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Zürich ist nur zeitlich nah

Am Gipfeltreffen Zürich–Uster mit der Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch und Usters Stadtpräsidenten Martin Bornhauser gings ums regionale Denken.

Von Eduard Gautschi Uster – Bevor Corine Mauch (SP) 1989 erstmals nach Uster kam, wusste sie nicht, wo Uster lag. Die Reise von Zürich nach Uster mit Tram und Zug dauerte eine Ewigkeit. Mauch war Usters erste Abfall- und Umweltbeauftragte (siehe Kasten). Als 1990 die S-Bahn den Betrieb aufnahm, halbierte sich Mauchs Zeitaufwand für den Arbeitsweg. «Die Stadt ist heute fast nicht wiederzuerkennen», sagte sie. «Viel hat sich verändert. Schön ist, dass der Lebensraum in Uster engagiert gestaltet wurde.» Mauch traf sich am Mittwoch in der Bibliothek mit Usters Stadtpräsidenten, Martin Bornhauser (SP). Beim «Gipfeltreffen Zürich–Uster» wurde über die Stadt- und Agglomerationsentwicklung diskutiert. Das Treffen fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Schweizerischen Sozialarchivs «In weiten Räumen denken» statt und war gut besucht. Geleitet wurde das Podium von Stefan Hotz, Redaktor bei der NZZ. Seine erste Frage lautete: «Sind sich Zürich und Uster in den letzten Jahren nähergekommen?» Bornhauser: «Zeitlich schon. In elf Minuten sind wir in Zürich. Politisch und auf Behördenebene sind wir nicht näher zusammengerückt – aber das kann sich ja ändern.» Im Laufe der Diskussion zeigte sich schnell, dass, von der Bevölkerung kaum wahrgenommen, ein reger Gedankenaustausch zwischen Politikern und Behörden in den verschiedenen Gremien stattfindet. Mauch: «Die Menschen interessieren sich nicht für politische Grenzen. Probleme halten sich auch nicht daran. Der Handlungsspielraum der Behörden endet aber an diesen Grenzen. Das ist ein ewiger Konflikt.» Sie empfahl, dass gemeinsame Probleme und Interessen auch gemeinsam vertreten werden sollten. «Zürich, Winterthur und Uster hätten zusammen so mehr Gewicht bei Verhandlungen mit dem Kanton. Sie sollten geschlossener auftreten und mit einer einzigen Stimme reden.» In zwei Richtungen orientiert Was das Engagement in den regionalen Gremien betrifft, bedauerte Bornhauser, dass die Stadt Uster in einigen gar nicht vertreten ist. «Oft fehlen uns dafür einfach die Kapazitäten. Manchmal setzen wir auch andere Prioritäten.» Die Denkweise der Menschen, Politiker und Behörden sei lokal. Die Entwicklung hin zum regionalen Denken gehe nur sehr langsam vor sich. Mauch wünschte sich, dass in grösseren Räumen gedacht wird. Zürich platze aus allen Nähten, leide an Platzmangel. Sie könne sich deshalb auch vorstellen, dass zum Beispiel das Kongresshaus in einer Nachbargemeinde gebaut wird. Zur Nutzung des Flugplatzes Dübendorf sagte Mauch: «Über die Nutzung entscheiden andere, die Auswirkungen aber wird die Stadt Zürich tragen müssen.» Warum sich Uster Richtung Oberland orientiere und nicht primär Richtung Glattal/Zürich, wurde Bornhauser gefragt. «Uster ist randständig», sagte er, «wir orientieren uns deshalb in beide Richtungen.» Uster sei die drittgrösste Stadt im Kanton und wolle endlich als solche wahrgenommen werden.

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