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Wenn Kinder in keine Schublade passen

Auf einem Bauernhof in Rafz las die Eglisauerin Ursula Fehr aus ihrem Buch «Schneckenfühler».

Rafz. - Der Eglisauer Autorin Ursula Fehr war am Donnerstagabend die Freude anzusehen, als sich der Gästeraum langsam füllte. Letztlich hatten sich gegen fünfzig Zuhörerinnen zu ihrer Lesung auf dem Bauernhof in Rafz eingefunden. Gastgeberin war Luzia Schweizer, Bäuerin auf dem Schlucheberg. Die Eglisauerin Mona Mühlemann, Präsidentin der Landfrauen im Bezirk Bülach hatte den Anlass unter ihren Kolleginnen bekannt gemacht, nachdem sie das Buch «Schneckenfühler» selber verschlungen hatte.

«Mein eigenwilliges Kind» wie das Buch im Untertitel heisst, schildert die Odyssee eines Kindes und seiner Eltern durch verschiedene Institutionen. Dabei begleitete sie die Hoffnung, endlich den Ort zu finden, wo dieser sensible und talentierte Junge mit seinen ungewöhnlichen Bedürfnissen Wurzeln schlagen könnte. Das Werk beruht auf ihrer eigenen Familiengeschichte.

Die Anwesenden liessen sich in das Leben des Kindes hineinziehen, folgten der klaren Sprache der Autorin und spürten dabei die verzweifelten Versuche, Klarheit und Struktur in dieses eigenwillige Leben zu bringen. Gleichzeitig erkannten sie den feinen Humor, die Selbsterkenntnis, die es braucht, um solche herausfordernde Lebenssituationen zu meistern.

Keine perfekte Lehrerin

Zwischen den Texten erzählte Ursula Fehr von ihren Ansprüchen an sich selber: Als Mutter und Lehrerin mit einem Heilpädagogik-Studium habe sie sich unter Druck gesetzt, Kurse besucht und viele Bücher gelesen. «In Eglisau sagt man, was man denkt:‹Die ist Lehrerin und kriegt das mit dem eigenen Sohn nicht auf die Reihe.›»

Heute lache sie darüber. Gerade weil sie sich nicht abkapseln wollte, seien immer viele Nachbarskinder «bei Fehrs» gewesen. Da sie eben keine perfekte oder pingelige Hausfrau sei, hätte man bei ihr auch basteln oder Stoff färben können. «Da ist sicher manche Mutter froh gewesen», schmunzelt sie.

Dankbar ergänzt sie die Geschichte mit dem, was heute ist: Ihrem Sohn geht es gut, endlich bekomme er Anerkennung, schlage Wurzeln in der Kartause Ittingen. «Auch ich komme zur Ruhe, konnte loslassen und nehme unseren Sohn so an, wie er ist: als eigenwilligen jungen Mann.»

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