Zum Hauptinhalt springen

Wie sich die Meinung zur Fusion komplett änderte

Der Adliswiler Gemeinderat stimmte überraschend deutlich der Fusion der Spitäler Zimmerberg und Sanitas zu. Damit besteht für die Retter der Geburtsabteilung in Kilchberg keine Hoffnung mehr.

Adliswil - Mit Sparschweinchen, in denen sie die Münzen klimpern lassen, sorgen sie heute noch einmal für Lärm: die Organisatorinnen des Widerstands gegen die Schliessung der Geburtsabteilung des Spitals Sanitas im Zuge der Fusion mit dem Spital Zimmerberg. «Lange Zeit war es ruhig, aber wir waren nicht untätig», schreibt Sanitas-Kinderkrankenschwester Christa Weber-Schneider auf der Facebook-Seite «Rettet die Geburtsabteilung im Sanitas!!!». In Langnau besucht Weber mit Arbeitskolleginnen und Wöchnerinnen eine Informationsveranstaltung der SP zum Thema - zwei Tage nach einer herben Niederlage: Der Adliswiler Gemeinderat stimmte der Spitalfusion deutlich zu (TA von gestern).

Im Spital Sanitas ist es ruhig geworden. Gynäkologin Nadja Manneh-Stark, die mit ihrem Mann Günter Stark eine Einzelinitiative gegen die Fusion des Spitals Sanitas mit dem Spital Zimmerberg eingereicht hatte, wollte gestern keine Stellung mehr nehmen. Claudia Matter, Leiterin der Sanitas-Geburtshilfe, tat es ihr gleich, und Christa Weber-Schneider war nicht zu erreichen.

Kritik am Gemeinderat

Umso mehr ist das Abstimmungsresultat ein Sieg für den ehemaligen FDP-Stadtrat Heinz Spälti. Er ist Mitglied des strategischen Steuerungsausschusses und bereitete die Spitalfusion vor. «Ich freue mich riesig», sagt er. Dass der Entscheid in Adliswil so deutlich ausgefallen ist, sei ein starkes Zeichen an die anderen Gemeinden, in denen diese Abstimmung noch bevorsteht. Adliswil war nach Richterswil die zweite Gemeinde im Bezirk, die den Zusammenschluss der beiden Spitäler gutheisst.

Noch im Februar sprachen sich 26 von 35 anwesenden Ratsmitgliedern für die Einzelinitiative von Manneh-Stark aus. Der Meinungsumschwung im Rat kommt für Spälti aber nicht überraschend. «Ich hatte nie Angst, dass es in die Hose geht», sagt er. Spälti kritisiert die Gemeinderäte: «Man hat sich im Vorfeld ungenügend mit der Thematik auseinandergesetzt.» Er nennt die SVP, welche sich einstimmig für die Initiative ausgesprochen hatte.

«Sich den Tatsachen stellen»

Fredi Morf, SVP-Fraktionspräsident und Mitglied der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission (RGPK), sagt, man sei von der Einzelinitiative «quasi überrumpelt worden». Die SVP sagte sich, das Sanitas solle bleiben. «Dann haben wir das Geschäft in der RGPK geprüft», sagt er. Ausserdem habe man sich von Heinz Spälti belehren lassen, und dann war es klar. Morf sagt: «Wir mussten uns den nackten Tatsachen stellen.» Er nennt Zahlen. 1,45 Mio. Franken pro Jahr für den Betrieb der Geburtsabteilung gegenüber 80 Geburten von Adliswilerinnen im selben Zeitraum. «Wenn man ausrechnet, wie viel eine Geburt dann kostet», sagt er und ergänzt, heute müsse alles rentieren. «Mir tat es leid, aber man kann nichts machen», sagt Morf. Ohne die Fusion müssten zwei Spitäler schliessen.

Max Stenz (Freie Wähler) schildert denselben Verlauf. Im Februar habe man den Sachverhalt nicht genau gekannt und der Einzelinitiative eine Chance gegeben. «Nachher haben wir es hinterfragt», sagt er. Als Heinz Spälti mit ihnen das Gespräch suchte, sahen die Freien Wähler bald: «So kommt man nicht weiter», sagt Stenz. Er sieht die einzige Chance für die Geburtsabteilung, wenn man die Leitung der beiden Spitäler austauschen könnte. «Ich glaube, die hatten es untereinander schon abgemacht», sagt er. Aber Einfluss habe der Gemeinderat darauf ja nicht. Stenz hängt am Sanitas - er hat ein Kind, das dort geboren ist.

CVP-Gemeinderätin Nicole Kappeler ist im Sanitas zur Welt gekommen. Später absolvierte die diplomierte Pflegefachfrau dort ein Praktikum. Trotzdem hat sie am Mittwoch für die Spitalfusion gestimmt. Sie sagt: «Wenn ich eine Möglichkeit gesehen hätte, dreinzureden, dann hätte ich das gemacht.» Sie hat sich in der Debatte sehr für die Geburtsabteilung eingesetzt. Immer mit der Überzeugung, dass es keinen Sinn mache, die Geburtsklinik nach Horgen zu verlegen. Aber sie sagt: «Die Realität ist, dass die Spitäler fusionieren müssen.» Auf den Standort der Geburtsabteilung habe die Politik keinen Einfluss.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch