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Zwei Künstler verhühnern die Menschheit

In der Schwabach-Galerie ist derzeit das Huhn los. Die witzigen Bilder und Skulpturen von Federvieh menscheln mehr, als manchen lieb sein dürfte.

Feldmeilen. - Die Feldner Galerie Schwabach ist temporär zum ungewöhnlichen Hühnerstall geworden: Hier wird weder gegackert noch gekräht, auch werden keine Eier gelegt; sämtliches Federvieh ist auf Papier gebannt oder in Stein festgehalten. Es ist das Werk zweier Künstler, die beide den Menschen im Huhn erkennen.

Charly Bühler, ein 68-jähriger Vollblutkünstler aus dem Tösstal, stellte bereits vor mehr als 20 Jahren seine ersten impressionistischen Eier-Bilder aus. Aufs Huhn gekommen ist er aber erst später, als er an einer Hausräuke von Freunden zwei Hühner geschenkt bekam. Das Interesse an den Tieren hat ihn seither nicht mehr losgelassen. «Ich begann mich mit ihnen zu befassen und sie zu züchten», erinnert sich der freischaffende Künstler. «Dabei habe ich überraschende Analogien zum Menschen beobachtet.» Er erwähnt die Hackordnung, die Hierarchie im Hühnerhof, das Imponiergehabe der Hähne oder die Streitereien unter Hühnern.

Bühler hat sein Auge an den Vögeln geschult und an deren spitzen Schnäbeln und Spornen den Umgang mit Stift und Pinsel geschärft. Entstanden ist über die Jahre ein Wechselspiel zwischen Stillleben, Themenbildern, Comics und informellen Werken, die nie statisch wirken.

Gockel an der Generalversammlung

Die Inspiration findet Bühler nicht nur im Hühnerhof, sondern vor allem beim Beobachten von Menschen in der Stadt, im Beruf oder im Alltag. «Dafür ziehe ich meine imaginäre Hühnerbrille an und begebe mich unter die Leute», meint er augenzwinkernd. Was er beobachtet, gibt er in seinen witzig-frechen, doch sehr treffenden Hühnerbildern wider: Über der UBS-Generalversammlung prangt der Slogan «Für Eier kompetent und sicher», der Verwaltungsratspräsident kräht der vereinten Hühnerschar zu: «Wir setzen für sie alles aufs Spiel!» Auf einem anderen Bild gackert das Huhn lauthals dem borniertem Gockel zu: «Hoppla, da sind ja schon die ersten grauen Federn!» Für Bühler ist klar, dass es in der Kunst Humor braucht. Selbstironisch fügt er bei: «Ich komme ja auch nicht vom Gockel los, solange ich selber einer bin.»

Mit der nötigen Prise Witz und Schalk geht auch Gerda Schwyter an ihr Werk. «Da ich kein Michelangelo bin, stelle ich die Menschen in Form von Hühnern dar», erklärt sie lapidar. Die 67-jährige Bildhauerin aus Männedorf ist seit 30 Jahren dem Federvieh verfallen. Sie meisselt in ihrem Uetiker Atelier ausschliesslich Hühner, am liebsten aus Marmor. In ihren Skulpturen deutet sie nur das Wesentliche an, entsprechend klar und grosszügig sind die Formen. Die Struktur des Steins, den sie selbst im italienischen Carrara aussucht, kommt dabei schön zur Geltung.

«Das Huhn ist kein lukratives Sujet»

Eigentlich würde sich Schwyter gerne einmal an einem anderen Motiv versuchen. «Doch am Schluss lande ich immer wieder beim Huhn - obwohl es nicht unbedingt ein lukratives Sujet ist», sagt sie. Zumindest kenne sie keine Bank und keine Versicherung, die in ihrem Foyer ein grosses Huhn ausgestellt habe. Zum Glück lässt sich die Künstlerin trotzdem nicht davon abhalten, die von ihr ins Auge gefassten Menschen gekonnt in Hühnerform darzustellen. Jedes ihrer Hühner bekommt denn auch einen Namen. Hugo oder Alice heissen aber in Wirklichkeit selbstverständlich anders. Es sei schon vorgekommen, dass sich jemand quasi selber gekauft habe, aber das würde Schwyter nie und nimmer verraten. Charly Bühler und Gerda Schwyter in der Schwabach-Galerie. Schwabachstrasse 50, Feldmeilen. Noch bis 20. September.Öffnungszeiten: Do und Fr 18-20h, Sa und So 15-17h oder nach telefonischer Vereinbarung (Tel. 044 923 20 50 / 044 923 23 64).

Gerda Schwyter aus Männedorf und der Tösstaler Charly Bühler stellen in Feldmeilen ihre humorigen Werke aus.

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