Winterthur

An Benefiz-Gala in Winterthur werden islamistische Hassprediger erwartet

Ein harmloser Sammeltag für Opfer des syrischen Krieges droht morgen Samstag zu einem Treffen radikaler Islamisten zu werden.

Ausschnitt aus dem Mobilisierungsvideo für die Winterthurer Gala.

Ausschnitt aus dem Mobilisierungsvideo für die Winterthurer Gala. Bild: Youtube

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Das im Internet kursierende Flugblatt ist unauffällig und auf den ersten Blick harmlos: Morgen soll in Winterthur eine Benefizveranstaltung für die Opfer des syrischen Bürgerkrieges stattfinden. Nur ein Detail irritiert: Der genaue Ort wird laut den Organisatoren geheim gehalten und erst kurz vor Beginn veröffentlicht. Die Veranstalter verraten einzig, dass genügend Parkplätze vorhanden sein werden.

Die Heimlichtuerei hat einen Grund: Wie Recherchen des «Tages-Anzeigers» zeigen, stehen hinter dem Anlass radikale Islamisten aus Deutschland. Mehrere Teilnehmer stehen unter Beobachtung des Verfassungsschutzes und müssen mit Einreisesperren rechnen.

Als Gastgeber fungiert die Gruppierung Ansaar International, eine deutschlandweit aktive Hilfsorganisation. Deren Drahtzieher stammen aus der salafistischen Szene Düsseldorfs und sind Teil eines radikalen Netzwerks von deutschen Muslimen. Sie sammeln laut eigenen Angaben Geld für ihre «muslimischen Brüder» in Syrien. Dort bauen sie Moscheen und eine islamische Schule. In Winterthur sollen Spenden für die Projekte vor Ort gesammelt werden. Die Brüder und Schwestern werden aufgerufen, Geld und Wertgegenstände für eine Versteigerung mitzunehmen.

Teil eines radikalen Netzwerks

Pikant: An der Veranstaltung treten mehrere prominente Hassprediger auf. In einschlägigen Foren kursiert ein knapp siebenminütiges, mit islamischen Gesängen und Maschinengewehrsalven unterlegtes Youtube-Video. Darin kündigen die Veranstalter den radikalen Kölner Missionar Ibrahim Abou-Nagie an. Der langjährige Weggefährte des Skandalpredigers Pierre Vogel gilt als führender Kopf des Netzwerks «Die wahre Religion». Laut dem deutschen Verfassungsschutz weist die Vereinigung Schnittstellen mit militanten Islamisten auf und bildet den Schwerpunkt der salafistischen Strömung in Deutschland. Diese gilt als besonders radikal. In seinem Jahresbericht warnt der Verfassungsschutz: «Das von Salafisten verbreitete Gedankengut bildet den Nährboden für eine islamistische Radikalisierung, die zuweilen zu Gewaltbereitschaft und schliesslich auch zu einer anschliessenden Rekrutierung für den islamistischen Terrorismus führen kann.»

Abou-Nagie sorgte im vergangenen Jahr in deutschen Städten mit einer gross angelegten Verteilaktion von kostenlosen Koranen für Aufsehen. Daraufhin durchsuchten Ermittler die Räumlichkeiten des Netzwerks «Die wahre Religion». Der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) prüft jetzt ein Verbot der Vereinigung.

Kantonspolizei ist informiert

Neben Abou-Nagie reist auch Ebu Tejma an. Der bosnische Salafist aus Wien pflegt enge Verbindungen zum Netzwerk um den Kölner Abou-Nagie. Laut einem aktuellen Bericht des österreichischen Verteidigungsministeriums hiess Tejma in einem Vortrag die Gräueltaten von Osama Bin Laden gut. Dieser habe sein Leben geopfert, um den Muslimen damit zu vermitteln, «sich zu wehren», denn ansonsten würden sie «niedergemetzelt», sagte der Prediger. Die Veranstalter selbst waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Der geplante Anlass in Winterthur schreckt jetzt auch die Sicherheitsbehörden auf. «Wir haben Kenntnis von der Veranstaltung und stehen mit den nötigen Stellen in Kontakt», sagt Werner Benz, Sprecher der Kantonspolizei Zürich. Die Polizei wisse zwar, wo die Veranstaltung stattfinde. Aus Sicherheitsgründen wolle man den Ort aber nicht nennen.

Zu einem möglichen Einreiseverbot äusserte sich weder die Kantonspolizei noch das Bundesamt für Polizei (Fedpol). Die Behörden können ein solches gegen Personen verhängen, welche die innere oder äussere Sicherheit der Schweiz gefährden oder eine Gefahr für die Sicherheit und Ordnung darstellen. Aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen wird dies aber nicht kommuniziert.

Erstellt: 27.09.2013, 09:58 Uhr

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