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«Wir arbeiten für den Wald, nicht für die Industrie»

Im Regensdorfer Gubristwald fallen die Bäume. Das Holz wird vielseitig verwendet, so dass der Bereich Forst wieder schwarze Zahlen schreibt.

Von Sarah Sidler Regensdorf – Pünktlich zu Beginn der Vegetationsruhe fahren Forstarbeiter mit ihren schweren Maschinen in die Wälder, um sie zu bewirtschaften. So auch auf 15 Hektaren des Regensdorfer Gemeindewaldes auf dem Gubrist. Die Angestellten der Firma Forest AG fällen nun während rund zwei Monaten Bäume, die Revierförster Felix Holenstein markiert hat. Holenstein ist Inhaber der Firma Silva Forstliche Planungen GmbH und arbeitet im Auftrag der Gemeinde Regensdorf. Sie hat den Forstbetrieb vor vier Jahren aus Kostengründen ausgelagert: «Der Betrieb schrieb jährlich Verluste in der Höhe von rund 250 000 Franken», sagt Marc Weidmann, Leiter der Regensdorfer Finanzabteilung. Seit 2006 erwirtschaftete der Forstbetrieb Gewinn. Er schätzt, dass sich die Zahlen zwischen einer schwarzen Null und 30 000 einpendeln werden. Diese seien abhängig von der Qualität des Holzes und den Holzpreisen. Holenstein fügt an: «Die Wertschöpfung eines Waldes ist gering, weil er auch Kosten verursacht.» Beispielsweise der Unterhalt der Flurwege oder die Pflege des Jungholzes. Die Holzpreise seien in den vergangenen Jahren jedoch gestiegen. Sie befinden sich wieder auf dem Niveau vor dem Jahrhundertsturm Lothar im Jahr 1999. Trotzdem kostet Holz heute gleich viel wie vor 50 Jahren. «Damals erwirtschafteten die Gemeinden mit der Holznutzung einen grossen Teil ihres Ertrages», weiss Holenstein. Heute bedarf es einigem, um das Holz zu attraktiven Preisen abzusetzen. «Wir versuchen, das Holz möglichst früh zu verkaufen», sagt er. Die Holzlager leeren sich jeweils gegen Ende Jahr. Und weil die Industrie den Rohstoff brauche, könne er jetzt etwas mehr dafür verlangen als im Frühling. Der Verkauf der grossen Masse wird über die kantonale Holzvermarktungsorganisation abgewickelt. Über die Preise des restlichen Holzes verhandelt Hollenstein mit jedem Käufer persönlich. Das Holz, das zu Papier verarbeitet wird, verkauft er nach Deutschland. Anderes, das sich für die Verarbeitung zu Spanplatten eignet, kommt in die Innerschweiz. Um für die schönen, dickeren Stämme einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen, macht Holenstein die Preise mit den Einkäufern direkt im Wald aus. Mit dem sogenannten Furnierholz erzielt er die grösste Wertschöpfung. Im Durchschnitt erhält er 1000 Franken für einen Kubik. Energieholz wird direkt im Wald verarbeitet: Eine grosse Häckselmaschine verkleinert die Stämme und füllt einen Traktoranhänger mit den Schnitzeln. 20 Kubik haben in einem Anhänger Platz, das entspricht rund 2000 Liter Heizöl. Mit dem Regensdorfer Energieholz wird unter anderem die Strafanstalt Pöschwies beheizt. Derzeit bringt es der Gemeindekasse rund 50 Franken pro Kubik ein. Ein schöner Eichenstamm kostet bis zu 1200 Franken pro Kubik. Zukunftsgerichtete Arbeit Das Holz, das derzeit im Gubristwald gefällt wird, füllt bis zu 40 Eisenbahnwagen. Obwohl der Holzschlag an einzelnen Stellen markante Spuren hinterlässt, spricht Holenstein von Waldpflege: «Wir arbeiten für den Wald, nicht für die Industrie.» Dem Wald werde so viel Holz entnommen, wie innerhalb eines Jahres wieder nachwächst. Wichtig sei, für die jungen und wertvollen Bäumen – wie etwa die Eiche – Platz zu schaffen und diese so zu fördern. Weil der Wald in Stadtnähe als Erholungsgebiet dient, versucht das Forstwesen ihn sicher und attraktiv zu gestalten: Kranke Bäume entlang der Wege werden gefällt, besonders schöne Exemplare ins richtige Licht gerückt. «Ein multifunktionaler Wald ist das Ziel», sagt der Revierförster. Schliesslich weiss man heute nicht, wofür er in 50 Jahren dienen wird. Auf jeden Fall aber will Holenstein mit seiner Arbeit garantieren, dass Regensdorf später über einen vielseitigen und hochwertigen Wald verfügt. «Wir arbeiten zugunsten des Waldes, nicht zugunsten der Industrie.» Felix Holenstein, Revierförster der Gemeinde Regensdorf Felix Holenstein vor einem Stoss Häckselholz. Foto: Christoph Kaminski

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