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Wiedervereint nach vier Jahren

Am Wochenende spielt Farha Razi erstmals seit ihrer Rückkehr aus Uzwil für Adliswil-Zürich und damit wieder im Badmintonteam ihres jüngeren Bruders Shane, mit dem sie sich eine Wohnung teilt.

Von René Hauri Die BV Adliswil-Zürich ist wieder um ein Mitglied mit dem Nachnamen Razi reicher. Farha, mit 27 die Zweitjüngste der Familie, ist zurück in ihrem Stammverein, zurück in der Equipe ihres Bruders Shane (23) und ihrer Schwester Huwaina (31), die in dieser Spielzeit wegen ihres Studiums allerdings selten zu Einsätzen kommen wird. Nur in der Saison 2006/07 tauchte der malaysische Name noch öfter auf dem Matchblatt auf, als der 29-jährige Irfan ebenfalls für das NLA-Badmintonteam spielte. «Von heute auf morgen hängte er sein Racket an den Nagel», sagt Farha, die den kurz vor der Fusion mit dem BC Zürich stehenden BC Adliswil kurz darauf ebenfalls verliess. Sie wechselte zu Uzwil, zum Klub ihres damaligen Freundes Jan Fröhlich, behielt allerdings ihr Kinderzimmer in Dübendorf, weil sie als Flight Attendant schnell und zu Randzeiten am Flughafen Zürich sein muss. Als die Beziehung im Oktober 2010 nach vier Jahren in die Brüche ging, entschied sich Farha Razi zur Rückkehr und bezog mit Shane unweit des Elternhauses eine Wohnung. «Es klappt eigentlich ganz gut», sagt sie und fügt dann lächelnd an: «Ganz am Anfang hatte Shane wegen der Schule viel zu tun. Der Haushalt interessierte ihn nicht sonderlich.» Mittlerweile sind die beiden aber ein eingespieltes Duo &endash auch auf dem Badmintoncourt. Auch wenn der Trainingsaufwand beider im Vergleich zu früher merklich abgenommen hat. Traum vom Profi ausgeträumt Drei- bis viermal steht Farha derzeit wöchentlich in der Halle, Shane, der die Berufsmatur nachholt, noch ein- oder zweimal. «Lange war Badminton das Wichtigste in unserem Leben. Dann kam mit grossem Abstand die Schule, später die Arbeit. Die Prioritäten haben sich nun verschoben», beschreibt Farha, die wie Shane einst mit dem Gedanken spielte, eine Profikarriere zu lancieren. Dafür reiste sie 18-jährig in die Badminton-Hochburg Malaysia, das Heimatland ihres Vaters. Sechs Stunden pro Tag trainierte sie und «lernte unglaublich viel, nicht nur sportlich, auch für mein Leben». Nach einem Jahr folgte der erste Rückschlag. Eine Fussverletzung zwang sie zu einer Pause. «Ich versuchte danach, mich zurückzukämpfen. Aber die Probleme blieben», sagt Farha, die, wieder in der Schweiz, mit dem Sport abgeschlossen hatte. «Es hat mir aber bald etwas gefehlt. Und ich merkte, dass mein Niveau für die Schweiz noch ausreicht.» In der Interclub-Meisterschaft fand sie schnell wieder Anschluss, internationale Turniere hat sie seither allerdings nicht mehr bestritten und hat damit einen ähnlichen Werdegang hinter sich wie ihr vier Jahre jüngerer Bruder Shane, für den der Traum vom Profi ebenfalls ausgeträumt ist. Motivationsprobleme Nach seiner KV-Lehre scheute er keinen Aufwand, um seine Karriere voranzutreiben. Zwei Einheiten absolvierte er täglich, reiste mehrmals wöchentlich ins nationale Leistungszentrum nach Bern, schuftete an Fitnessgeräten &endash zwei Jahre lang. «Doch irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich fragt: Steht der Aufwand in einem angemessenen Verhältnis zum Ertrag? Man müsste bereit sein, alles auf eine Karte zu setzen, bis 30 voll durchzuziehen. Sobald kleine Zweifel aufkommen wie bei mir, macht das keinen Sinn», sagt Shane. Er habe mit Motivationsproblemen gekämpft. Stets hinkte er der internationalen Konkurrenz hinterher. «In anderen Ländern trainieren bereits kleine Kinder mit hoher Intensität, nicht wie wir zweimal pro Woche.» Um diesen Rückstand aufzuholen, benötige ein Spieler mindestens fünf Jahre, meint er und sagt: «Das ist eine sehr lange Zeit.» Zu lang für Shane Razi, der sich als ungeduldig beschreibt. Und daher steht nun seine Ausbildung im Vordergrund. Im Januar sollte er die Schule mit der Matur abgeschlossen haben. Ein Psychologiestudium reizt ihn. Doch ganz auf Badminton verzichten will er deswegen nicht. «Die Kraft, die Explosivität, die Technik, die Taktik, der mentale Aspekt: Das alles fasziniert mich», sagt Shane, der seinen älteren Geschwistern früher noch zuschauen musste, aber «immer mit den Shuttles gespielt hat», wie Farha erzählt. Den zweiten Titel als Ziel Bei Vital Zürich begann die sportliche Karriere der Razis, später fand sie bei Uster-Greifensee ihre Fortsetzung, bei Adliswil endete sie für Irfan, bei Adliswil-Zürich werden sie Shane, Farha und Huwaina vermutlich abschliessen. Den zweiten Meistertitel für den Fusionsklub nach 2009 streben die Geschwister noch an. In dieser Saison wohl ein aussichtsloses Unterfangen. Am derzeitigen Leader St. Gallen-Appenzell führt kaum ein Weg vorbei. «Es wird sicherlich schwierig, aber es ist möglich», meint Shane Razi. Einen wichtigen Schritt könnten die Zürcher an diesem Wochenende machen. Heute treffen sie auf Meister Solothurn, am Sonntag auswärts auf La Chaux-de-Fonds. Farha wird dabei ihr Comeback geben. «Bisher hat es wegen des Berufs einfach nicht geklappt», erklärt sie. Ihr Bruder wird die Partie in Neuenburg auslassen, denn am Montag und Dienstag muss er fünf Prüfungen ablegen. Ohne Badminton gehts bei den Razis zwar nicht, als Nummer 1 wurde es aber abgelöst. Eingespieltes Duo auf dem Court und zu Hause: Farha und Shane Razi. Foto: Oeschger

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