Zürcher Wirte verbannen Marken-Mineralwasser

San Pellegrino, Valser, Henniez oder Evian war einmal: Sechs Wirte haben Marken-Mineralwasser komplett von ihrer Getränkekarte gestrichen. Dafür gibts jetzt Leitungswasser à discrétion.

Aus dem Zapfhahnen sprudelt das Wasser. Es wird von einer Maschine aufbereitet, gefiltert und gekühlt.

Aus dem Zapfhahnen sprudelt das Wasser. Es wird von einer Maschine aufbereitet, gefiltert und gekühlt. Bild: PD

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Zu einem guten Essen gehört das Glas Wasser. Normalerweise verrechnet der Wirt das Markenwasser und schenkt Leitungswasser gratis aus. Allerdings gibt es in Zürich vermehrt Gaststätten, die für Marken- wie für Hahnenwasser hohe Preise verlangen. Dies sorgt bei Restaurantbesuchern immer wieder für Diskussionen.

Die Non-Profit-Organisation Wasser für Wasser (WFW) hat in Zusammenarbeit mit dem Restaurant Josef ein Konzept entwickelt, das den Umgang mit Wasser im Restaurant neu definieren soll – und sogleich fünf weitere Startpartner gefunden, die den neuen Weg gehen wollen.

Folgende Betriebe machen mit: Josef, Brasserie Nestor, Gartenhof, Grand Café Lochergut, Ristorante Italia und die Wirtschaft Ziegelhütte. Sie alle ersetzen ihr Marken-Mineralwasser komplett durch Leitungswasser. Dieses wird von einer Maschine aufbereitet, gefiltert, gekühlt und wahlweise mit oder ohne Kohlensäure versetzt.

Verrechnet wird das Wasser als Flatrate, das heisst, der Gast zahlt einmal und kann danach so viel Wasser konsumieren, wie er möchte. In der Preisgestaltung ist jeder WFW-Partner frei.

Ökologisch macht das keinen Sinn

Tobias Emmenegger, Co-Geschäftsführer des Restaurants Josef: «Unser Angebot ist fair. Der Gast zahlt am Mittag 2 Franken und am Abend 3.50 Franken und kann dann so viel Leitungswasser konsumieren, wie er will, ob mit oder ohne Kohlensäure. Das ist neu für Zürich.»

Heute sei es so, dass der Herstellung und dem Transport von Gemüse und Fleisch viel Aufmerksamkeit geschenkt werde, ob saisonal, regional, nachhaltig oder bio, sagt Emmenegger. «Aber unser Mineralwasser karren wir ganz selbstverständlich quer durch die ‹Wasserhochburg› Schweiz oder sogar von noch weiter her. Das macht ökologisch keinen Sinn.» Wasser aus der Flasche ist energieintensiv. Die Flasche muss produziert, das Wasser abgefüllt und das Endprodukt zum Konsumenten transportiert werden.

Ein Teil des Umsatzes, den die Wirte mit dem Wasser machen, fliesst in ein WFW-Projekt in Sambia. WFW arbeitet bereits mit über 200 Gastronomiebetrieben in der Deutschschweiz zusammen, die Leitungswasser in WFW-Karaffen verkaufen.

Positive Reaktionen der Gäste

Im Josef sind Marken-Mineralwasser schon seit einigen Monaten von der Getränkekarte gestrichen. Die Kundenreaktionen seien bis jetzt äusserst positiv ausgefallen. «Wir haben unsere Gäste offen informiert und grossen Zuspruch erfahren.» Und diejenigen, die vorher gratis Hahnenburger im Josef bekamen? Kein Problem, so Emmenegger, diese Gäste würden sich freuen, dass sie nun für einen kleinen Betrag, der den Aufwand deckt, aufbereitetes, gekühltes Wasser trinken können und davon erst noch so viel sie möchten.

Für Mineralwasser gelten konkrete gesetzliche Vorschriften, welche die Wirte im Gegensatz zu Hahnenwasser erfüllen müssen. Emmenegger dazu: «Das stimmt. Da sehe ich keine Probleme. Unser kohlesäurehaltiges Wasser ist als aufbereitetes Leitungswasser deklariert. Zudem arbeiten wir mit einer professionellen Wasseraufbereitungsmaschine, die von geschultem Personal bedient wird.»

Er ist überzeugt, dass die sechs Restaurants, die nun starten, ihre Verantwortung als Gastronomen ernst nehmen, weil ihnen der sinnvolle und zeitgemässe Umgang mit Wasser ein grosses Anliegen ist.

Nicht überzeugt von diesem Konzept ist Gastro-Zürich-Präsident Ernst Bachmann, der in Wollishofen wirtet. «Ich würde mir eine solche Maschine nicht in meinen Betrieb stellen. Für mich ist das nichts weiter als ein Marketing-Gag, der schnell verpuffen wird.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.10.2016, 16:07 Uhr

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