Ab ins Theater – aber wohin mit den Kindern?

Das Theater Winkelwiese bietet aktuell eine Kinderbetreuung während den Vorstellungen an. Wie halten es die anderen Theater mit den Kleinen?

Elternschaft ist nicht einfach: Schauspielerinnen und Schauspieler im Stück «Schlaf!».

Elternschaft ist nicht einfach: Schauspielerinnen und Schauspieler im Stück «Schlaf!». Bild: Leni o./zvg

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Wer bei Ikea störungsfrei einkaufen will, schickt die Kleinen ins Bällebad. Wer im Fitnessstudio in Ruhe Sport treiben möchte, gibt seine Kinder in der angeschlossenen Betreuungseinrichtung ab. Und was machen all diejenigen, die gern ins Theater gehen?

Die sorgen selbst für die Betreuung des Nachwuchses. So war das schon immer. Ganz nach dem Motto: Wer ins Theater gehen will, soll sich einen Babysitter organisieren! «Wir wissen, dass das nicht immer möglich ist», sagt Saskia Keel, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Theater Winkelwiese. Deswegen bietet das Haus nun erstmals eine Sonntagsvorstellung mit Kinderbetreuung an; im Rahmen des Stücks «Schlaf!», das sich explizit mit Elternschaft befasst.

«Wir wollen möglichst vielen den Theaterbesuch ermöglichen», sagt Keel. Eine Altersgrenze bei den Kindern hat man bewusst nicht gesetzt. «Wir würden gern erst mal sehen, ob das Angebot überhaupt angenommen wird.» Bis zu drei ausgebildete Kindererzieherinnen stehen bereit, und das Kulturhaus Helferei vis-à-vis dem Theater stellt die Räume zur Verfügung.

Rückerstattung, falls die Eingewöhnung nicht klappt

Die Idee, Kinder zu beschäftigen, damit ihre Eltern ins Theater gehen können, ist nicht neu. In Österreich und Deutschland bieten etliche Häuser ausgewählte Aufführungen mit Kinderbetreuung an. Meist sind es auch hier Sonntagnachmittagsvorstellungen.

In der Winkelwiese wurde die Vorstellung vom 19. Mai extra auf 16 Uhr vorverlegt, damit es für die Kinder nicht zu spät wird. Ab 15 Uhr können die Kleinen bei den Erzieherinnen abgegeben werden, so besteht die Möglichkeit der Eingewöhnung. Sollte es dann trotzdem nicht klappen, können sich die Eltern die Theaterkarten zurückerstatten lassen.

«Die Skepsis und die Bedenken der Eltern, ihr Kind von Fremden betreuen zu lassen, sind hier gross.»Petra Fischer, Leiterin des Jungen Schauspielhauses

«Die Trennung von den Eltern ist nicht zu unterschätzen», sagt Petra Fischer, Leiterin des Jungen Schauspielhauses. Auch dort hat es unlängst mit «Doppelspiel» den ersten Theaterabend mit Betreuung gegeben. Während die Eltern «Hamlet» vom Zuschauerraum aus erlebten, durften die Kinder hinter die Bühne: in die Garderoben oder in die Mitarbeiterkantine. Die Resonanz sei toll gewesen.

Für Fischer ist es eine Voraussetzung, dass die Beschäftigung der Kinder etwas mit dem Theater zu tun hat. Es geht ihr um ein gemeinsames Erleben. Natürlich sei auch die reine Betreuung löblich. «Aber dann geht es halt primär um die Erwachsenen.» Wie auch immer die Kinderbetreuung im Einzelfall aussieht, hinkt da Zürich mit seinem Angebot nicht hinterher? «Die Skepsis und die Bedenken der Eltern, ihr Kind von Fremden betreuen zu lassen, sind hier gross», sagt Fischer. «Das mag in Deutschland anders sein, hier hat das Konzept noch keine Tradition.»

Mehr Kinderhütedienste in Planung

Fischer hätte gern öfter solche «Doppelspiele» angeboten, aber die benötigten räumlichen und personellen Kapazitäten seien nicht zu unterschätzen. Das gibt man auch im Theater Neumarkt als Grund dafür an, dass bisher kein derartiges Angebot gemacht werden konnte. Aber das Leiterinnen-Trio, das ab Herbst das Haus übernehmen wird, will die Möglichkeiten aufs Neue prüfen.

Auch im Tanzhaus plant man, nach der Wiedereröffnung im September pro Aufführungsserie einen Abend mit Kinderhütedienst anzubieten. «Ressourcen sind natürlich nicht da», sagt auch Saskia Keel. «Wir müssen uns das leisten, aber es ist uns wichtig und hat für uns mit Barrierefreiheit zu tun.» Und deshalb soll es auch nicht bei diesem einen Sonntag bleiben.

Aber was ist, wenn das Publikum das Angebot nicht annimmt? «Dann werden wir es auch drei- bis viermal anbieten, bis es im Bewusstsein der Eltern angekommen ist.»

Erstellt: 13.05.2019, 16:51 Uhr

Schlaf!

Von Norman Spenzer, Esther Becker Regie: Johanna Zielinski

Was, wenn eine Mutter nicht funktioniert, wie die Gesellschaft es von ihr erwarten würde? Können und dürfen Eltern heute zugeben, dass sie mit ihrer Rolle überfordert sind? Was, wenn man seine Mutterschaft bereut? Wie geht man damit um, wenn man die Anforderungen nicht erfüllen kann? Die Gruppe Norman Spenzer, Autorin Esther Becker und Regisseurin ­Johanna Zielinski, ebenfalls Mütter, stellen diese Fragen in ihrem Stück «Schlaf!». Sie bringen eigene Erfahrungen auf die Bühne und räumen mit dem Mythos ­uneingeschränkter Mutterliebe auf. Als Extremfall und mit dem Versuch, besser zu verstehen, rollen sie in diesem Zusammenhang auch den Dreifachkindsmord in Flaach auf, der 2015 die Schweiz erschütterte. (ish)

Theater Winkelwiese
Winkelwiese 5
Sa 11.5. (Premiere) bis Sa 25.5.
Eintritt 33 / 20 Franken
Am Sonntag 19.5. mit Gratis-Kinderbetreuung
www.winkelwiese.ch

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