sichtbare Spuren hinterlässt», sagt Hasler.

Vermutlich ein Einzelgänger

Der Biber sucht sich ein Gewässer mit nicht zu stark schwankendem Wasserstand, damit der Eingang zu seinem Bau dauernd unter Wasser liegt. Wo dies nicht der Fall ist, nimmt er das Heft selbst in die Hand und staut das Wasser. Bei seinem Bau im Schleumetkanal war das bislang nicht der Fall. Ausserdem braucht er genügend Nahrung. «Der Schleumetkanal ist wohl kein optimaler Lebensraum, aber trotzdem hat ihn der Stadler Biber ausgewählt», sagt Hasler. Es habe auch im Weinland schon ähnliche Fälle gegeben.

Obwohl Biber in Einehe leben, glaubt Hasler nicht, dass man in Stadel noch auf weitere Familienmitglieder stossen wird: «Es handelt sich wahrscheinlich um ein männliches Einzeltier.» Wenn er eine Familie gründen könne und die Futterbasis stimme, sei es aber durchaus möglich, dass er sich fest im Schleumetkanal ansiedeln würde. Matthias Müller Der Schnappschuss: Hier ertappte Hans Niedermann den Biber von Stadel. Foto: PD

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