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Wenn sich über Horgen Spott ergiesst - und dies jedermann geniesst

Am Freitag machten die Schöneggler Horgen unsicher. Nichts lieben die Horgner mehr, als spöttische Geschichten über das eigene Dorf zu hören.

Horgen - Über die Zürcher Fasnacht macht sich die halbe Schweiz lustig. Nicht ernst zu nehmen sei sie, heisst es. Ganz Unrecht haben die Spötter gewiss nicht, gedenkt man des geringen Interesses, auf welches die Fasnächtler in der Stadt Zürich jeweils stossen. Geht man jedoch in die kleineren Städte und Gemeinden, offenbart sich mancherorts eine ausgeprägte Fasnachtskultur. Eine solche Gemeinde ist Horgen.

Am letzten Freitag machte die Horgner Fasnachtsgesellschaft Schöneggler in ihrem Stammlokal, dem Restaurant Schönegg, den Auftakt zur diesjährigen Schnitzelbanktournee - vor ausverkauften Reihen. Bunt geschminkt, mit schwarz-weiss karierten Hosen, Frack, roter Fliege und Zylinder lassen die gut 15 Mannen das Jahr 2009 Revue passieren. Sie hätten sich umgehört in Horgen, singen sie verheissungsvoll, und wollten dieses Wissen nun mit «Biss und noch viel mehr Humor» unter die Leute bringen. Jauchzen ertönt aus dem Publikum, das an langen Tischen eng gedrängt sitzt. Die Vorfreude ist gross, das Restaurant herausgeputzt. Von den Decken hängen bunte Luftschlangen, an den Wänden kleben überdimensionale Konfetti. Stumpenrauch liegt in der Luft.

Horgner Geschichten

«D Schweinegripp leit die halbi Schwiiz is Bett - die andere Chranke stimmed gege s Minarett», singen die Fasnächtler und steigen damit national in die Schnitzelbank ein. Das Publikum jedoch, man merkt es, freut sich vor allem auf die Horgner Geschichten. Welche Einwohner trifft der Spott der Schöneggler dieses Jahr? Ist man gar selbst Opfer? Zuerst geht es dem Gemeinderat an den Kragen. Bei den Kosten, welche die Neugestaltung des Bahnhofplatzes verursacht hat, singen die Männer schadenfreudig, hätte man ihn ebenso gut mit Gold überziehen können. Für viel Gelächter sorgt die Geschichte eines Horgner Ehepaars, welches eine Woche zu spät in die Ferien nach Schottland abfliegen wollte. Spöttisch berichten die Schöneggler von dem Einwohner, der auf der Fuchsjagd nicht nur das Tier erwischt hat, sondern gleich auch das antike Postauto auf dem Bockengut. Auch ohne Namen zu nennen, wissen die Gäste sofort, um wen es sich in den Geschichten handelt - auch dank der Bilder des Schöneggler Ehrenpräsidenten Peter Curiger, der die Ereignisse auf einer grossen Bilderrolle dargestellt hat.

Nach einer Stunde verabschieden sich die Fasnächtler mit dem Horgnerlied, das vom Publikum begeistert mitgesungen wird: «Horge isch e tolli Stadt, z Horge isch es schampar glatt! Euse letschti Wunsch - mir müend nöd lang studiere - dass im Himmel au es Horge tuet existiere!» Noch lieber als Fasnacht sind den Horgnern eben - die Horgner selbst. Die Schöneggler schiessen scharf - träfe Worte sind ihre Munition. Foto: Patrick Gutenberg

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