«Merkur» putzt städtischen Schandfleck weg

Die Stadt Winterthur will Leben auf den Merkurplatz beim Stadtpark bringen.

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Seit die offene Drogen- und Alkoholikerszene in der Winterthurer Innenstadt geräumt wurde, wird der Merkurplatz beim Stadtpark nur wenig von der Bevölkerung genutzt. Mit dem Projekt «Merkur» soll der einstige Schandfleck nun wieder zu einem lebendigen Teil der Altstadt werden.

Für Stadtrat Michael Künzle ist das Projekt «Merkur» eine regelrechte «Stadtreparatur», wie er am Freitag in Winterthur vor den Medien sagte. Es bestehe aus drei konkreten Teilprojekten, die nun weiterverfolgt würden.

Es gibt noch keinen Zeitplan

Auf einen konkreten Zeitplan will sich der Polizeivorsteher nicht einlassen. Erste Ergebnisse dürften aber noch in diesem Jahr zu erwarten sein.

Erstes Projekt wäre eine Verschönerung des Manor-Warenhauses, das direkt an den Merkurplatz grenzt. Ein besser genutztes, lebendigeres Erdgeschoss sowie schöner gestaltete Durchgänge und eine Verlegung der Tiefgarageneinfahrt sollen dem Platz ein neues Gesicht geben.

Die Marktstände, die als Sofortmassnahme nach der Räumung im Jahr 2008 aufgestellt wurden, müssten sich dann einen neuen Standort suchen. Auch der Stadtpark soll mit «Merkur» aufgefrischt werden.

Dazu gehört laut Künzle unter anderem, dass Parklotsen in der Gartenanlage für mehr Sicherheit sorgen. Drittes Teilprojekt ist die Aufwertung der Gastronomieangebote. Man wolle erreichen, dass sich die Restaurants, die sich mit Abschrankungen vor der Drogenszene abgeschottet hatten, wieder öffneten.

Weniger Süchtige, weniger Dealer

Für den Musikpavillon auf dem Merkurplatz, in dem sich die Süchtigen bis vor zwei Jahren jeweils eingerichtet hatten, sehen die städtischen Fachleute keine Zukunft. Ob er abgerissen werde, sei noch nicht beschlossen, sagte Künzle. Bei den Gesprächen für das Projekt «Merkur» sei aber kein einziger Beteiligter dafür gewesen, dass der Pavillon stehen bleibe.

Die Situation um die Alkoholiker- und Drogenszene habe sich mittlerweile beruhigt, sagte Künzle weiter. Heute gebe es zwar noch kleine Gruppierungen, die sich vor allem um den Bahnhof herum und bei der Drogenanlaufstelle aufhielten. Man habe diese Brennpunkte mit Polizeikontrollen aber relativ gut im Auge.

Insgesamt treffe man heute viel weniger Süchtige und Drogendealer in Winterthur an. Die Sogwirkung auf die ganze Region habe deutlich abgenommen. Statt sich wie früher beim Musikpavillon zu treffen, würden sie heute «direkt weiter nach Zürich fahren». Für die Süchtigen aus Winterthur wurden nach der Räumung zusätzliche soziale Einrichtungen eröffnet.

Bundesgericht muss sich um Anlaufstelle kümmern

Blockiert ist jedoch nach wie vor die geplante Anlaufstelle für Randständige an der Zeughausstrasse, gegen die sich eine Gruppe von Anwohnern bis vor Bundesgericht wehrt.

Die Lausanner Richter müssen sich gegenwärtig mit einer Beschwerde gegen die Abstimmung vom November 2009 befassen. Wann das Urteil gefällt wird, ist unklar.

Möglicherweise muss sich das Bundesgericht aber bald in zwei Fällen um die Winterthurer Anlaufstelle kümmern: An diesem Wochenende wollen die selben Anwohner entscheiden, ob sie ihren Rekurs gegen die Baubewilligung ebenfalls vor Bundesgericht weiterziehen.

Das Verwaltungsgericht hatte ihre Einsprache vor zwei Wochen abgelehnt. Die Winterthurer Stimmberechtigten hatten das Sozialprojekt mit 62 Prozent Ja-Stimmen angenommen.

(tif/sda)

Erstellt: 28.01.2011, 12:39 Uhr

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