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Wo schon Dreijährige Englisch lernen können

Im Bülacher American Swiss Montessori Kindergarten sind die Dreijährigen in der Überzahl. Dass sie viel Englisch hören, soll ihren Fremdsprachenerwerb erleichtern.

Bülach. - Es gibt Bedürfnisse, die kann eine Dreijährige nicht so einfach ignorieren. Mag ihre Kindergarten-Leiterin Nelly Vasquez auch noch so viel über Dolphins, also Delfine, erzählen - wenn Annelie muss, dann muss sie. Also stülpt die Dreijährige aus Bülach ihre Finken rasch über ihre Füsse, erhebt sich leise und trippelt aus dem Sitzkreis in Richtung Klo.

Vormittags sitzen im American Swiss Montessori Kindergarten 17 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren in einem Kreis und lauschen den Geschichten der Kindergärtnerin Nelly Vasquez. Von Whales, Sharks und Dolphins ist zu hören. Was zu Kommentaren wie «Du, Nelly, min Grosspapi und ich haben die auch schon gesehen!» reizt. «Hier reden wir gleichzeitig Englisch und Deutsch», sagt Nelly Vasquez, die den American Swiss Montessori Kindergarten seit letztem Jahr leitet. Gelernt hatte sie noch bei der Gründerin des Kindergartens, Trudy K. Detrich, die vor einem Jahr verstorben ist. Beide verband, dass sie in den USA aufgewachsen waren.

Kanton hat nichts dagegen

Nelly Vasquez spricht mit den Kindern daher ausschliesslich Englisch, während ihr die Kleinen so antworten, wie es ihnen gerade gefällt. Da kann es vorkommen, dass ein Dreijähriger sie im schönsten Indisch-Englisch um Stifte bittet und zwei Minuten später seinen Spielkollegen mit «Hör uf!» zurechtweist. Nelly Vasquez schmunzelt. «Je jünger die Kinder eine Fremdsprache immer wieder hören, desto erfolgreicher prägen sie sich diese ein», sagt sie. Deswegen bevorzuge die Montessori-Pädagogik einen Eintritt in der Kindergarten bereits mit drei Jahren, während man einen Regelkindergarten erst mit vier Jahren besuchen kann.

«Das widerspricht nicht dem neuen Volksschulgesetz», sagt Martin Kull, Leiter der Aufsicht Privatschulen der kantonalen Bildungsdirektion. Zwar unterliegen seit Inkrafttreten des neuen Volksschulgesetzes auch die privaten Kindergärten den kantonalen Vorgaben zu Lehrplänen, Räumlichkeiten und Ausbildung der Lehrpersonen, aber der Eintritt in einen privaten Kindergarten sei bereits ab einem Jahr vor der Schulpflicht möglich. Selbst in einem Regelkindergarten können die Kinder vorzeitig eingeschult werden, wenn die Eltern zuvor ein Gesuch stellen und der Entwicklungsstand des Kindes es anzeigt. «Es ist in Ordnung, einen privaten Kindergarten bereits ein Jahr vor dem regulären Kindergartenalter zu besuchen», sagt Martin Kull. Die Bildungsdirektion überprüft vor der Bewilligung eines privaten Kindergartens unter anderem, ob dieser eine der Volksschule gleichwertige Bildung anbietet. «Montessori-Kindergärten müssen sich am Lehrplan für die Kindergartenstufe des Kantons Zürich orientieren, auch mitihrer speziellen Pädagogik», sagt der Vertreter der Bildungsdirektion.

Hilfestellung, nicht Anordnung

Die Eigenständigkeit des Kindes zu fördern, sei das Ziel der Montessori-Pädagogik, erklärt Nelly Vasquez. Die Erzieherinnen verstehen sich eher als Hilfestellerin des Kindes. Und nicht als Erwachsene, die einem Kind Anordnungen geben. Wie in einem Werkstattunterricht stehen für die Kinder verschiedene Posten mit Aufgaben und Materialien bereit. Ob sie nun ein Bild malen oder Erdnüsse knacken möchten, sie finden in ihren Regalen das jeweilige Material samt den gezeichneten Beschreibungen vor. So weit die Theorie. In der Praxis kaut der vierjährige Julian aus Steinmaur gerade an einer Erdnuss. Die Beschreibung, wie er sie eigentlich zu legen hat, damit sie eine Kette bilden, ignoriert er. «Julian, du sollst doch nicht so viele Nüsse essen!» Nelly hebt die Augenbrauen hoch. Julian schaut kurz auf, wartet bis sich seine Kindergärtnerin wieder umdreht und schiebt sich schnell die nächste Erdnuss in den Mund. Nelly schmunzelt. «Eigentlich sollte er die Aktivität nicht abändern», sagt sie. Wichtig sei, dass er bestimme, was er gerne lerne.

Diese Art von Kindergarten scheint bei vielen Eltern ein Bedürfnis abzudecken. Dazu sind sie dann auch bereit, 660 Franken im Monat zu bezahlen. Fast zwei Drittel der Kinder im American Swiss Montessori Kindergarten sind drei Jahre alt. «Mit dem Fördern kann man nicht früh genug beginnen», sagt Nelly Vasquez und nickt Annelie zu, die leise von der Toilette zum Kreis trippelt, ihre Finken auszieht und sich wieder hinsetzt.

Haben beim spielerischen Lernen viel Spass miteinander: Kindergärtnerin Nella Vasquez und die dreijährige Annelie.

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