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Zeugen der Industriegeschichte gerade noch gerettet

Auf Webmaschinen aus Rüti wurde einst Stoff für die ganze Welt gewoben. Dann wären die Apparate beinahe verschrottet worden. In einem Museum kann sie die Öffentlichkeit jetzt wieder bestaunen.

Bäretswil - Wenn es um Dampflokomotiven geht, haben die Technikhistoriker keine Mühe, das Publikum zu begeistern. Mit Webmaschinen ist es schwieriger. Die Textilindustrie kleidet uns zwar alle, ist aber eine Welt für sich. So mussten sich die kantonale Denkmalpflege, die Gemeinde Rüti und eine Schar unermüdlicher Freiwilliger während Jahren dafür einsetzen, dass die Sammlung der Webmaschinen der ehemaligen Maschinenfabrik Rüti nicht sang- und klanglos verschrottet wurde.

Schliesslich wurde in einem historischen Fabrikgebäude im Neuthal bei Bauma ein geeigneter Standort gefunden. Am Sonntag wird dort die Sammlung, es ist eine von nur zwei solchen weltweit, wieder eröffnet.

Die Maschinen sollen laufen

In drei Sälen sind 60 Webstühle und Webmaschinen der Baujahre 1860 bis 1996 zu sehen. Vom Handwebstuhl bis zur elektronisch gesteuerten Hochleistungsmaschine lässt sich die Entwicklung der Technik an Originalen verfolgen. Dass man nicht einfach ein stilles Museum einrichten wollte, sondern den Besuchern auch laufende Maschinen demonstrieren will, hat allerdings den Nachteil, dass die Sammlung normalerweise nur in geführten Gruppen und auf Voranmeldung besichtigt werden kann. Das Spinnereimuseum im gleichen Gebäude ist an bestimmten Tagen auch für Einzelbesucher offen.

Das Prinzip des Webens sei immer dasselbe geblieben, erklärt Rico Trümpler, einer der Initianten und freiwilligen Helfer. Es geht darum, einen Schussfaden zwischen die Kettfäden einzubringen. Die Maschinenbauer waren aber sehr einfallsreich, wenn es um die Technik dafür geht. Zunächst wurde der Vorgang des Handwebens mechanisiert, dann wurde der Faden mithilfe von Projektilen, mit Wasser- oder Luftdruck oder durch Greiferstangen zwischen die Kettfäden transportiert. Mit raffinierter Mechanik wurde das Produktionstempo erhöht, wurde die Bildung von Mustern verbessert.

Die Maschinenfabrik Rüti (im Volksmund nach dem Flurnamen Joweid genannt) beherrschte zeitweise den halben Weltmarkt und prägte durch die Zulieferindustrie die ganze Region. Gegründet wurde das Unternehmen durch Caspar Honegger, einen Spinnerei- und Webereibesitzer, der 1842 eine erste Eigenkonstruktion baute. Seit 1942 wurde eine umfassende Sammlung von Webmaschinen aller Techniken aufgebaut. Als die Fabrik nach mehreren Besitzerwechseln 1997 stillgelegt wurde, drohte dieser Sammlung das Aus.

Einst international prämiert

Im Neuthal sind die Zeugen einer für den Kanton und die ganze Schweiz entscheidenden Industrieepoche jetzt gut aufbewahrt. Ein grosser Teil der Maschinen ist sogar in betriebsfähigem Zustand. Ausgestellt sind auch Bilder aus der Firmengeschichte und nicht wenige der reich verzierten Ehrendiplome, mit denen das Unternehmen einst an internationalen Messen ausgezeichnet wurde.

Mit der Museumsspinnerei, den umfangreichen Wasserkraftanlagen in der Umgebung und der Erschliessung durch die historische Bahnlinie sowie den Industrielehrpfad ist die Webmaschinensammlung jetzt richtig platziert. Vielleicht kann der Zugang des Publikums mit der Zeit noch verbessert werden, doch wäre für vermehrte Öffnungszeiten mehr Personal - lies: freiwillige Helfer - erforderlich.

Als nächste grosse Aufgabe sieht Peter Baumgartner, der stellvertretende Denkmalpfleger des Kantons, nun die wissenschaftliche Erschliessung des umfangreichen Firmenarchivs. Diese Originalpläne, Anleitungen und Fotos sind ein weltweit ebenso rarer und bedeutender Schatz wie die Maschinen selber. Für die Forschungsarbeiten wurden die Dokumente bereits kopiert. Tag der offenen Tür: Sonntag, 18. 4., mit Führungen von 12 bis 16 Uhr. Zufahrt nur mit historischem Elektrozug ab Bäretswil und Bauma sowie mit der Bus- linie 850 Bauma-Wetzikon möglich. Denkmalpfleger Peter Baumgartner (links) und Museums-Initiant Rico Trümpler inmitten der alten Webmaschinen im Neuthal. Foto: Christoph Kaminski

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