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ZSC-Nostalgie, Kloten-Amnesie

Schubiger «Papi, tätäte gunnä.» Der kleinste Schubiger schaute Schubiger immer sehr tief und ernst in die Augen, wenn er seinen aktuellen Lieblingssatz wiederholte. «Ja, klar», sagte Schubiger. Aber als sie dann gemeinsam jubelnd die Arme hochrissen, hatte Schubiger ein schlechtes Gewissen. Weil er ohne die kleinen Schubigers ans erste Playoff-Heimspiel gegangen war und ihnen das verheimlicht hatte, um einen Familienaufstand zu vermeiden. Undweil der ZSC gar nicht gewonnen, sondern Kloten verloren hatte. Dem kleinsten Schubiger den Unterschied zu erklären, war wohl sinnlos, dachte Schubiger, wenn ihn am Vorabend schon Wullinger nicht verstanden hatte. Wullinger war nicht schwer von Begriff, aber so lange an keinem ZSC-Match mehr gewesen, dass er sich darüber empörte, dass im Hallenstadion nicht mehr geraucht wurde, obwohl er selbst längst damit aufgehört hatte. Wullinger und Schubiger hatten einst auf den Holzbänken, die die Welt bedeuteten, gemeinsam den Hockeygöttern Bertschinger, Nuspliger und Vollmer gehuldigt. Irgendwann danach hatten sie einander aus den Augen verloren. Bis sie sich neulich beim Nanos-Einkaufen zufällig trafen und zum Derby verabredeten. Dort pöbelte, sang und jubelte Wullinger wie in alten Zeiten. Und am Ende sagte er: «Nicht schlecht für den Anfang.» Schubiger aber blieb wie angeklebt auf seinem Klappsitz und staunte. Wullinger konnte nicht wissen, aber Schubiger nicht vergessen, dass sein ZSC eine Saison lang mindestens eine Klasse schlechter gewesen war als Kloten. Natürlich hatte auch Schubiger gehofft, dass im Playoff eine neue Saison beginnt und im Derby eigene Gesetze gelten. Aber jetzt, wo er sah, dass die Klotener diesen Unsinn tatsächlich glaubten und vergessen hatten, wie überlegen sie dem ZSC eigentlich waren, traute er der Sache doch nicht recht. «Hey, Schubiger», sagte Wullinger, «der ZSC hat gewonnen!» «Ja, klar», sagte Schubiger und riss die Arme hoch. schubiger@tages-anzeiger.ch

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