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Wenn Zigistummel in der Suppe schwimmen

Berggipfel, Fliegfisch und Raketen-Kirche: Drei Kunstschaffende aus Meilen zeigen im Ortsmuseum ihre Sicht der Welt.

Meilen - Zuerst kam Hans Streuli auf die Welt: 1930, und zwar in Rom. 1947 war, in Basel, Walter Hugelshofer an der Reihe. Thomas Flück folgte 1963 in Männedorf. Alle drei sind Meilemer, und alle drei machen Kunst. Die Museumskommission hat sich die drei Herren für einen gemeinsamen Auftritt ausgesucht. «Wir finden das spannend: eine Ausstellung mit Kontrasten, mit verschiedenen Positionen, und sie beissen sich ja nicht», erklärt Beatrice Neururer, Mitglied der Meilemer Museumskommission.

In der Tat: Sie beissen sich nicht, sie ergänzen sich. Thomas Flück ist in Meilen dank seiner Projekte «Wir sind Meilen» und «Werkstatt Meilen» kein Unbekannter. Keine Unbekannten sind auch der pensionierte Zahnarzt Streuli und der Art Director Hugelshofer. Doch für die beiden handelt es sich um eine Premiere: Sie zeigen ihre Werke erstmals in der Öffentlichkeit.

Auf zum Umtrunk

Eine grosszügig bemessene Delegation dieser Öffentlichkeit hat denn auch am vergangenen Freitag im Ortsmuseum diese Werke wohlwollend-interessiert zur Kenntnis genommen. Zahlreiche gesprächsfreudige Damen und Herren (mit und ohne Krawatte) und ein brav schweigender Schäferhund haben sich eingefunden. Man kennt sich und zeigt (oder mimt) Wiedersehens-Freude.

Kunst braucht bekanntlich des Konsumenten Kommentar. «No luschtig find ich, das mä da . . .» doziert die Dame in Rot, und ihr Zeigfinger zeigt auf die Hugelshofersche Lachs-Schwanzflosse. Den Rest des Satzes verschlingt leider das Saxofon. Saxofon, Bass, Gitarre: Zu einer Vernissage gehört neben Kunst eben auch Musik. Ein Trio macht sich mit Verve an die Sache.

Die einen lauschen artig, die andern parlieren ungebremst. Mit der Zeit lichten sich die Reihen im Untergeschoss. Keine Vernissage ohne das essenzielle Dritte: den «Umtrunk» (ein Wort, das zumindest mit einer Silbermedaille geehrt werden müsste). Einen «Umtrunk» hat Beatrice Neururer in ihrer sympathisch knappen Ansprache versprochen, und so nehmen die Herrschaften allmählich die Treppenstufen weinwärts unter die Füsse.

Doch nun zur Kunst. Eines der schönsten Exponate heisst «Kippensoep». Was ist denn das? Das hat sich auch Walter Hugelshofer gefragt, als er Anno 1981 in Holland die Speisekarte studierte. Die Kellnerin klärte ihn auf: Es ist Hühnersuppe. Womit auch klar war, dass Kippen auf Holländisch Hühner heisst. Das war natürlich für das Künstlerohr und -auge ein gefundenes Fressen: Hugelshofers Collage zeigt ein in der Tasse thronendes Eigelb, das von drei Zigarettenstummeln in der Rolle von havarierten Galanen umtänzelt wird. Essen möchte man das nicht, aber an die Wand hängen durchaus: gekonnt, dekorativ und jedem Sprachfreund eine Freude.

Unscharfes Meilen

Mit Sprache spielt auch das vergnügliche Opus «Himberg mit Blausee» (1961). Auf sattgrüner Hügelkuppe ruhen behaglich drei prächtige Himbeeren. Tief unter ihnen lacht ein kleiner, blauer See. Die Collage «Einfach weg» (1975) zeigt einen Lachs in wolkigen Lüften. Hugelshofer erinnert sich an die Entstehung des Werks während seiner Düsseldorfer Jahre: «Als Junge habe ich in Basel sehr viele Lachse gesehen. Der Rhein verbindet Basel mit Düsseldorf, und er stank in diesen Jahren ziemlich.» So hievte der kreative Geist den armen Fisch ganz einfach aus dem Nass in die Höh’ und gab ihm das Motto «Auf der Suche nach einer besseren Welt» mit auf den Weg.

Thomas Flücks Fotoserie heisst «Meilen unscharf». Die Unschärfe verleiht den Arbeiten mit Meilemer Motiven tatsächlich enigmatisches Extraleben: Die Bronzedame scheint, aus dem ewigen Schlaf der Skulptur erwacht, sich am Bein zu kratzen, Bänke am Ufer suchen auf Spinnenbeinen das Weite, Gebäude blähen sich, als hätten sie zu viel Kohl gegessen, und die Kirche schiesst raketenhaft zum Himmel - dahin also, wo derjenige thront, der uns dereinst richten wird (aber das wollen wir uns jetzt beim Apéro lieber nicht vorstellen).

Geliebte Berge

Nah bei Mutter Erde bleibt Hans Streuli. Aus seiner Leidenschaft für das Gebirge macht der Medicus im Ruhestand keinen Hehl. Neben zahlreichen stimmungsvoll ausgeführten Bergszenerien finden sich auch weitere, genau beobachtete Naturstudien: Waldrand zwischen Licht und Schatten, Stillleben mit Birne. Thomas Flück, Fotografien, Hans Streuli, Bilder, Walter Hugelshofer,Bilder. Bis 21. März. Sa und So 14-17h.Ortsmuseum Meilen, Kirchgasse. Walter Hugelshofers Werk «Einfach weg» (oben), Fotografie von Thomas Flück (Mitte) und ein Bild von Hans Streuli (unten). Fotos: Sabine Rock

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